Wesermarsch /Augustgroden Im Rahmen des von der Europäischen Union geförderten Projekts Frame tauschen sich Fachleute aus Deutschland und den Niederlanden sowie aus Großbritannien, Belgien und Dänemark über verschiedene Aspekte des Hochwasserschutzes aus. Wer sich über das Thema umfassend informieren möchte, ist an diesem Samstag, 4. Mai, in Augustgroden an der richtigen Adresse. In und an der dortigen Küstenschutzhalle des II. Oldenburgischen Deichbands findet von 10 bis 16 Uhr ein großer Hochwasserschutztag. Dazu laden die Jade Hochschule (Oldenburg) und das Vareler Büro Raum und Küste als federführende Partner des Frames-Projekts auf deutscher Seite ein.

Zahlreiche Organisationen präsentieren sich auf dem Hochwasserschutztag und bieten verschiede Aktionen an – für Erwachsene wie auch für Kinder. Darüber hinaus sind zwei Themenblocks geplant. Der erste beschäftigt sich ab 11.30 Uhr mit dem Zusammenhang von Klimawandel und Hochwasserschutz. Dazu berichten Zeitzeugen der schweren Sturmflut von 1962, zudem gibt es zu dem Thema einen Vortrag. Im zweiten Themenblock, der um 14 Uhr beginnt und einen Vortrag sowie eine Podiumsdiskussion vorsieht, geht es um die Eigenvorsorge in der Landwirtschaft.

„Vor dem Hintergrund zunehmender Risiken wird die öffentliche Hand zukünftig nicht in der Lage sein, einen 100-prozentigen Schutz vor Hochwasser zu gewährleisten“, sagt Projektleiter Dr. Helge Bormann von der Jade Hochschule. „Das Gefahrenbewusstsein und die Eigenvorsorge der Bevölkerung müssen gestärkt werden." Nicht zuletzt diesem Ziel dient der Hochwasserschutztag.

Wie wird die DLRG im Katastrophenfall eingesetzt?

Rettung auf dem Wasser. (Bild: Archiv)

Die vier DLRG-Ortsgruppen der Wesermarsch – Butjadingen, Nordenham, Brake und Stedinger-Land – werden am Hochwasserschutztag nicht nur gemeinsam die allgemeine Arbeit der Lebensretter vorstellen, sondern im Hinblick auf die Thematik Hochwasserschutz auch über die Einsatzmöglichkeiten ihrer Organisation im Fall einer Katastrophe informieren. Einen Schwerpunkt werden die Wasserretter dabei auf Informationen zu den Gefahren durch Strömungen setzen. Auch die jüngeren Besucher kommen bei der DLRG nicht zu kurz – in der Bootswerft können Kinder eigene Holzboote bauen.

Aufgaben des II. Oldenburgischen Deichbandes

Der II. Oldenburgische Deichband hat gemäß den Bestimmungen des Niedersächsischen Deichgesetzes die Aufgabe, die im Schutz des Hauptdeichs gelegenen Grundstücke vor Sturmfluten zu bewahren.

Die Küstenschutzhalle des II. Oldenburgischen Deichbandes. (Bild: Archiv)

Das Verbandsgebiet liegt bis zu zwei Meter unter dem Meeresspiegel, würde ohne die Deiche also bei jedem Hochwasser volllaufen. Das Gebiet umfasst circa 84 300 Hektar. Die Deichstrecke beträgt 142 Kilometer mit einer Fläche von circa 900 Hektar; 840 Hektar davon werden mit Schafen beweidet.

Der Hauptdeich des II. Oldenburgischen Deichbandes beginnt in Oldenburg und verläuft an der Hunte (linkes Ufer) bis zum Hunte-Sperrwerk, entlang der Weser sowie entlang der Nordsee und weiter entlang des Jadebusens bis Dangast.

Der Deichband betreibt in der Wesermarsch zwei Küstenschutzhallen (Foto), in denen Geräte und Utensilien gelagert sind und Sandsäcke befüllt werden können.

Hochwasserschutz in der Landwirtschaft

Auch die Landwirte in der Wesermarsch betreiben Hochwasserschutz – er war und ist die Voraussetzung, dass hier überhaupt Leben und Wirtschaften möglich ist. In früheren Zeiten brauchte es dafür Spaten und Muskelkraft, heute vor allem ehrenamtliches Engagement im Deichband und in den Wasser- und Bodenverbänden. Von diesem Engagement profitieren nicht nur Landwirte, sondern alle Menschen, die in der Wesermarsch zu Hause sind.

Um für den Fall eines Hochwassers gerüstet zu sein, müssen Landwirte nicht nur für sich, sondern auch für ihre Tiere sorgen, die im Notfall ja nicht einfach flüchten können. Der Kreislandvolkverband Wesermarsch informiert daher an seinem Stand über Sicherungsmaßnahmen für Haus und Hof und über technische Ausrüstung wie Notstromaggregate, mit deren Hilfe Melk- und Kühlmaschinen auch bei einem Stromausfall weiter betrieben werden können.

Beim DRK über die persönliche Notfallvorsorge informieren

Das DRK kümmert sich im Katastrophenfall um die Menschen. (Bild: Archiv)

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK), Kreisverband Wesermarsch, erfüllt seinen satzungsgemäßen Auftrag zur Mitarbeit im Katastrophenschutz. Dabei stehen die Betreuung und die Versorgung der Bevölkerung im Vordergrund. Circa hundert Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer stehen für diese Aufgabe im Landkreis zur Verfügung.

Am DRK-Stand auf dem Hochwasserschutztag können sich die Besucher über die persönliche Notfallvorsorge informieren. Kinder können derweil in Katastrophenschutzfahrzeugen mitfahren und Familien bei einer spannenden Rallye gemeinsame Aufgaben erledigen. Außerdem zeigt das DRK, wie bei internationalen Einsätzen innerhalb kürzester Zeit eine Tagesration Trinkwasser hergestellt werden kann.

Welcher Teil der Wesermarsch liegt am tiefsten?

Wild und bunt wird es mit Fiete und Fietje. (Bild: Archiv)

Die Gemeinde Butjadingen präsentiert sich in Kooperation mit Tourismus-Service Butjadingen (TSB) in drei großen Pagodenzelten auf dem Hochwasserschutztag am 4. Mai in Augustgroden.

Wer wissen möchte, welcher Teil der Wesermarsch tiefer und welcher höher liegt und wo sich für den Fall der Fälle Fluchtrouten befinden, kann sich auf einer Höhenkarte, die die Gemeinde präsentiert, orientieren.

Wild, bunt und informativ geht es unterdessen mit Fiete und Fietje (Foto) zu. Um auch Kinder für den Hochwasserschutztag zu interessieren, bieten die TSB-Maskottchen zusammen mit Animateur Gabriel Perez unter anderem eine coole Rallye an.

Freiwillige Feuerwehr zeigt Gefahrenabwehr

Die Freiwillige Feuerwehren der Wesermarsch unterstützen zusammen mit anderen Hilfsorganisationen die Bevölkerung in einer akuten Notlage. Jedoch sind die Kapazitäten der Einsatzkräfte begrenzt und dienen in erster Linie der allgemeinen Gefahrenabwehr.

Diese Gefahrenabwehr besteht in der Warnung der Bevölkerung, dem Aufbau eines technischen Hochwasserschutzes, der Sandsackbefüllung, dem Transport und dem Verbau der Sandsäcke, der Abwehr von wassergefährdenden Stoffen, außerdem dem Brandschutz und vielem mehr.

Die Feuerwehren gewähren am Hochwasserschutztag einen Einblick in ihre vielfältigen Tätigkeiten und Aufgabenbereiche.

Aufgaben der Polizei im Katastrophenfall

Die Polizei ist auch im Katastrophenfall gefordert. (Bild: Archiv)

Die Polizei nimmt ihre gesetzlichen Aufträge der Gefahrenabwehr, der Strafverfolgung und der Verfolgung von Ordnungswidrigkeiten auch in einem Katastrophenfall wahr. Vorrangige Aufgaben stellen unter anderem verkehrslenkende Maßnahmen oder die Unterstützung bei Evakuierungen und Räumungen dar. Obwohl die Polizei grundsätzlich Angelegenheit der einzelnen Bundesländer ist, werden in einem Katastrophenfall über die jeweiligen Innenministerien auch Einheiten aus anderen Bundesländern oder der Bundespolizei angefordert.

Kleine Deichmodelle an Forscherstationen bauen

Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) informiert mit seiner Betriebsstelle Brake-Oldenburg über seine vielfältigen Aufgaben rund um Hochwassergefahren, als Betreiber der Sperrwerke an der Weser und als Planer für Küstenschutzmaßnahmen.

Küstenschutz im Landkreis Wesermarsch bedeutet vor allem Deichbau. Beim Hochwasserschutztag baut das NLWKN eine Forscherstation auf, an der Kinder kleine Deichmodelle bauen und mit verschiedenen Materialien experimentieren können. Welche Bauweise hält dem Wasser am besten stand? Das können die Kinder am Stand des NLWKN ausprobieren.

Wie der Landkreis Wesermarsch im Katastrophenfall arbeitet

Der Landkreis Wesermarsch bringt sich aktiv in die Entwicklung und Umsetzung von Katastrophenschutzstrategien und -maßnahmen ein. Ein Rädchen muss im Notfall in das andere greifen, die Abläufe müssen stimmen, jeder Helfer muss seine Aufgaben kennen. Doch wie genau funktioniert die Arbeit im Katastrophenschutzstab des Landkreises? Welche Organisationen sind in Präventions- und Hilfsmaßnahmen eingebunden und welche Informationskanäle und technischen Möglichkeiten gibt es, um die Bevölkerung im Ernstfall frühzeitig zu warnen?

Antworten auf diese Fragen liefert der Landkreis bei dem Hochwasserschutztag. Anschaulich und leicht verständlich werden die Besucher – auch in Form von Mitmachaktionen – über den Katastrophenschutz des Landkreises und dabei zum Einsatz kommende Hilfsinstrumente informiert. Dabei werden sie auch mit der App KATWARN Bekanntschaft machen. Der Rettungsdienst, ein Betrieb der Landkreises, ist mit einem Rettungswagen vor Ort.

THW-Ortsverband Nordenham stellt sich vor

Das THW präsentiert seine Fahrzeuge. (Bild: Archiv)

Der Ortsverband Nordenham des Technischen Hilfswerks (THW) präsentiert auf dem Hochwasserschutztag seine Fahrzeugen und Geräte und stellt seine Aufgaben und Einsatzmöglichkeiten vor. Die Bergungsgruppen, die Fachgruppe Ölschaden und die Fachgruppe Wassergefahren werden unter anderem einen Schwerlastkran und ein Mehrzweckboot vorstellen. Die Jugendgruppe des Ortsverbandes baut für junge Gäste ihre Hüpfburg auf.

Außerdem gibt es für die Besucher die Möglichkeit, sich an einem Deichspiel zu versuchen. Hier müssen in einem Becken kleine Sandsäcke so aufgestapelt werden, dass sie nicht vom Wasser weggespült werden.

Mehr Infos zum THW gibt es unter: www.ov-nordenham.thw.de

Schutz des Trinkwassers bei Überflutungen

Der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV), der in Brake seinen Hauptsitz hat, versorgt in der Wesermarsch rund 89 000 Menschen mit Trinkwasser. In neun Kläranlagen wird das Abwasser aus acht Kommunen gereinigt. „Welche Maßnahmen bei einer Überflutung zum Schutz des Trinkwassers und für die Entsorgung des Abwassers getroffen werden, erläutern wir am Hochwasserschutztag“, sagt OOWV-Regionalleiter Olaf Sonnenschein. Auch was Bürger selbst tun können, um Schäden durch Überflutungen und Starkregen zu verhindern oder gering zu halten, wird gezeigt.

Die Überflutungsgefahr im urbanen Bereich durch Starkregen steht eng im Zusammenhang mit dem hohen Anteil an versiegelten Flächen. Darum rät der OOWV, Entwässerungsgräben zu erhalten und Flächen zu entsiegeln, um dem Wasser den benötigten Raum zu geben.

Bilder von der Sturmflut 1962

Die untere Deichbehörde des Landkreises Wesermarsch bietet bei dem Hochwasserschutztag verschiedene Präsentationen zum Thema Katastrophen- und Hochwasserschutz. Auf einer Schautafel sollen auch Bilder von der Sturmflut 1962 gezeigt werden. An einem Modell können Besucher verschiedene Deichprofile studieren und zudem mit dem Ausfüllen eines Fragebogens ihr Wissen zum Thema Klimawandel unter Beweis stellen.

Detlef Glückselig Butjadingen / Redaktion Nordenham
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