ATENS Gekegelt wird nicht mehr. Jetzt spielen die 21 Mitglieder Dart.

von henning bielefeld ATENS - Alles fing mit einem Missgeschick an – damals, vor 40 Jahren. Ein weibliches Mitglied des neuen, noch namenlosen Kegelklubs schoss furchtbar übers Ziel hinaus. Die Kugel flog von ihrer Bahn auf die eines nebenan trainierenden Sportkegelklubs. „Sag mal, wie heißt ihr eigentlich?“ fragte verärgert der Sportkegler Kalli Ackmann. Der Kegelvater des neuen Klubs, Otto Karth, blickte verlegen nach hinten. Auf der Anzeigetafel für seine Gruppe standen eine Null, noch eine Null und eine Sieben.

„Wir sind der Kegelklub 007“, antwortete Karth. Dabei ist es geblieben. „Kegelt ihr mit Frauen?“ bohrte Ackmann weiter. „Dann geb’ ich euch ein Jahr.“ 40 Jahre sind es seitdem geworden, und am 1. Oktober feiern Frauen und Männer des Gesellschaftskegelklubs 007 in den „Weserterrassen“ den runden Geburtstag. Dass die Mitglieder gar nicht mehr kegeln, stört nicht weiter. Jetzt spielen sie Dart.

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„Das liegt am Alter. Wir kommen nicht mehr so gut in die Knie“, sagt der 81-jährige Heinz Zimmermann, der sich nach wie vor „Kegelvater“ nennt. Der frühere CDU-Ratsherr Heiko Freese nennt ihn einfach „der Präsident“; schließlich hatte Zimmermann von 1983 bis 1986 diese Funktion beim SVN inne.

Heinz und Lilo Zimmermann zählen zusammen mit Ilse und Werner Büsing, Inge und Sigi Abel sowie Wali und Heinz Dieter Wempe zu den Gründungsmitgliedern. Das inoffizielle Zentrum dieser Gemeinschaft war immer das Rathaus, in dem die meisten Mitglieder entweder beschäftigt waren oder dem Stadtrat angehörten. Zunächst machten sie Betriebssport, dann stiegen sie – trotz der anfänglichen Schwierigkeiten – auf Kegeln um. Sie trafen sich bei Paul Sokopf im „Rüstringer Hof“, zogen nach dessen Schließung ins SVN-Sportheim um und kehrten an ihre Ursprünge zurück, als die Gaststätte „Poseidon“ hieß.

Dass sie vor gut zwei Jahren das Kegeln aufgaben, stört nur das Mitglied Ulrich Münzberg: Der frühere Bürgermeister war der beste Kegler. Ihm ist auch das Erkennungszeichens des Klubs zu verdanken: Ein daumennagelgroßer Kegel aus Messing, hergestellt bei Felten & Guilleaume, seinem ehemaligen Arbeitgeber. Wer ihn auf Verlangen eines anderen Mitglieds nicht vorzeigen kann, muss Strafe bezahlen. Das erregt regelmäßig Heiterkeit und vermeidet feste Beiträge.

Im Lauf der Jahrzehnte sind die Mitglieder zu einer eingeschworenen Gemeinschaft zusammengewachsen. Sie besuchen einander bei Festen und unternehmen auch viel gemeinsam. Oft sind sie zu mehrtägigen Fahrten aufgebrochen: nach Hamburg, in den Spreewald und ins Weinbaugebiet Rheinhessen. Dort besuchten sie die ehemalige Nordenhamerin Gisela Acker geborene Bastenhorst.

Wenn die Mehrheit des Klubs mit frischem Bier am Tisch sitzt, während zwei Mitglieder darten, kommen nicht nur die neuesten Ereignisse zur Sprache, sondern auch viele alte Geschichten, die das Leben bunt gemacht haben. In einigen spielt die Bahn eine große Rolle, denn einst gehörte auch ein Bahner der Gemeinschaft an. Er sorgte einmal dafür, dass die Bundesbahn am Großensieler Deichschaart hielt, damit die Kegler von dort bei starkem Regen ins Gasthaus Rüdebusch gelangen konnten, wo sie feiern wollten. Er soll den Schaffner mit einer Buddel Schluck bestochen haben.

Die andere Bahn-Geschichte spielt zum 75-jährigen Stadtjubiläum 1983. Heiko Freese lud die Kegler zum Frühstück bei sich in FAH ein – und sorgte dann dafür, dass der Bahnhof seines Stadtteils für einige Minuten wieder eröffnet wurde. Ein Zug hielt, es entstieg der damalige Bahnhofsleiter Bruno Grotheer – gewiss kein Kind von Traurigkeit – in Bahner-Uniform von Anno 1908 und lud die Kegler ein.

Gemeinsam haben die 007-Kegler viel erlebt, gemeinsam sind sie älter geworden – und manchmal schmunzeln sie gemeinsam über alle, die bei 007 nur an einen alerten Geheimagenten denken können.

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