Stollhamm „Alles, was neu ist, macht mich neugierig“, sagt Joachim Tönjes, vor dem jetzt ein neuer Lebensabschnitt liegt. Nach 37-jähriger Tätigkeit für die Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg, seit 1991 als Pastor der Kirchengemeinde Stollhamm, geht der 63-jährige Seelsorger mit Ablauf dieses Monats in den Ruhestand. Mit einem freien Tag (1. Mai) hatte sein Dienst in Stollhamm begonnen, und so endet er auch: Nach der offiziellen Verabschiedung am Sonntag, 23. September, geht Joachim Tönjes in den Urlaub.

Intakte Gemeinde

Er habe vor 27 Jahren eine relativ ruhige, aber sehr intakte Gemeinde übernommen, blickt Joachim Tönjes zurück. „Ich habe versucht, hier keinen Schaden anzurichten“, scherzt er. Dass ihm dies mehr als gelungen ist, bescheinigen dem Pastor die zahlreichen Freunde, die er während seiner Tätigkeit in Stollhamm gewonnen hat. Die müssen am Sonntag nur vom jetzigen Amtsinhaber der Pfarrstelle, jedoch nicht von Joachim Tönjes Abschied nehmen, denn er bleibt in der Nähe.

Er zieht nach Nordenham in sein Elternhaus. Stolz ist Joachim Tönjes darauf, dass er die Tradition der langjährigen Dienstzeit seiner Vorgänger in Stollhamm fortsetzen konnte. Dort waren in den vergangenen 150 Jahren lediglich fünf Pastoren tätig. „Auch meine Vorgänger müssen sich hier sehr wohlgefühlt haben“, meint er.

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Joachim Tönjes erblickte am 19. September 1955 in Nordenham das Licht der Welt. Am Gymnasium legte er 1975 sein Abitur ab. Sein Theologiestudium absolvierte er in Kiel, Tübingen und Göttingen. Als Vikar setzte ihn die Oldenburgische Landeskirche 1981 in der Kirchengemeinde Bant in Wilhelmshaven ein. Aus seiner im selben Jahr geschlossenen Ehe mit Stefanie, die als Lehrerin an der Zinzendorfschule in Tossens tätig ist, gingen vier Kinder hervor. 1983 wechselte Joachim Tönjes als Vikar in die Kirchengemeinde Dangastermoor, wo er Hilfsprediger und später Pfarrer wurde.

Gottesdienst zum Abschied

Pastor Joachim Tönjes wird am Sonntag, 23. September, offiziell mit einem zentralen Gottesdienst in Stollhamm verabschiedet. Oberkirchenrätin Annette-Christine Lenk wird Joachim Tönjes in den Ruhestand entlassen. Der Gottesdienst beginnt um 14 Uhr in der Sankt-Nikolai-Kirche zu Stollhamm. Zu diesem Gottesdienst sind alle eingeladen.

Die Pfarrstelle der Kirchengemeinde Stollhamm wird nach dem Ausscheiden von Pastor Joachim Tönjes nicht wiederbesetzt. Seinen Wechsel in den Ruhestand nutzt die Oldenburgische Landeskirche, um durch den Abbau von Pfarrstellen Kosten zu sparen. Die Betreuung der Kirchengemeinde Stollhamm übernimmt Pastor Matthias Kaffka aus Abbehausen.

Die Kirchengemeinde Eckwarden, für die bislang Joachim Tönjes und Matthias Kaffka zuständig waren, wird Pastor Mario Testa neben Tossens und Langwarden übernehmen. Pastor Klaus Braje (Burhave/Waddens) erhält weitere Zuständigkeiten in der Verwaltung, beispielsweise für Kindergärten, deren Träger die Butjadinger Kirchengemeinden sind.

Als Pastor Anton-Günther Gerdes 1991 in den Ruhestand ging, rief Stefan Tönjes, der in Nordenham als Gymnasiallehrer tätigt war, seinen Bruder Joachim: „Du musst nach Stollhamm kommen“. Er habe nicht lange überlegen müssen, seiner Familie sei der Wechsel wegen der in Varel aufgebauten sozialen Kontakte aber schwer gefallen, berichtet Joachim Tönjes.

Sein Entschluss, Pfarrer zu werden, war bereits im Alter von 15 oder 16 Jahren bei einer kirchlichen Freizeit gereift. „Ich wollte damals und auch heute noch den Menschen die Augen dafür öffnen, sich Gedanken darüber zu machen, wie sie ihr eigenes Leben in Beziehung zu Gott bringen können“, sagt Joachim Tönjes.

Dieser für ihn „schönste Beruf“ habe ihm viel Freude bereitet und zahlreiche glückliche Momente beschert, zieht der Pastor Bilanz. Er verschweigt aber nicht, dass er auch schon mal an seine Grenzen als Seelsorger gestoßen ist. „Ich verkündige ja die Auferstehung, denn mit dem Tod ist nicht alles zu ende. Dabei möchte ich den Trauernden eine Orientierung geben“, sagt er.

Als in einem Jahr gleich vier junge Stollhammer ihr Leben verloren, sei das aber eine kaum noch zu bewältigende Aufgabe gewesen, sagt Joachim Tönjes, der etliche Jahre auch als Notfallseelsorger tätig war und seit 2009 auch die Kirchengemeinde Eckwarden betreute.

Wäre Joachim Tönjes nicht Pastor geworden, hätte er wohl einen technischen Beruf ergriffen. „Schon als Kind habe ich Maschinen und Geräte auseinandergebaut und wieder zusammengesetzt“, berichtet er. Dieses Interesse an der Technik kam ihm aber auch bei seinem kirchlichen Dienst zugute. „In einer Landgemeinde ist der Pastor auch der Hausmeister“, weiß er aus seiner Erfahrung. Seine Affinität für Technik wird auch bei einem Blick in die Garage der Stollhammer Pastorei deutlich. Dort stehen mehrere jahrzehntealte Fahrzeuge, insbesondere Roller und Mopeds, die der „Schrauber“ wieder fahrbereit machen möchte.

Spannende Momente

Damit beginnt auch das größte Problem seines Wechsels in den Ruhestand. Die Familie Tönjes muss sich deutlich einschränken. Die Pastorei in Stollhamm, ein ehemaliger landwirtschaftlicher Betrieb aus dem 19. Jahrhundert, hat rund 300 Quadratmeter Wohn- und Lagerfläche. In seinem Elternhaus in Nordenham werden es nur 120 Quadratmeter sein, die er um 20 Quadratmeter vergrößern will. Aber auch dann wird es nicht ausreichen, um alle Möbelstücke und Fahrzeuge mit in sein zukünftiges Zuhause nehmen zu können. Joachim Tönjes wird aussortieren müssen. „Das wird noch spannende Momente geben“, glaubt er.

„Ich gehe in den Ruhestand, um anständig arbeiten zu können“, sagt Joachim Tönjes und meint damit, dass er auch weiterhin pastorale Tätigkeiten übernehmen wird. Er werde Urlaubs- und Krankenvertretungen übernehmen, denn er könne und wolle seine Kollegen nicht im Stich lassen, zumal es in Butjadingen keinen Nachfolger für ihn gibt. „Dass man mal Pastor geworden ist, geht mit dem Wechsel in den Ruhestand ja nicht verloren“, bekräftigt der 63-Jährige.

Rolf Bultmann Nordenham / Redaktion Nordenham
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