Tossens Die Mitglieder des Butjadinger Fischereivereins sind entsetzt: Unbekannte haben an den Pütten Überlaufrohre gewaltsam herausgerissen. Die Folge: Der Wasserstand in dem See ist erheblich zurückgegangen. Auch Fische wurden dabei aus dem See gespült. Der Vorfall hat fatale Auswirkungen auf die Lebewesen in und an dem See.

Über die Rohre des Überlaufs ist der See mit einem Graben verbunden. Dadurch soll gewährleistet werden, dass der Wasserstand im See immer gleich bleibt. „Viele der Fische werden in diesem Jahr nicht mehr laichen können“, sagt der Vorsitzende Wilfried Wilcke. Denn die Büsche, unter denen die Fische normalerweise ihren Laich ablegen, stehen jetzt im Trockenen, erklärt er. Es kommt zur Laichverhärtung: Der Bauch der weiblichen Fische wird immer dicker, aber die Weibchen laichen nicht ab und die Tiere verenden schließlich.

Generation ausgelöscht

„Eine ganze Generation der bereits gelaichten Fische wurde sinnlos ausgerottet“, sagt Wilfried Wilcke. Wenn es keinen Fischlaich gibt, fehlt natürlich auch die nächste Generation an kleinen Fischen. Von diesen ernähren sich wiederum Vögel wie zum Beispiel der Eisvogel, der Haubentaucher, der Kormoran und der Reiher. Auch für ihre Küken fehlt nun die Nahrung. „Vögel, die ihre Nester im Wasser zwischen Pflanzen und Ästen bauen, wie das Blässhuhn, haben auch schlechte Karten“, sagt Wilfried Wilcke. „Das Schlimmste ist allerdings, dass dieses Gewässer sehr nährstoffreich ist“, sagt Gewässerwart Jan Lübben. „Jedes Jahr bilden sich aufgrund von Faulschlamm am Gewässergrund Fadenalgen, die dem Wasser bei ihrer Zersetzung Sauerstoff entziehen. Durch die stark reduzierte Wassermenge wird dieser Effekt in diesem Jahr um ein Vielfaches verstärkt“, erklärt er. Ob die vereinseigene Pumpe es schaffen kann, einen ausreichenden Sauerstoffgehalt des Gewässers zu gewährleisten, sei fraglich, sind sich Jan Lübben und Wilfried Wilcke einig.

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Doch der Fischereiverein will auch versuchen, dem Problem auf biologische Art und Weise entgegenzuwirken. Es sollen Teichmuscheln und Bitterlinge besetzt werden. „Die Muschel ist eine natürliche Filteranlage. Sie pumpt das Wasser durch ihren Körper und behält die Nährstoffe, um zu wachsen, während sie das gereinigte Wasser wieder herauslässt. Sie braucht den Bitterling, um sich zu vermehren: Dieser nimmt die Larven der Muscheln bis zu einer bestimmten Größe in seinen Kiemen auf. Im Gegenzug legt der Bitterling seinen Laich in die Muschel, um ihn zu schützen“, erklärt Wilfried Wilcke.

Bei Kontrolle entdeckt

Bei einer Kontrolle war Gewässerwart Jan Lübben und Vereinsmitglied Jens Mahn der Wasserstand aufgefallen, der rund 40 Zentimeter niedriger war, als gewöhnlich. Dann entdeckten sie die Rohre. Offenbar hat jemand nach ein bis zwei Tagen die Rohre wieder provisorisch zusammengesteckt, vermuten die Mitglieder des Fischereivereins. Doch an den Steckverbindungen der Rohre quoll noch Wasser heraus, berichtet Jan Lübben. „Für den Vorstand des Butjadinger Fischereivereins ist diese Aktion eine mutwillige Sabotage, da eine Naturkatastrophe billigend in Kauf genommen wurde“, sagt Wilfried Wilcke. Der Verein erstattete Anzeige gegen unbekannt. Laut Wilfried Wilcke geht auch die Polizei davon aus, dass das Rohr mit Absicht beschädigt wurde.

„Der Schaden für den Butjadinger Fischereiverein ist immens groß und derzeit nicht zu beziffern“, sagt der Vorsitzende.

Merle Ullrich Brake / Redaktion Brake
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