Tossens Landwirt Stephan Bremermann und der stellvertretende Bürgermeister Johann Evers konnten es gar nicht erwarten, die Sektflasche am Mast zerschellen zu lassen. Als das erledigt war, dauerte es nur noch einen Knopfdruck, ehe sich die Rotoren in Bewegung setzten – erst ganz langsam, dann immer schneller. Die vielen Gäste am Potenburger Weg, überwiegend Landwirte, legten die Köpfe in den Nacken.

Stephan Bremermann bewirtschaftet auf seinem Hof zwischen Tossens und Eckwarden einen Betrieb mit fast 200 Milchkühen. Dabei setzt er drei Melkroboter ein, die 24 Stunden am Tag Strom brauchen. Damit ist der Butjadinger Landwirt ein idealer Kandidat für E.A.Z. Hinter dem Kürzel verbirgt sich eine junge Hamburger Firma, die Windkraftanlagen im XS-Format vertreibt. Am Mittwoch sind am Potenburger Weg die ersten Anlagen dieser Art eingeweiht und getauft worden.

Am Hof von Stephan Bremermann drehen sich zwei der E.A.Z.-Zwerge, die jeweils eine Nabenhöhe von 15 Metern und einen Rotor-Durchmesser von zwölf Metern aufweisen, im Wind. Dirk Müller hat sich Anlage Nummer 3 auf seinem Land am Seevernser Wischweg aufstellen lassen. Ein viertes Windrad rotiert bei Markus Barre in Morgenland. Diese Anlagen sind die ersten vier, die E.A.Z. installiert hat; sieben weitere sind laut Geschäftsführerin Linda Schmetjen verkauft und sollen in den kommenden Wochen aufgestellt werden.

Linda Schmetjen stammt selbst von einem Milchviehbetrieb. Die Windkraftanlagen, die sie nun in Deutschland vertreibt, wurden vor vier Jahren in den Niederlanden speziell für die Bedürfnisse landwirtschaftlicher Betriebe entwickelt. Die studierte Betriebswirtin war für ein Bauteil verantwortlich und begeisterte sich für „die einfache, aber sehr gut durchdachte Mechanik“ der Anlagen. Sie fragte sich, warum man die Windräder nicht auch Landwirten in Deutschland anbieten sollte. So entstand E.A.Z.

Unter anderem bei Stephan Bremermann rannte die Geschäftsführerin offene Türen ein. Bei der Feier am Mittwochnachmittag sagte der 48-Jährige, dass er sich schon oft überlegte hatte, den Wind zu nutzen, der ihm auf seinem Land um die Nase weht. Die passenden Windräder hatte er erst gefunden, nachdem ihm Linda Schmetjen die E.A.Z.- Anlagen vorgestellt hatte. So wie Stephan Bremermann sind auch Dirk Müller und Markus Barre überzeugt von der nahezu wartungsfreien Technik, der Wirtschaftlichkeit und der Optik der Windräder mit ihren hölzernen Rotorblättern und Paddeln.

Ein großer Vorteil der Mini-Anlagen: Es wird sich an nahezu jedem landwirtschaftlichen Betrieb eine Fläche finden, auf der sie aufgestellt werden können. Das hat Arno Schoppenhorst aus Bremen herausgefunden. Der Diplom-Geograf fertigt für E.A.Z. Artenschutzgutachten an, die für die Baugenehmigungen notwendig sind. Im Fall von Stephan Bremermann etwa sprach nicht einmal die Tatsache, dass sein Betrieb mitten in einem Vogelschutzgebiet liegt, gegen das Aufstellen der Windkraftanlagen.

In Butjadingen hätte bis Ende 2016 noch der geltende Flächennutzungsplan verhindert, dass solche Kleinstwindkraftanlagen außerhalb von Vorranggebieten errichtet werden. Der Gemeinderat hatte vor zwei Jahren aber eine entsprechende Änderung beschlossen.

Detlef Glückselig
Butjadingen
Redaktion Nordenham

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