Der Krebs-Tod von Ulrich Mühe hat viele Menschen bewegt. 1992 stand der Schauspieler für einen Spielfilm in Wilhelmshaven vor der Kamera.

von Martin Wein

Wilhelmshaven „So schnell wie (...) auf der ,Deutschland‘ in der Herrengarderobe sind aus deutschen Soldaten noch nie amerikanische geworden.“ Selbst die theatererfahrene Feuilletonistin Barbara Schwarz traute ihren Augen kaum: Im August 1992 wurde das Marinearsenal in Wilhelmshaven für drei heiße Wochen zum Filmgelände.

Unter der Regie des bekannten DDR-Regisseurs Frank Beyer – er drehte unter anderem den Klassiker „Spur der Steine“ – entstanden auf dem ausgemusterten Schulschiff „Deutschland“ und dem Tender „Werra“ Außenaufnahmen zu dem Kriegsspielfilm „Das letzte U-Boot“.

Der Film erzählt von einer U-Boot-Besatzung, die im April 1945 Unterlagen über den Bau einer Atombombe nach Japan bringen soll. Als Hitlers Tod und die Kapitulation an Bord bekannt werden, eskalieren die Spannungen an Bord.

Während linientreue Nazis die Mission erfüllen wollen, möchte Kommandant Gerber das Schiff den Alliierten übergeben.

Die Hauptrolle des Kommandanten übernahm damals Ulrich Mühe, der vor zehn Tagen im Alter von 54 Jahren verstarb. In einer Lederjacke aus dem Zweiten Weltkrieg, die die Requisiteure bei einem Sammler entdeckt hatten, stand er an Bord der „Deutschland“, die als amerikanisches Kriegsschiff geflaggt war. Mühe, der zuletzt im Oscar-prämierten Stasi-Drama „Das Leben der Anderen“ glänzte, war damals Ensemblemitglied am Deutschen Theater Berlin.

Den Wilhelmshavenern war er in jenem Jahr aus der Posse „Schtonk!“ um die gefälschten Hitler-Tagebücher bekannt. „Man hat von ihm aber kaum etwas gesehen. Er wartete ganz zurückhaltend auf seine Auftritte und spielte dann ungeheuer präzise“, erinnert sich Barbara Schwarz, die damals für diese Zeitung die Dreharbeiten begleitete.

Andere prominente Gesichter drängten sich damals mehr in den Vordergrund. AuUlrich Tukur, Manfred Zapatka, Matthias Habich und Udo Samel waren schließlich mit an Bord. „Ich habe vorher gar nicht gewusst, dass in Wilhelmshaven so viele Züge pfeifen“, erinnert sich Wolfgang Jungmann an die Dreharbeiten. Der heute 65-Jährige war seinerzeit als Pressesprecher des Presse- und Informationszentrums der Marine für die Koordination der Dreharbeiten zuständig.

„Es war eine deutsch-japanisch-amerikanische Co-Produktion, die in Englisch mit Originalton gedreht wurde. Deshalb haben wir versucht, die Stille auf dem offenen Meer zu simulieren.“ Mit Sprechfunkgeräten – Handys waren noch Mangelware – zog Jungmann damals zu diversen Baustellen in der Umgebung. „Ich bat sie dann, auf mein Kommando für ein paar Minuten den Presslufthammer fallen zu lassen.“

Auch 30 Mannschaftsdienstgrade des Zerstörers „Schleswig-Holstein“ kommandierte Jungmann als Komparsen zu den Dreharbeiten ab. Damit sie angemessen abgekämpft aussahen, durften sie mehrere Tage lang keine Rasierklinge oder Seife an sich heranlassen. Nicht alle waren begeistert.

Die schwierigste Aufgabe für Jungmann ergab sich, als ein schwarzer Steward dem gefangenen deutschen Kommandanten auf der Brücke einen Drink servieren sollte. „Ich hatte eine halbe Stunde, um den passenden Komparsen aufzutreiben – an einem Sonntag in Wilhelmshaven.“ Im Flüchtlingswohnheim wurde er fündig. Allerdings hatte die Geschichte ein Nachspiel: Das Sozialamt meldete sich bei dem eingesprungenen Asylbewerber wegen des Verdachtes einer illegalen Beschäftigung.

„Das letzte U-Boot“, der 1993 im ZDF zu sehen war, wurde kein Publikumserfolg. „Er wurde natürlich mit Wolfgang Petersens ,Boot‘ verglichen, gab die Enge und Finsternis in einem U-Boot aber nicht so eindrucksvoll wieder. Frank Beyer hat das aber auch nicht interessiert. Er wollte die Menschen in dieser historischen Situation zeigen“, meint Wolfgang Jungmann.

Auch Barbara Schwarz mochte den Film nicht. „Trotzdem habe ich mir jetzt noch einmal die DVD bestellt“, erzählt sie. „Ich möchte Ulrich Mühe darin noch einmal sehen. Er war ein unglaublicher Schauspieler. Er hat das Publikum fast allein mit seinen Augen gefesselt.“

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