Wiefelstede Die NWZ -Recherchen über mögliche rechtsextreme Hintergründe der Ahnenstätte Conneforde haben eine lebhafte Debatte vor Ort ausgelöst. In der Sendung „Nordwestradio unterwegs“, live übertragen aus dem voll besetzten Hof Kleiberg in Wiefelstede, forderte SPD-Fraktionschef Jörg Weden unter Beifall: „Wir wollen Aufklärung jetzt – es wird Zeit!“

Weden sagte, er habe ein „schlechtes Gewissen“, dass die Ahnenstätte bislang nie Thema im Gemeinderat war. Umso dringlicher sei es, „dass man das Nebulöse dieser Einrichtung mal lüftet“.

Nordwestradio-Moderator Stefan Puls listete dieses „Nebulöse“ noch einmal auf: die vielen alten und neuen Nazis, die auf dem Waldfriedhof begraben sind. Das Gründungsmitglied Prinzessin Reuß-zur Lippe, das zeitlebens den Holocaust leugnete. Der Ex-Vorstand, der die NPD mitgründete. Der aktuelle Vorstand, der Aufsätze in rechten Publikationen veröffentlicht.

Dieter Hashagen, Mitglied des Ahnenstättenvereins, räumte ein, dass die Ahnenstätte zwar von „alten Nazis“ gegründet worden sei – allerdings bereits 1958, „da waren noch drei Viertel aller Bundesbürger alte Nazis“ (Gejohle im Publikum). Laut Hashagen sei es damals nicht darum gegangen, einen Nazi-Friedhof zu gründen, sondern kirchenfernen Menschen eine Ruhestätte zu geben. „Parteipolitisch“ wurde nie diskutiert.

Aber stimmt das auch?

SPD-Mann Weden kündigte an, er wolle sich im Rat dafür einsetzen, „dass wir als Gemeinde uns über alle Parteigrenzen hinweg mit der Uni Oldenburg in Verbindung setzen, um die Vergangenheit aufarbeiten zu können. Dafür könnte man auch Geld in die Hand nehmen“. Rückendeckung erhielt er vom Rats-Kollegen Jens-Gert Müller-Saathoff (Grüne): „Wir wollen kein rechtes Gedankengut haben in unserer Gemeinde!“

Für die Universität Oldenburg wies Prof. Dr. Dietmar von Reeken darauf hin, dass Historiker für eine solche Aufarbeitung Quellen benötigen – „hier müsste der Verein sein Vereinsarchiv oder alte Unterlagen zur Verfügung stellen“.

Ob er das tun würde, bleibt offen: „Ich weiß es nicht“, sagte Vereinsmitglied Hashagen, „ich bin nicht der Verein.“


Die NWZ -Reportage über Ahnenstätten:   http://bit.ly/1ykktfe 
Karsten Krogmann Redakteur / Reportage-Redaktion
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