Westerstede Dinge zu reparieren, anstatt sie wegzuwerfen: Das ist die Idee eines Repair-Cafés. Auch in Westerstede gibt es seit 2014 ein solches Angebot. Jeden zweiten Samstag im Monat bieten Ehrenamtliche von 14 bis 18 Uhr in der Apothekervilla, Gaststraße 4, ihre Hilfe an. Sie löten, schrauben und nähen und unterstützen die Besucher beim Reparieren. Dafür erhalten sie ein Dankeschön und eine kleine Spende für den laufenden Betrieb.

Eigentlich eine gute Idee, finde ich. Zu Hause liegt schon länger ein fast neues Bügeleisen mit einer defekten Schnur herum. Dann gibt es da noch einen Bettbezug, dessen Reißverschluss ständig aufgeht. Beides greife ich mir und versuche mein Glück.

In der Apothekervilla sind die Ehrenamtlichen gerade dabei, ihre Werkzeugkoffer aufzubauen und die Nähmaschine einzurichten. Doch für mich geht es zunächst in den Nebenraum zur Anmeldung. Ausgefüllt wird ein Zettel mit einigen Angaben, und ich erhalte den Hinweis, dass keine Garantie übernommen wird. Ist ja auch klar, es handelt sich schließlich um keine Profis.

Nach und nach kommen weitere Besucher mit defekten Gegenständen herein. Da einer nach dem nächsten drankommt, bleibt Zeit zum Plaudern und zum Kaffeetrinken. Willkommen ist hier auch jeder, der nichts zum Reparieren mitbringt.

Zwischen 15 und 20 Besucher kommen an solchen Terminen, schätzt Günter Frenzel, der sich um die Organisation kümmert. Zu Spitzenzeiten seien es auch schon mal über 30 gewesen. Dann aber werde es für die Ehrenamtlichen schwierig, alle Wünsche zu erfüllen, und es komme zu längeren Wartezeiten. Zwei Ehrenamtliche kümmern sich um die Elektrik, eine um Näharbeiten und zwei weitere sind „Allrounder“. Hinzu kommt noch eine Fahrradwerkstatt, wo gerade ein Platten geflickt wird.

„Die meisten sind seit Jahren dabei und haben schon vieles repariert – von Stühlen bis zu Elektrokleingeräten“, sagt Frenzel. „Ein benzinbetriebener Motor, so etwas geht natürlich nicht. Wir sind ja keine richtige Werkstatt.“

Bei der Gründung sei durch Zuschüsse von Stadt und Land ein kleiner Grundstock an Werkzeug angeschafft worden. Trotzdem könne man nicht alles vorhalten, was für eine Reparatur gebraucht werde. Ersatzteile und einige Materialien müssen daher gekauft werden.

Jetzt geht es für mich in die „Werkstatt“. Hier sitzt Gerd Brand. Er ist neu hinzugekommen. „Ich war schon immer ein Bastler vor dem Herrn und habe eine Aufgabe gesucht, bei der ich anderen helfen kann“, berichtet er von seinen Beweggründen, sich im Repair-Café zu engagieren. Er wirft einen Blick auf das Bügeleisen und die defekte Schnur. „Die ist mehrfach geknickt worden“, stellt er fest.

Ein passendes Ersatzteil ist leider nicht da, erfahre ich. Wenn ich aber die Schnur besorgt habe, kann ich wiederkommen. Damit ich das Bügeleisen bis dahin trotzdem nutzen kann, umwickelt er die Schnur mit etwas Isolierband. „Nicht zu lange warten“, warnt er.

Hinten im Raum sitzt Annegret Schubert-Bruns an ihrer Nähmaschine. Sie ist von Anfang an dabei. „Ich habe schon immer gerne genäht. Hier kann man der Allgemeinheit helfen und Leute kennenlernen“, sagt sie. Ihr zeige ich den defekten Reißverschluss und hoffe darauf, dass man die Zähnchen mit einem Trick wieder zusammenbringt. Leider funktioniert das nicht. Ich muss erst einen neuen Verschluss besorgen, dann kann sie mir helfen. So packe ich meine Sachen ein und werde bei einem der nächsten Termine mit den passenden Ersatzteilen wiederkommen.

Mein Fazit: Nicht alles kann sofort repariert werden und manches vielleicht auch gar nicht. Aber immerhin kann man es versuchen. Insbesondere wenn es sich, anders als bei meinen Gegenständen, um etwas handelt, an dem das Herz hängt. In jedem Fall ist die Einrichtung eine gute Idee gegen den Wegwerfwahn. Und man trifft andere und kommt ins Gespräch.

Kerstin Schumann Redakteurin / Redaktion Westerstede
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