Wiefelstede /Rastede „37 Jahre reichen“, sagt Wolfgang Gerve. 37 Jahre war der heute 68-Jährige erst Spielertrainer, dann Trainer und schließlich – bis heute – Team-Manager der 1. Herren des SVE Wiefelstede. Am 1. Juli ist nun Schluss: Der Rasteder, den alle auf vielen Fußballplätzen in der Region nur „Wolle“ nennen, hört auf. Am kommenden Samstag tritt die 1. Herren im letzten Heimspiel der Saison gegen den SV Baris Delmenhorst an. Der Abstieg der Noch-Bezirksligisten Wiefelstede in die Kreisliga ist allerdings bereits besiegelt. Im Anschluss an das Spiel will der SVE „Wolle“ Gerve dann in einer Feier mit geladenen Gästen ganz offiziell aus dem Amt des Team-Managers verabschieden.

Entscheidung schon 2017

Im Verein bekannt gemacht hatte Gerve seine Entscheidung bereits im November 2017, sagt SVE-Vorsitzender Ralf Geerdes, der diesen Schritt des 68-Jährigen durchaus bedauert – auch wenn er ihn verstehen kann. „Dass sich jemand so lange so intensiv wie Wolfgang Gerve ehrenamtlich in einen Verein einbringt, das gibt es nicht alle Tage“, weiß der Vorsitzende.

Einer seiner Vorgänger, Horst Ruth, hatte Gerve 1982 beim FC Rastede ganz gezielt abgeworben, wo dieser in der 1. Herren spielte – und eben als Spielertrainer zum Kreisligisten Wiefelstede geholt. „Eine Entscheidung, die damals auch in der Mannschaft bezüglich dieser Doppelfunktion zunächst nicht unumstritten war“, erinnert sich Geerdes, damals selbst Spieler in der 1. Herren. „In der Praxis war das dann aber kein Problem mehr“, weiß der heutige Vereinsvorsitzende.

„Ich hatte bereits die Trainerlizenz und wollte unbedingt Trainer werden“, nennt Gerve einen der Gründe, warum er den FC Rastede als Spieler verließ. Mit 12 hatte er dort mit dem Fußball begonnen, trat mit 18 in die dortige 1. Herren ein. Mitglied ist er übrigens noch heute im FC Rastede – allerdings rein passiv. Zwei Jahre arbeitete er in Wiefelstede zunächst als Spielertrainer, wurde dann Trainer, der er bis 30. Juni 2017 blieb. „2007/8 kam die Gebietsreform, die Bezirksklasse wurde abgeschafft“, erinnern sich Gerve und Geerdes an eine an der Fußball-Basis heftig kritisierte Entscheidung des DFB. Die Wiefelsteder – damals auf Platz 9 – fielen zurück in die Kreisliga und hatten in der Fußball-Saison 2008/9 mit dem Aufstieg von der Kreisliga direkt in die Bezirksliga naturgemäß sportlich eine harte Nuss zu knacken.

102 000 Kilometer

Als Team-Manager nur für die 1. Herren engagierte sich Gerve ab ab 2007 außerhalb des rein Sportlichen im Sponsoring und der Organisation im Hintergrund. Er kümmerte sich ums Drumherum, um Terminverschiebungen für die Spiele, organisierte die Mannschaftsfahrten – und war bis heute bei fast jedem Spiel des Teams auch am Spielfeldrand dabei. Bei 1850 Spielen der 1. Herren war er in den 37 Jahren dabei, gut 50 pro Saison, wenn er etwa die Hallenturniere mitrechnet. Und wenn er die Fahrten von Rastede nach Wiefelstede und zurück zusammenzählt, die er viermal die Woche macht, dann kommen da bisher locker 102 000 Kilometer zusammen. Das ist, als hätte er allein dafür zweieinhalbmal die Erde umrundet. „Das Sponsoring, mit dem vor allem die Ausrüstung des Teams finanziert wird, entlastet auch die Vereinskasse“, weiß Geerdes. Und die 1. Herren – das Team mit der größten Außenwirkung für den SVE – sei da prima ausgestattet, lobt der Vorsitzende das Engagement Gerves auch in diesem Bereich. „Die Mannschaft soll überall anständig auflaufen“: Das hatte sich Gerve als Team-Manager selbst auf die Fahne geschrieben – und realisiert. Ansprechpartner fürs Team in allen Lebenslagen war und ist Gerve natürlich zudem. „Er hat die Mannschaft stets betüdelt“, bringt es Geerdes auf den Punkt.

Während seines Engagements als Trainer und Team-Manager war die 1. Herren zweimal Mannschaft des Jahres bei der NWZ-Sportlerwahl – 1999 und 2009. Achtmal holte sich das Team die Hallenkreismeisterschaft. Gerve selbst erhielt 2017 den Ehrenamtspreis des Niedersächsischen Fußball-Verbandes (NFV) in Barsinghausen und ist Träger der Goldenen Ehrennadel des SVE. „Die wurde bislang im Verein nur viermal verliehen“, betont Geerdes.

Erstmal Urlaub

Und nach dem 1. Juli? „Erstmal Urlaub machen“, sagt Gerve: Und dann in Rastede das Oldenburger Landesturnier“. Bei dieser Reitsport-Großveranstaltung ist Gerve nämlich als Hindernisrichter aktiv. Neben seiner Fußballleidenschaft geht er übrigens auch noch anderen „Bewegungshobbys“ nach: Er schwimmt regelmäßig und fährt Fahrrad. Dem Fußball und vor allem der 1. Herren des SVE wird er aber treu bleiben, sagt er. Und so wird „Wolle“ Gerve auch künftig mal bei Begegnungen der 1. Herren am Spielfeldrand stehen.

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