Hochfilzen Simon Schempp rauschte mit erhobenen Armen ins Ziel, jubelnd stürzten sich Vanessa Hinz, Laura Dahlmeier und Arnd Peiffer auf den deutschen Schlussläufer. Mit einer bärenstarken Vorstellung schnappte sich die deutsche Mixed-Staffel am Donnerstag das erhoffte Gold und schaffte den ersehnten Traumstart in die Biathlon-WM. „Das ist für uns alle ein unglaublicher Tag. Wir sind Weltmeister, Hammer“, sagte Weltcup-Spitzenreiterin Dahlmeier. „Jetzt ist der erste Druck weg“, befand die große deutsche Medaillenhoffnung.

Knapp setzte sich das DSV-Quartett bei Kaiserwetter über die 2x6 und 2x7,5 Kilometer vor Frankreich (plus 2,2 Sekunden) und Russland (3,2) durch. Es war der dritte WM-Titel für das deutsche Mixed nach 2008 und 2010. Für die Russen gab es wegen der Doping-Vorwürfe bei der Blumenzeremonie Pfiffe von den Zuschauern, bei den Kasachen am Tag zuvor eine Doping-Razzia.

„Das war ein enorm cooler Start“, sagte Schempp. „Ich bin noch etwas sprachlos. Das bedeutet mir schon ziemlich viel“, befand Hinz. „Das gibt Selbstvertrauen für die WM, aber wir müssen uns alles wieder neu erarbeiten“, sagte Peiffer. Schon am Freitag geht es in Hochfilzen mit dem Damen-Sprint weiter, die Männer sind dann am Samstag wieder dran.

Hinz machte ihr Sache beim ersten Schießen prima, benötigte beim zweiten Auftritt am Schießstand allerdings zwei Nachlader. „Der Wind ist tückisch, man darf ihn nicht unterschätzen“, sagte sie. Die 24-Jährige reihte sich als Vierte hinter Italien, Olympiasieger Norwegen und Österreich ein. Mitfavorit Tschechien musste schon früh in die Strafrunde. Mit einem Rückstand von 9,8 Sekunden übergab Hinz als Sechste an Dahlmeier.

Die Weltcup-Spitzenreiterin übernahm schnell die Führung. Doch am Schießstand präsentierte sie sich ungewohnt unsicher. Liegend und stehend benötigte die 23-Jährige je zwei Nachlader, war trotzdem als Erste beim Wechsel. „Läuferische war es gut, aber vier Nachlader sind zuviel. Ich habe versucht, was zu riskieren“, sagte sie.

Und so kam es auch: Während die Konkurrenz reihenweise patzte, glänzte Peiffer mit zwei blitzschnellen und fehlerfreien Schießeinlagen. „Ich bin total froh, dass es so gut geklappt hat“, sagte er. Mit einem Vorsprung von 21,2 Sekunden auf den zweitplatzierten Italiener Dominik Windisch übergab Peiffer an Schempp. 46,5 Sekunden lagen die Franzosen da schon zurück, Weltcup-Spitzenreiter Martin Fourcade startete die Aufholjagd, doch Schempp behielt die Nerven und benötigte nur einen Nachlader.

Auch die Russen, für die Alexander Loginow nach seiner abgelaufenen EPO-Sperre nominiert worden war, hatten als Dritte schon einen Rückstand von 47,4 Sekunden. Olympiasieger Norwegen mit Schlussläufer Emil Hegle Svendsen lag da schon 68,7 Sekunden zurück.

„Wir dachten nicht, dass es möglich ist. Aber sie haben es getan“, twitterte Frankreichs Schlussläufer Fourcade wegen des umstrittenen Starts von Loginow. Norwegens Massenstart-Weltmeister Johannes Thingnes Bö sagte: „Ich bin nicht glücklich, Loginow an der Startlinie zu sehen.“ Und Erik Lesser, in der Mixed nicht dabei, schimpfte: „Die ganze Sache stinkt mir bis zum Himmel. In Russland nimmst du was, sitzt deine Sperre ab, kommst wieder und machst dir nen Fetten.“ Elfter wurden die Kasachen. Rund um das Team war es zu einem Eklat gekommen.

In ihrem Mannschaftshotel hatte die österreichische Bundespolizei am Tag vor dem ersten WM-Rennen eine Doping-Razzia durchgeführt. Im Januar hatte eine Privatperson beobachtet, wie die Insassen von mehreren Kleinbussen an einer Tankstelle in Osttirol einen größeren Karton entsorgten. „Im Karton befand sich eine beträchtliche Menge an gebrauchtem medizinischen Einwegmaterial, wie Einwegspritzen, Infusionen und Ampullen sowie handschriftliche Aufzeichnungen, die auf einen Dopingvorgang schließen ließen“, teilte die Polizei mit.

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