Wesermarsch Für Dr. Karsten Padeken ist es ein Versuch. Ein Versuch, mehr Artenschutz in der Landwirtschaft zu betreiben, vor allem aber auch ein Versuch, die Gesellschaft in die Mitverpflichtung zu nehmen. „Engagement für mehr Artenvielfalt ist eine Aufgabe, die nicht nur Landwirte, sondern die gesamte Gesellschaft angeht“, meint der Landwirt, der auch Vorsitzender des Kreislandvolkes Wesermarsch ist, diese Aktion aber als Privatmann startet. Deutschlandweit böten landwirtschaftliche Betriebe bereits Patenschaften an: Verbraucher haben die Möglichkeit, eine Patenschaft für eine Fläche zu übernehmen, auf der die Landwirte dann im Gegenzug einen Lebensraum für Artenvielfalt schaffen.

„Ab sofort ist das auch in der Wesermarsch möglich“, so Padeken. Auf zwei Ackerflächen in Frieschenmoor und Rockenmoor hat er eine Blühmischung in jeweils drei Meter breite Randstreifen von Maisackerflächen ausgesät; insgesamt sollen so 3000 Quadratmeter zu Honigweiden für Wildbienen werden.

Die Landwirtschaft habe als größter Flächenbewirtschafter das Potenzial. Allerdings könnten Landwirte dies nicht zum Nulltarif leisten. „Es handelt sich um Nutzflächen, mit denen wir unser Einkommen erzielen“, gibt der 54-Jährige zu bedenken. Zwar gibt es besondere Programme, Förderung aus einem solchen nimmt Padeken allerdings nicht in Anspruch. Ihm geht es auch darum, die Gesellschaft zu beteiligen und zu vermitteln, dass es mehr Flächen für Artenschutz nicht zum Nulltarif geben könne. „Wir tragen alle Verantwortung für unsere Umwelt. Wir Landwirte können einiges tun. Aber wir müssen auch unser Einkommen erwirtschaften. Deshalb muss das mit der Gesellschaft Hand in Hand gehen.“ Denn: „Es fallen Kosten für das Saatgut und den Lohnunternehmer an, der den Blühstreifen anlegt.“ Hinzu kämen Pacht für den Boden, und schließlich könne die Fläche auch nicht bewirtschaftet werden.

Hier kommen Paten ins Spiel. Sie können jeweils Stücke der Flächen übernehmen, um so Kosten, Arbeit und Einnahmeverluste auszugleichen. 20 Euro kosten 25 Quadratmeter. „Selbstverständlich können Paten die Blühstreifen jederzeit besuchen.“ Padeken bittet allerdings darum, die Flächen nicht zu betreten, um Pflanzen und Tiere nicht zu stören.“ Auch sollte auf angrenzende Ackerbauflächen Rücksicht genommen werden.

An einer Patenschaft Interessierte können sich unter der E-Mail-Adresse frieschenmoor-wird-bunt@gmx.de an die Familie Padeken wenden. Nachdem die Formalitäten erledigt sind, erhält jeder Pate ein Zertifikat. Zudem sei geplant, den Paten in regelmäßigen Abständen Bilder vom Wachsen und Gedeihen auf den Flächen zuzuschicken.

Und sollte das Interesse vorhanden sein, ist Padeken „gerne bereit, noch mehr zu machen“. So könnte er sich vorstellen, sogenannte „eh-da-Flächen“ aufzuwerten, meist kleine Flächen in ungünstiger Lage, die relativ schwer zu bewirtschaften sind. Auch noch mehr Klee im Grünland könnte den Insekten helfen.


Tipps zur Gestaltung insektenfreundlicher Flächen und eine Karte von Blühflächen finden Sie unter:   www.nwzonline.de/insektenjahr 
Markus Minten Redaktionsleitung Brake / Redaktion Brake
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