Die „Toys Company“ gibt Arbeitslosen eine Chance. Und macht Kinder glücklich, deren Familien kein Geld für Spielzeug haben.

von Meike Hicken

Wilhelmshaven Carina ist glücklich. Grinsend hält sie ein quietschgrünes Krokodil in den Händen, drückt das Kuscheltier ganz fest an sich. Ihre Mutter lächelt. Heute kann sie ihrer Tochter den Wunsch nach einem Kuscheltier erfüllen, muss sie nicht weiterziehen, weil das Geld nicht reicht. Sie hat noch „Toystaler“ übrig – die einzige Währung, die in der „Toys Company“ zählt.

Taler bekommt hier nur, wer bedürftig ist. Dafür muss man sich anmelden, bekommt eine Kundenkarte. 1216 Kinder sind registriert und 563 Erwachsene. Zahlen, die bestätigen, dass Armut für viele Familien in der Jadestadt kein Fremdwort ist. Bis die Verfassungsrichter im laufenden Verfahren anders entscheiden, beträgt der Hartz-IV-Satz für Kinder 215 Euro. Nach Abzug von Lebensmitteln und Kleidung bleibt da für Spielzeug oft nichts übrig. Vor allem an Weihnachten fällt es schwer, Wünsche der Kinder zu erfüllen.

20 Taler bekommt jeder Kunde im Monat. „Wir geben den Sachen so einen Wert“, sagt Projektleiter Ralph Knura.Das grüne Krokodil kostet drei Taler. Bevor die Dreijährige das Spielzeug aber an sich drücken kann, musste es mehrere Stationen durchlaufen. Die „Toys Company“ ist ein Qualifizierungsprojekt der Dekra und des Job-Centers. Arbeitslose werden hier wieder an einen geregelten Tagesablauf herangeführt, umgeschult oder weiterqualifiziert. Ziel: Der Wiedereinstieg in den ersten Arbeitsmarkt.

Auch Hildegard Eilers möchte zurück in den Beruf. Die gelernte Frisörin ist seit Februar bei der „Toys Company“. In dem Projekt hat die 57-Jährige gelernt, am PC zu arbeiten. Sie registriert die Spielzeuge, Fahrräder, Kindermöbel oder PCs, nachdem Spender sie bei der „Toys Company“ abgegeben haben. Schon jetzt hat für sie die Arbeit für die Vorweihnachtszeit begonnen. Man möchte möglichst vielen Kindern ein Fest mit Geschenken ermöglichen. Hildegard Eilers tippt die Daten des grünen Krokodils ein. Die Reise für das Kuscheltier geht weiter.

Es landet bei Vanessa Manni und die kennt kein Erbarmen. Ohne mit der Wimper zu zucken, stopft sie das Kuscheltier in die Tiefkühltruhe. Hier werden Keime abgetötet, bevor es in die Waschmaschine geht.

Für das grüne Krokodil geht es weiter. Der kleine Riss am Bauch muss geflickt werden. Das übernimmt heute Carmen Wendtland. Die 26-Jährige hat selbst eine kleine Tochter, ist auch Kundin bei der „Toys Company“. Seit einem Monat flickt sie alte Spielzeuge wieder zusammen. Vorher hat sie nicht gearbeitet. Trotzdem gefällt ihr der neue Rythmus. „Das ist besser, als Zuhause zu sitzen“, sagt sie.

Der letzte Stich ist gesetzt, für das grüne Krokodil geht es weiter – in den Verkaufsraum der „Toys Company“. Zielsicher packt Carina zu. Dieses Kuscheltier soll es ein. Ihre Augen leuchten und auch ihre Mutter ist glücklich. „Dank dieses Angebots kann ich der Kleinen viel mehr ermöglichen“, sagt sie – auch zum kommenden Weihnachtsfest.

Die „Toys Company“ nimmt Spielzeug, Kindermöbel, PCs und Fahrräder im Mühlenweg 2 entgegen. Die Sachen werden auf Anfrage, Tel. 04421/80 64 780 auch abgeholt. Geöffnet hat der Verkaufsraum montags bis freitags von 8.30 Uhr bis 15:30 Uhr.

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