Nordenham Hausärzte sind in vielen ländlichen Gebieten zur Mangelware geworden. Nordenham ist da keine Ausnahme. In der Stadt und in der Nachbargemeinde Butjadingen praktizieren insgesamt 18 Hausärzte. Der Versorgungsgrad liegt nach Berechnung der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) bei 89 Prozent. Fachleute sprechen bei einem solchen Wert zwar noch nicht von einer Unterversorgung. Aber dass die Situation alles andere als optimal ist, daran besteht auch für Bürgermeister Carsten Seyfarth kein Zweifel.

Und die Situation könnte sich verschärfen. 11 der 18 Hausärzte haben das 60. Lebensjahr überschritten, weiß Wirtschaftsförderer Jürgen B. Mayer. Einige von ihnen steuern stramm auf die 70 zu. Es droht eine Unterversorgung. Kein Wunder, dass bei einer solchen Diagnose auch im Rathaus die Alarmglocken schrillen.

Die Stadt will gegensteuern. Sie hat ein Faltblatt herausgegeben, um den Standort Nordenham für Hausärzte und angehende Mediziner stärker in den Fokus zu rücken. Die Broschüre ist ein Ergebnis des Runden Tisches Gesundheitsversorgung. An dieser Runde beteiligen sich Hausärzte, Fachärzte, Apotheker, Vertreter der Helios-Klinik, der KVN und der Stadt.

Die Broschüre trägt den Titel „Nordenham tut gar nicht weh“. „Wir wollen deutlich machen, dass die Stadt viel zu bieten hat und dass es eine gute Option ist, sich hier niederzulassen.“ Für die Kampagne haben die Initiatoren zwei Hausärzte gewonnen, die genau das bestätigen.

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Der eine ist Dr. János Szabó, der im Januar seine Praxis in Einswarden eröffnet hat. Er sei mit offenen Armen empfangen worden und fühle sich sehr wohl, sagt der 52-Jährige, der vorher in Ungarn als Notarzt weitaus mehr Stress hatte. Die andere ist Ulrike Weil, die Ende der 80er-Jahre mit ihrem Mann nach Nordenham gekommen ist. „Alle Hoffnungen und Erwartungen wurden erfüllt“, zieht sie Bilanz. „Keine 80 Arbeitsstunden mehr pro Woche wie zuvor in einem Bielefelder Krankenhaus oder in Bochum. Statt der Dunstglocke über dem Ruhrgebiet gibt’s hier frische Seeluft zum Durchatmen.“

Carsten Seyfarth weiß natürlich, dass sich die drohenden Unterversorgung nicht mit einem Stück Papier therapieren lässt. Nach seinen Worten gibt es viele Gründe, sich für Nordenham zu entscheiden, auch finanzielle. Die KVN zahlt zurzeit 60 000 Euro als Zuschuss für Mediziner, die in Nordenham oder Butjadingen eine neue Praxis eröffnen oder eine bestehende Praxis übernehmen wollen. Der Bürgermeister weist auf eine Initiative des Landes Niedersachsen hin, das Medizin-Studenten mit einem Stipendium unterstützt, wenn sie sich verpflichten, mindestens für einen gewissen Zeitraum in einer unterversorgten Region zu praktizieren.

Der Bürgermeister verspricht sich auch von der Eröffnung der neuen Helios-Klinik in Esenshamm eine gewisse „Schubkraft“. Er hofft, dass die Klinik zu einem Lehrkrankenhaus wird, das Studenten ausbilden darf. Hinzu komme die Nähe zur European Medical School mit ihren Standorten in Oldenburg und Groningen. Dass Nordenham nicht weh tut, will die Stadt auch den EMS-Studenten vermitteln, gerne auch den niederländischen.

Das Faltblatt, das in einer Auflage von 1500 Exemplaren erschienen ist, soll auf jeden Fall an den EMS-Standorten verteilt werden. Darüber hinaus will die Stadt über die Ärzte, die KVN, die Ärztekammer und die Krankenkassen weitere Zielgruppen erreichen.

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Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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