„Künstlerwirbel“ inmitten von Baustellenromantik gab es Sonnabend im alten Wasserturm. Die „Bürger für Wilhelmshaven“ wollen das Bauwerk als kulturellen Treffpunkt etablieren.

Von Meike Hicken

Wilhelmshaven Es ist nicht perfekt. In den Türbogen fehlen Steine, der Boden ist uneben und hier und da liegt noch ein wenig Bauschutt herum.

Alles ist ein wenig provisorisch. Aber es hat Charme. Der Wasserturm ist noch eine große Baustelle, strahlt aber schon jetzt eine tolle Atmosphäre aus.

„Im Laufe dieses Jahres wollen wir mit der Restaurierung fertig werden“, erzählt Gabriele Iwersen vom Verein „Bürger für Wilhelmshaven“. Aus dem Provisorium soll ein traditioneller und kultureller Treffpunkt der Stadt werden. Doch dafür braucht es Spenden. Ein großer Schritt in diese Richtung war der „Künstlerwirbel“, den die Musikinitiative am Sonnabendabend in dem historischen Bauwerk veranstaltete.

Inmitten der charmanten Baustellenatmosphäre fanden sich Künstler der verschiedensten Genres zusammen. „Wir haben für jeden etwas dabei“, betonte Andreas Koût von der Musikinitiative.

Und so wurde der Besucher auf jeder Etage von einem neuen Künstler überrascht. Als im Erdgeschoss noch die „Compania flamenca del mar“ mit ihren Flamencotänzen spanisches Flair verbreitete, las Ewald Eden im ersten Stock bereits plattdeutsche Alltagsgeschichten. Auch seine musikalische Begleiterin, Anita Rabenstein, bildete einen starken Kontrast zu den feurigen Klängen aus dem Erdgeschoss. Sie spielte aber weder Kastagnetten noch feurige Gitarren sondern Mundharmonika.

In zahlreichen Nischen und im Treppenaufgang standen bewegungslose Darsteller. Erst auf dem zweiten Blick fiel auf, dass es sich nicht um Schaufensterpuppen, sondern um Schauspieler handelte. In Bauarbeiterkleidung brachten sie, unter der Leitung von Angelika Heinich, ein wenig Theaterluft in den historischen Wasserturm. Mit Kitteln und gefährlich wirkenden Zutaten hantierte „das Labor“. Roman Radje und Sven Linker zeigten aber weder Explosionen noch chemische Reaktionen, sie präsentierten eine Sammlung von kurzen Geschichten und Gedichten, die Autoren aus dem Ammerland und Oldenburg für dieses „Versuchsprojekt“ veröffentlicht hatten.

Sechs Stunden lang wechselten sich 56 Akteure ab. Sie boten Blues, Latin- und Jazzmusik, maritime Klänge und Folklore. Zahlreiche Künstler stellten ihre Werke aus. Schon zur Halbzeit waren die Veranstalter mehr als zufrieden. „Alle Besucher sind begeistert“, freute sich Iwersen und Koût war sich sicher, dass der „Künstlerwirbel“ nicht die letzte Veranstaltung im Wasserturm war. „Natürlich ist das nichts für den Mainstream“, betonte er, „aber für kleinere Veranstaltungen ist der Wasserturm ein toller Ort“.

Auch wenn das Bauwerk schon allein sehr viel Atmos-

phäre ausstrahlt, war es doch die Mischung aus Kunst und Baustelle, aus Perfektion und Provisorium, die die Veranstaltung zu etwas Besonderem machte.

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