Wilhelmshaven Zivilcourage, was ist das? Für Oberbürgermeister Andreas Wagner u. a. „die Selbstüberwindung vor der Angst, um einem Täter entgegen zu treten“. Für Notfallseelsorger Frank Moritz bedeutet es „handeln, und das macht Mut“ – allerdings ohne sich „unverhältnismäßig in Gefahr zu bringen“. Kreispfarrer Christian Scheuer nannte in seinem Festvortrag die Zivilcourage „den Prüfstein für unsere Gesellschaft“.

„Opfer oft übersehen“

Ausgehend vom barmherzigen Samariter, beleuchtete er die „theoretische Bereitschaft“ und die „innere Beteiligung“, was zusammen gehöre, um Zivilcourage zu praktizieren. Und er beklagte: „Unsere Wohlstandsgesellschaft sieht häufig über die Opfer hinweg“ – so wie das zu Beginn der Veranstaltung einigen Teilnehmern passierte, als sie den scheinbar von der Leiter gefallenen Mann im Foyer des Banter Mehrgenerationenhauses übersahen. Eine zusammen mit dem Amateurschauspieler Klaus Wucher (Niederdeutsche Bühne Neuenburg) wohl kalkulierte Provokation, um zu erkennen: selbst Teilnehmer an einer Veranstaltung, in der es um Zivilcourage geht, verhalten sich nicht alle vorbildlich.

Zum dritten Male seit 2010 zeichnet der von Ex-Polizeipräsident Horst Heitmann geführte Verein zur kommunalen Prävention zusammen mit dem Kriminalpräventionsrat Wilhelmshaven, der Stadt und weiteren 13 Organisationen Bürger aus, die Zivilcourage bewiesen oder besondere Hilfe geleistet haben. 18 Vorschläge seien für „Zivilcourage 2013“ eingegangen, berichtete Heitmann.

Am Donnerstag wurden acht Personen, die zur raschen Aufklärung von Straftaten beitrugen, mit Geldpreisen in Gesamthöhe von 600 Euro bedacht, die von der Sparkasse Wilhelmshaven gespendet wurden. Zwei Männer erhielten je einen Gutschein für ein Abendessen für ihren Einsatz bei einem Unglücks- bzw. Badeunfall.

Zu viel Kriminalität

Polizeipräsident Hans-Jürgen Thurau gratulierte den Ausgezeichneten und lobte die Protagonisten der Präventionsarbeit in Wilhelmshaven: „Sie haben enorm viel erreicht“. Nachdem Wilhelmshaven mit umgerechnet 13 600 Straftaten auf 100 000 Einwohner eine sehr hohe Kriminalitätsrate zu verzeichnen hatte, sei diese jetzt um 15 Prozent zurückgegangen, was Thurau nicht zuletzt auf die Präventionsarbeit zurückführt. Und er brach auch eine Lanze für die Jugend mit Hinweis darauf, dass auch die Jugend- und Kinderkriminalität zurückgegangen sei.

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