Elsfleth Die Schifffahrtsbranche leidet weltweit unter zu vielen Schiffen und mangelnder Auslastung. Das ist aber nicht unbedingt der Grund dafür, weshalb junge Menschen nur schwer Plätze für Praxissemester auf den Schiffen bekommen und viele Absolventen der Seefahrtschule keine Anstellung bei Reedereien finden. Schuld sei die Sparpolitik vieler deutscher Reeder: Sie müssten mehr Plätze zur Verfügung stellen, kämen aber ihrer Pflicht seit Jahrzehnten nicht mehr nach, wurde beklagt.

Von besonderer Brisanz

Das Thema sei von besonderer Brisanz und nicht ohne Grund provokativ formuliert worden, sagte Professor Dr. Klaus-Jürgen Windeck, Dekan des Fachbereichs Seefahrt, zu Beginn des 12. Elsflether Schifffahrtsforums in der Aula am Donnerstagabend. Und das Thema „Schifffahrt in der Krise – wird die Ausbildung geopfert?“ hätte treffender nicht gewählt werden können, wie sich anhand der Vorträge und bei der anschließenden Diskussion zeigte.

Mit dem Zitat „Man lernt das Matrosenleben nicht, indem man in Pfützen übt“ von Franz Kafka leitete Klaus-Jürgen Windeck auf die Kurzvorträge über. Leider würden den Studenten zurzeit weiter Steine in den Weg gelegt, sagte er. Drei Studenten in unterschiedlichen Semestern des Fachbereichs Seefahrt und ein Absolvent mit der Note 1,4 bestätigten die Aussage. Sie berichteten über ihre Erfahrungen. Mehr als 100 Bewerbungen waren jeweils nötig, um einen Praxissemestervertrag zu erhalten. „Die Situation ist sehr schade. Zur See zu fahren war mein Traumjob“, erwähnte beispielsweise Bastian Schröder-Zabel. Spätestens im Sommer werde er sich von der Seefahrt verabschieden, merkte der 22-Jährige an, der sein Nautik-Patent in der Tasche hat und sich nach 170 erfolglosen Bewerbungen zurzeit noch auf dem ausländischen Markt nach Arbeit umschaut.

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Auf dem Podium saßen Dr. Martin Kröger, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Reeder, Torsten Staffeldt, Beiratsmitglied der Stiftung Schifffahrtsstandort Deutschland, Klaus Meyer von der Gewerkschaft Verdi und Kapitän Professor Dr. Christoph Wand, Präsident des Verbands Deutscher Kapitäne und Schiffsoffiziere. Es moderierte Marc Dietrich, Sprecher der fünf maritimen Vereine, die das Schifffahrtsforum alljährlich organisieren.

Bedarf könnte steigen

Dass der Bedarf an gut ausgebildeten Fachkräften wieder steigen werde, sagte Martin Kröger. Doch die Märkte würden sich nicht vor 2014 erholen. Er verwies auf das „Maritime Bündnis“ und vor allem auf die Stiftung Schifffahrtsstandort Deutschland, in die er Hoffnung setze. Die Reeder hätten in der Stiftung 30 Millionen Euro für die Ausbildung bereitgestellt, die jedoch nicht für Praktikanten und Studenten im Praxissemester herangezogen werden könnten. Die Mittel für den Finanzbeitrag des Bundes an die Seeschifffahrt betrügen rund 60 Millionen Euro.

Torsten Staffeldt sieht in der Stiftung eine Chance, junge Seeleute wieder in Fahrt zu bringen. Dass der deutschen Seefahrt jedoch der Nachwuchs ausgehen könnte, befürchtet Klaus Meyer. Die Reeder würden sparen, wo sie nur könnten. Deutsche Schiffe führen unter Billigflaggen. Statt einer deutschen Crew entschieden sich die Reeder für Seeleute anderer Nationalität mit ähnlicher Qualifikation, die aber bedeutend günstiger seien. Er beklagte die grundsätzlich mangelnde Ausbildungsbereitschaft vieler Reeder. „Die Aussichten sind trübe“, sagte er. Er sprach zudem von einer außerordentlichen hohen Altersstruktur bei deutschen Seeleuten.

Deutschliche Zahlen nannte Christoph Wand: 2012 seien in Deutschland 297 nautische Patente für Wachoffiziere vergeben worden, 100 Frauen und Männer hätten sich arbeitslos melden müssen. Im selben Jahr seien 990 Anerkennungsvermerke ausländischer Befähigungszeugnisse ausgestellt worden: Darunter seien 157 nautische Wachoffiziere gewesen, die noch nicht gefahren waren.

Ulrich Schlüter Elsfleth / Redaktion Brake
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