Seeverns /Wesermarsch „15 Jahre sind eine lange Zeit, wenn man sie vor sich hat, aber heute fragen wir uns, ob wirklich schon 15 Jahre vergangenen sind“, fasste Annegret Schildt zusammen, was am Montagmittag wohl alle Gäste im Melkhus Seeverns dachten. Denn vor 15 Jahren, genau am 26. April 2003, fand die offizielle Einweihung der Melkhüs in der Wesermarsch statt.

Hier gibt es Leckeres aus Milch

Niedersachsenweit gibt es inzwischen fast 100 der kleinen grünen Melkhüs in denen Milchgetränke, Quarkspeisen und Käse angeboten werden.

In Butjadingen können die Gäste in den Melkhüs von Anna Tahden (Burhaver Straße 11) in Waddens, bei Anke Plümer (Feldhauser Straße 2) in Langwarden und bei Annemarie Cornelius (Seeverns 26) in Seeverns einkehren.

Weitere Melkhüs in der Wesermarsch betreiben Bianca Theerkorn (Olympiastraße 35) in Norderschwei, Heike Köhne (Reitlanderzoll 14a) in Augustgroden, Inge E. Struck (Kreuzmoorerstraße 28) in Jade, Annegret Schildt (Hammelwarder Außendeich 2) in Ovelgönne, Imke Harms (Huntorfer Damm 2) in Elsfleth-Fuchsberg, und Karin und Jürgen Schumacher (Deichstraße 10) in Berne-Ohrt.

Annegret Schildt aus Ovelgönne war damals Vorsitzende der Kreisarbeitsgemeinschaft der Landfrauenvereine. Sie hatte über die Landfrauen von dem Projekt gehört, das mit vier Melkhüs in Rheiderland in Ostfriesland gestartet war. Beim Landkreis Wesermarsch stießen die Landfrauen mit dieser Idee auf Interesse und so wurde das Projekt in der Wesermarsch schließlich als EU-Projekt in Co-Finanzierung des Landkreises ins Leben gerufen.

15 Jahre waren Pflicht

Jedoch mussten sich die teilnehmenden Frauen verpflichten, die Melkhüs für 15 Jahre zu betreiben. „Ich habe damals Angst gehabt, dass die Frauen wieder abspringen, wenn sie das hören“, erinnerte sich Annegret Schildt am Montag, die vor 15 Jahren die Betreiberinnen aus den Reihen der Landfrauen angeworben hatte.

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Rund 5000 Euro hat eines der vier mal vier großen Häuschen mit dem roten Ziegeldach und den weißen Fenstern – die Melkhüs sollten einen Wiedererkennungswert haben – damals gekostet. Den Aufbau übernahm die Zeit und Service Beschäftigungsgesellschaft. Kühlschränke sponserte die Landesvereinigung für Milchwirtschaft. „Alles andere Inventar mussten wir selbst kaufen, jeden Stuhl und so weiter“, erzählte Annegret Schildt.

Ursprünglich gedacht, um Radfahrern eine Gelegenheit zu bieten, sich erfrischen zu können, hat sich das Projekt der Melkhüs schnell entwickelt. „Die Vereine aus der Umgebung nutzen sie ebenso wie die Dorfbewohner. Gerade für Familien mit Kindern sind die Melkhüs beliebte Ausflugsziele. Die Kinder können sich bewegen. Und da die Häuser auf Bauernhöfen stehen, gibt es auch Tiere. Viele Kinder fragen auch, ob sie mal in den Stall gucken dürfen“, berichtete Annegret Schildt.

Auch für die Öffentlichkeitsarbeit der Landwirtschaft seien die Melkhüs ein wichtiger Pfeiler geworden. Von Beginn an wurde festgelegt, dass die kleinen grünen Häuschen auf landwirtschaftlichen Betrieben stehen sollten.

Und der Start 2003 hätte für die ursprünglich zehn Landfrauen, die sich entschieden hatten, ein Melkhus auf ihrem Hof zu betreiben, nicht besser sein können. Bestes Wetter und reges Interesse brachte den Frauen gleich im ersten Jahr viele Kunden ins Melkhus.

Doch auch einige Widrigkeiten hatten die Melkhus-Betreiberinnen zu überwinden. Und dazu gehörte in erster Linie das Wetter. „Aber als Bäuerinnen wissen wir, damit fertig zu werden“, sagte Annegret Schildt. Auch die Arbeitsbelastung sei nicht zu unterschätzen. „Wir freuen uns alle, wenn wir das Melkhus im Mai öffnen. Aber wenn wir nach einem halben Jahr das Häuschen wieder schließen, freuen wir uns auch, das wir es geschafft haben“, sagte Annegret Schildt. Hinzu kommen immer strengere Vorgaben.

Eigener Besitz

Mit Auslaufen des Projektes hatte der Landkreis den Betreiberinnen der Melkhüs in Aussicht gestellt, die Häuschen erwerben zu können, berichtete der Erste Kreisrat Hans Kemmeries. „Den Restwert von einem Euro muss ich von einigen von ihnen heute noch einholen“, sagte er. Und so gingen mit dem Abschluss des Förderprojektes am Montag die 16 Quadratmeter großen Häuschen in den Besitz ihrer Betreiberinnen über. Alle neun Frauen wollen ihr Melkhus weiterführen.

Inzwischen haben die Betreiberinnen ihre Melkhüs weiter entwickelt. Bei Annemarie Cornelius in Seeverns können sogar standesamtliche Trauungen vorgenommen werden. Rund 100 Paare gaben sich in ihrem Melkhus seit 2008 inzwischen das Ja-Wort, schätzt Annemarie Cornelius.

Merle Ullrich Brake / Redaktion Brake
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