Ab Oktober wird die Stadt Wilhelmshaven um eine traditionsreiche Gesundheitseinrichtung ärmer sein. Der Ärger über die Schließung des Kurbades Gesundbrunnen ist groß.

von walburg dittrich

wilhelmshaven „Drei Gesundheitsreformen haben wir überstanden. Für unser Ende hat jetzt die Stadt gesorgt“, sagt der 59-jährige Friedrich Tholen, der seit 1971 Kneipp-Bademeister im Kurbad ist. So wie er werden auch seine acht Kollegen bald in die Arbeitslosigkeit entlassen.

Doch nicht nur die Angestellten der traditionsreichen und einzigartigen Gesundheitseinrichtung sind enttäuscht und wütend. Sauer sind auch die Nutzer. Allen voran die 26 Gruppen der Rheuma-Liga, die das Meerwasser-Bewegungsbad einmal oder mehrmals pro Woche frequentieren. Pro Gruppe sind das rund 15 Personen, die vom Arzt und der Krankenkasse die Anwendungen verordnet bekommen.

Aber nicht nur wegen des Meerwasser-Bewegungsbades, sondern auch wegen der heilenden Wirkung der Schlickbäder ist das Kurbad bekannt und beliebt. Und das schon seit den 20er-Jahren, als die ersten Schlick- und Meerwasseranwendungen im Städtischen Krankenhaus erfolgreich getestet wurden. Später zog man mit dem Bad an den Südstrand.

Im September 1971 wurde nach elfmonatiger Bauzeit das Kurbad Gesundbrunnen an seinem heutigen Standort eröffnet. Baukosten damals: eine Million Mark. „Bis Ende der 90er-Jahre gab es hier noch einen Kurarzt und es wurden offene Badekuren durchgeführt, zu denen auch viele Kurgäste von außerhalb in die Stadt kamen“, berichtet Andreas Dengler, der Pächter des Bades.

„Ich bin noch nie so wütend auf unsere Stadt gewesen“, sagt Heidi Hey, „die Stadt ist Meister im Plattmachen.“ Sie verstehe nicht, warum die Stadt keine Lösung für ein Meerwasser- oder Schlickbad finden konnte, ob im neuen City-Bad-Areal, im Nautimo oder im Reha-Zentrum. „Ich bin alte Wilhelmshavenerin, doch manchmal würde ich am liebsten meine Koffer packen und abhauen“. Zum Gesundheitsbaden und Saunieren jedenfalls fahre sie nun jedenfalls nach Hooksiel oder Horumersiel.

Franz Neugebauer, Geschäftsführer der Stadtwerke, die als Eigentümer des Grundstücks für die Ausschreibungen zur Neubebauung zuständig war, sagt: „Es gab die Vorgabe unsererseits, dass alle Bebauungspläne ein derartiges Kur- oder Gesundheitsbad berücksichtigen und integrieren sollten. Das wurde von allen Wettbewerbsteilnehmern auch eingehalten.“ Am Ende seien alle guten Ideen und alle Bemühungen, auch die von Wirtschaftsförderer Wolfgang Frank, an der Wirtschaftlichkeit eines solchen Projekts gescheitert.

Die Investitionen, die übrigens ein Vielfaches der damaligen Baukosten (Anm. d. Red.) betragen hätten, lägen außerhalb der Möglichkeiten der derzeitigen Kurbadbesitzer. Und auch für die Investoren, den Zuschlag erhielt Spar & Bau (wir berichteten), sei das finanzielle Risiko zu hoch gewesen. „Einnahmen und Ausgaben liegen meilenweit auseinander“, sagt Neugebauer, „man kann so eine Einrichtung nicht kostendeckend betreiben.“

„Menschen sind Menschen gleichgültig.“ Dieses Fazit zieht in dieser Angelegenheit Adolf Repinski. Er nimmt seit 1981 vier Mal pro Woche die Angebote des Kurbades in Anspruch. „Das gehört zu meinem Leben“, sagt er. Er habe einen Berufsunfall gehabt und ohne die Bewegungsbäder und Schlickpackungen säße er schon längst im Rollstuhl. Wo er nun hin soll, weiß er nicht. „Doch die umliegenden Gemeinden werde es wohl freuen, wenn Wilhelmshaven so eine Anlage aufgibt.“

„Wir haben all die Jahre gearbeitet, und nun, wo wir uns um unsere Gesundheit kümmern müssen und können, wird alles dicht gemacht und eingespart“, schimpft Hildegard Dieckmann. Eine Fahrerlaubnis habe sie nicht und mit dem Fahrrad könne sie wohl kaum ins Wangerland fahren. Nun müsse sie ihre Schlickbäder wohl in der Badewanne zu Hause nehmen, sagt sie bitter, das würden die Krankenkassen aus Kostengründen sowieso schon lange empfehlen.

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