Brake So etwas gibt es nur ganz selten: Beifall brandete im Sitzungssaal des Braker Amtsgerichts auf, als die Vorsitzende Richterin den Freispruch verkündete. Zuvor hatten die beiden Verteidiger der 31-jährigen Angeklagten in einer mehr als sechsstündigen – und für viele der rund 30 Zuhörer unterhaltsamen Hauptverhandlung – alles unternommen, um das Gericht von der Unschuld ihrer Mandantin zu überzeugen.

Der gebürtigen Hamburgerin, die in Leipzig wohnt, war vorgeworfen worden, am 17. September 2012 die Zufahrt zur Firma Wilmar Edible Oils in Brake, die Palmöl verarbeitet, mit anderen Aktivisten von Robin Wood blockiert zu haben. Die Anklage lautete auf gemeinschaftlich versuchter Nötigung. Lkw- und Autofahrer seien an der Weiterfahrt gehindert worden.

In einer Stellungnahme, die sie zum Prozessbeginn vorlas, schilderte die Angeklagte ihre Beweggründe. Sie habe in Brake demonstriert, um auf die Vernichtung der Urwälder und auf Menschenrechtsverletzungen bei der Palmölgewinnung hinzuweisen. Wilmar sollte endlich Verantwortung für das angerichtete Leid und für die Umweltzerstörungen übernehmen, betonte sie.

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Während der erste Zeuge, ein 34-jähriger Metallbauer, der mit seinem Firmenwagen schließlich die mit zwei roten Betonpyramiden blockierte Hauptzufahrt verlassen konnte, nach einigen Minuten aus dem Zeugenstand entlassen wurde, glich die Befragung des 50-jährigen Polizeihauptkommissars, der den Einsatz 2012 geleitet hatte, einem Kreuzverhör. Im Verlauf der gut zweistündigen Befragung, die einmal unterbrochen wurde, deckten die beiden Anwälte immer mehr Ungereimtheiten auf. So fehlte im ersten Prozessordner der Bericht des Einsatzleiters, der darin die Durchfahrt des 34-jährigen Metallbauers nicht erwähnt hatte. Vorhandene Fotos, die das dokumentierten, lagen ebenfalls nicht bei. Dass der 50-Jährige von der Oldenburger Staatsanwaltschaft zu den Vorfällen befragt worden war – „Das ist mir in meinen 30 Dienstjahren zum ersten Mal passiert“, so der Zeuge – war laut Verteidigung ebenfalls nirgends notiert worden.

Des Weiteren konnte sich der Zeuge an viele Dinge nicht erinnern, was die beiden Verteidiger bei ihren Fragestellungen noch mehr ins Polemische abgleiten ließ. Sie stritten zwischenzeitlich auch mit der Vorsitzenden Richterin, die gezieltere Fragen und weniger Stellungnahmen seitens der Verteidigung wünschte.

Bei der Urteilsverkündung kritisierte die Richterin dann noch das Zustandekommen der Verhandlung. Wären die Fakten im Vorfeld alle so bekannt gewesen, hätte sie den Strafbefehl nicht unterzeichnet, sagte sie. Die Staatsanwaltschaft hatte am Mittwoch eine Geldstrafe von 20 Tagessätzen zu 15 Euro gefordert.


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Ulrich Schlüter Elsfleth / Redaktion Brake
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