Von Martin Wein

Wilhelmshaven Schon die muslimischen Mauren nahmen ihre Kalifen mächtig auf die Schippe. Der verschwenderische Prunk der Palastgärten von Cordoba und Granada regte sie dazu an, die offenbar nicht immer frei von Verblendung regierenden Mächtigen auf die Schippe zu nehmen. 1335 brachte der Spanier Don Juan Manuel ihre Geschichte von der nackten Hochzeit des geleimten Kaisers unter abendländischen Vorzeichen zu Papier unter dem Titel „El Conde Lucanor“.

Der Däne Hans-Christian Andersen machte die Parabel fast exakt ein halbes Jahrhundert später 1837 in unseren Breiten populär und Theaterpädagoge Frank Fuhrmann brachte sie vermischt mit anderen Märchenfragmenten jetzt unter dem Titel „Von heute an heiraten alle nackt!“ mit dem Jugendclub der Landesbühne auf die Studio-Bühne.

Eltern und Freunde waren in Scharen gekommen, um den 15 jungen Laienspielern bei der Premiere zuzuschauen. Mit lebhaftem Szenenapplaus griffen sie ihnen unter die Arme. Fuhrmann selbst gönnt sich und den Aktiven diesmal eine quietschbunte Inszenierung mit gemalten Hintergründen und grellen Märchenkostümen. Es spielen Julia Michalczyk, Sara Gerdes, Nina Otten, Charlotte Anger, Bianca Pfahl, Kai Conrads, Alexander Iwanov, Damaris Rutsatz, Florian Wiese, Wiebke Harms, Lisa Meyer, Kim-Kristin Adler, Jan Leska, Laila Gerdes und Laura Strömer.

Als dramaturgischen Gag und theaterpädagogische Hürde lässt Fuhrmann die Mädchen als König, Minister und Schweinehirten auftreten, die Jungs aber in Röckchen und wallenden Roben als Hofdamen und Prinzessin auf der Erbse. Vor allem Alexander Iwanov in der Rolle der Prinzessin nimmt diese Herausforderung mit komödiantischem Talent und komisch verstellter Stimme an und verleiht dem Abend den Hauch einer Monty-Python-Klamotte.

Ansonsten ist ob der bekannten Handlung frühzeitig klar, wohin der Hase laufen wird. Da Fuhrmann auf eine ausdifferenzierte Regieführung bzw. auf eine satirische Überhöhung des Stoffs verzichtete, bleiben die Figuren holzschnittartig. Anders als in seinen früheren großartigen Zeitstücken, wo die Jugendlichen wenigstens zum Teil sich selbst spielen, wäre hier eine stärker lenkende Hand vonnöten gewesen. Trotzdem spielen die jungen Theaterneulinge mutig und mit Durchhaltevermögen zwei Stunden lang in wahrlich ungewohnten Rollen. Schon dieser Einsatz ist sicher einen Applaus wert.

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