NORDENHAM Die Butjadinger Bahn nimmt ihren Betrieb wieder auf. Am Sonntag, 8. Januar, fahren zwei Züge von Nordenham nach Burhave und zurück – und zwar pünktlich nach dem Fahrplan von 1953. Der Schaffner Ulfert Peters (88), bis 1956 Bediensteter der Butjadinger Bahn, gibt mit seiner Trillerpfeife das Signal zur Abfahrt – um 10.30 und um 13.05 Uhr.

Nur mitfahren kann niemand, denn selbstverständlich verkehren lediglich Modellzüge. Aber zuschauen ist möglich – von 10 bis 18 Uhr im Güterschuppen des Theaters Fatale. Dort bauen fünf Modellbahn-Freunde aus Nordenham und Butjadingen knapp die Hälfte der alten Strecke der Butjadinger Bahn nach, die von 1908 bis 1956 zwischen Nordenham und Eckwarderhörne pendelte.

Nah an der Realität

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Dennoch können die Besucher der Ausstellung die Bahnfahrt nicht nur aus der Vogelperspektive erleben, denn in die Modellbahn wird eine Minikamera eingebaut, die die Zugfahrt auf eine große Leinwand überträgt. Die Bahn-Fans haben die allergrößte Mühe darin investiert, der Realität von damals so nahe wie möglich zu kommen.

Einer von ihnen ist selbstverständlich wieder Rolf Gerdes, der Sohn des früheren Stollhammer Bahnhofswirts Heinz Gerdes. Genau wie seinen Mitstreitern genügt es ihm nicht, die Erinnerung an die legendäre Bahn wachzuhalten. Er will zurückholen, was verloren gegangen ist, und retten, was verloren zu gehen droht. Dazu ermittelt der Eisenbahner manchmal wie ein Detektiv.

Auch Helmut Reins und Rainer Bühring müssen sich in den vergangenen Jahren vorgekommen sein wie private Ermittler. Reins, ehemals Rektor der Grundschule Einswarden und Vorsitzender des inzwischen aufgelösten Modelleisenbahn-Clubs Nordenham, hat sich als Pensionär erstmals in die Untiefen des historischen Modellbaus gewagt. In seinem Club war er für die Elektronik zuständig gewesen.

Jetzt hat er die ersten Kilometer der Butjadinger Bahn zwischen der Rampe an der Bahnhofstraße und dem Schützfelder Weg im Maßstab 1:87 nachgebaut. Damit das Modell nicht zu lang wird – eigentlich müsste es 10 Meter messen – hat es Helmut Reins nicht ganz maßstabsgerecht auf 6 Meter verkürzt. Glanzstück ist der Lange Jammer, ein Wohnhaus, das die Großherzoglich Oldenburgische Eisenbahn 1875 für ihre Arbeiter und Beamten an der heutigen Müllerstraße gebaut hatte. 1956 wurde es abgerissen. Reins hat es anhand von alten Fotos und Lageplänen rekonstruiert.

Auch Rainer Bühring musste viel recherchieren, um den Burhaver Bahnhof nachbauen zu können. Bis heute hat er nicht alle Fragen klären können. Zu sehen sind auch die Modelle der Bahnhöfe Ellwürden, Abbehausen und Stollhamm sowie des Haltepunkts Mitteldeich.

Detlev Neuhof aus Burhave stellt drei Modelle von Dampflokomotiven und eine Drehscheibe im Maßstab 1:32 vor. Der 69-jährige gebürtige Rheinländer hat sie komplett selbst gebaut. Schon seit Jahrzehnten baut Modelle und verkauft sie auch.

Auch zwei zehnminütige Filme führen zurück in die Vergangenheit. Einer ist eine Leihgabe des Museums Nordenham und zeigt den Betrieb der Butjadinger Bahn in den Jahren 1938 bis 1940, den anderen hat Heinz Uecke in den 40er Jahren gedreht. Ueckes Vater betrieb damals das Kino UT am Bahnhof.

Lukas steuert die Loks

Das ist alles nur eine Generalprobe“, sagt Rolf Gerdes. Denn zur 700-Jahr-Feier Abbehausens wird die Ausstellung im Frühjahr wieder zu sehen sein – zwei Tage in der Bahnhofsgaststätte von Peter Zeinert. Und wieder wird Lukas, der 16-jährige Sohn von Rainer Bühring, am Steuerpult stehen.

Die Gastronomie des Theaters Fatale ist während der Ausstellung durchgehend geöffnet.

Helmut Knoche aus Ruhwarden zeigt den Bau großer Gartenlokomotiven.

Rolf Gerdes bietet ab 14 Uhr Führungen durch das Stellwerk Nordenham an.

Vertriebene können vertraute Bahnhöfe im Modell besichtigen: Rolf Gerdes hat den Bahnhof von Eiserdorf in Schlesien nachgebaut, Gerd Alich den von Tuchorza bei Posen.

Eintritt wird für die Ausstellung nicht erhoben, aber Spenden sind durchaus willkommen.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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