BRAKE In Brake gibt es „Mitbewohner“, die kaum ein Mensch je zu Gesicht bekommen hat. Denn wer kennt noch Herrn Smolk? Um ihm auf die Spur zu kommen, muss man sich die Geschichte des Fernmeldewesens in Brake genauer anschauen.

Vor über 120 Jahren, anno 1887, wurde der erste rein dienstliche Fernsprechanschluss von Bremen nach Brake gelegt. Im November 1891 wurde die erste Fernsprechvermittlungsstelle mit neun Teilnehmern in den Räumen des damals neuen Postamts am Postplatz eröffnet.

Zahl steigt langsam

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Die Zahl der Anschlüsse stieg nur langsam, so dass erst 1928 das Postamt erweitert werden musste. Gleichzeitig stellte man auf Selbstwählbetrieb um, jedoch nicht für Ferngespräche (diese mussten bis 1955 noch angemeldet werden). Brake hatte im Jahr 1967 zwar 18  000 Einwohner, aber sage und schreibe nur 1600 Telefonanschlüsse. Und es gab nur noch 131 freie Nummern.

Nun war das alte Fernmeldeamt störanfällig und zu klein geworden. Daher entschloss die Oberpostdirektion sich im Jahr 1967 zu einem Neubau auf posteigenem Gelände an der Ecke Poggenburger Straße und Rönnelstraße. Geplant wurde ein einfacher, zweigeschossiger Backsteinbau mit einem Kostenvolumen von 2 Millionen Mark. Davon fielen 1,35 Millionen Mark auf den Innenausbau.

Relief zur Verschönerung

Nach Inbetriebnahme 1969 wurden 2300 neue Fernsprechanschlüsse angekündigt. Die Post bekundete damals zwar, dass der Kunde König sei. Trotzdem gab es nach Fertigstellung des Amtes im April 1969 weiter lange Zeit Engpässe. Noch bis in die 70er Jahre musste man einige Wochen auf einen Telefonanschluss warten. Grund war unter anderem das noch nicht flächendeckende Kabelnetz.

Mit dem Neubau empfahl sich die Post in jener Zeit sogar als Kunstmäzen. Zur Verschönerung des Kubus’ wurde ein Backsteinrelief an der Südfassade beim Bremer Künstler Heinz Borchers (1889-1972) in Auftrag gegeben. Dieser gab, in Anlehnung an die Ausgestaltung der Böttcherstraße in Bremen, unserem Herrn Smolk ein Gesicht.

Jener Herr Smolk aus Brake war (und ist?) ein wilder Wassermann, der die Königstochter Lilofee ehelichte. Den Ursprung dieser Erzählung findet man schon in einem Volkslied aus Joachimsthal, datiert auf 1813: „Es freit ein wilder Wassermann in der Burg wohl über dem See. Des Königs Tochter wollte er han, die schöne junge Lilofee. Sie hörte drunten Glocken geh’n im tiefen, tiefen See, wollt‘ Vater und Mutter wiederseh’n, die schöne junge Lilofee. Und als sie aus der Kirche kam, vor der Burg wohl über dem See, da stand der wilde Wassermann vor der jungen Lilofee. Sprich, willst du hinuntergeh’n mit mir von der Burg wohl über dem See? Deine Kindlein unten weinen nach dir, du schöne junge Lilofee. Und eh ich die Kindlein weinen lass’ im tiefen, tiefen See, scheid ich vom Laub und grünem Gras, ich arme junge Lilofee.“

Der Bremer Schriftsteller Manfred Hausmann verwendete das Thema 1927 in seiner Ballade „Lilofee“, und auch die Brake Autorin Thea Eblé beschrieb Herrn Smolk in ihrem Kinderbuch „Runzis wundersame Reise“. Aus dem wilden Wassermann wurde Herr Smolk aus Brake, und der lebte auf dem Grund der Weser. Da seine Frau Lilofee immer Heimweh nach der Welt hatte, kamen beide ab und zu an den Weserstrand. Herr Smolk hatte auch seine Geige dabei, um versteckt im Schilf zu spielen. Diese Geige ist gut auf dem Relief zu erkennen.

Schon nach Fertigstellung des Bildnis’ schrieb die Presse, ob die Post wohl voraussetze, dass jeder Braker den Wassergeist erkenne: „Der Smolk als Neubürger in Backstein – ob die Hausmann-Anhänger ihn wiedererkennen?“ (NWZ  vom 20. Dezember 1968).

Das Relief ist auch heute noch zu bestaunen, jedoch nur im Winter. Dann nämlich gibt der unbelaubte Busch vor der Südfassade den Blick frei.

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