Schweiburgersiel Der Abschluss der Deichbauarbeiten am südöstlichen Jadebusen ist jetzt beim Landcafé „To’n Diek“ an der Bäderstraße gefeiert worden. Der Vorsteher des II. Oldenburgischen Deichbandes, Burchard Wulff, begrüßte die Anwesenden, darunter viele Ehrengäste.

Die Arbeiten zur Verstärkung des Deiches von der Planungs- und Vorbereitungszeit bis zum Abschluss am südöstlichen Jadebusen von Schweiburgermühle bis Sehestedt haben 14 Jahre gedauert. In sechs Bauabschnitten auf einer Länge von 7,5 Kilometer wurde der Deich auf zehn Meter erhöht und verstärkt.

Es handelt sich um einen sogenannten Überlaufdeich – außendeichs mit dem jetzt noch flacheren Winkel mit einem Deichprofil von eins zu sechs. Zuvor gab es meist ein Profil von eins zu vier an.

Enorm ist die benötigte Masse an Material. Es wurden 623 000 Kubikmeter Klei, sechs Kilometer Binnenspundwand sowie 8800 Kubikmeter unterschiedlicher Betonsorten für die Herstellung des Deichunterhaltungsweges beziehungsweise des Deckwerkes verarbeitet.

Die Kosten belaufen sich nach Angaben des Deichbandvorstehers auf rund 68 Millionen Euro, von denen 61 Millionen aus der Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe zur Förderung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes stammen und die EU weitere sieben Millionen Euro an Zuschüssen beigesteuert hat.

Planung und Bauleitung des Großprojekts lagen beim Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN). Die Arbeiten begannen mit dem Einbau von Horizontaldrainagen zur Entwässerung des Deichkerns. Der Abfluss des braunen Wassers am Deichfuß entlang der Bäderstraße war in dieser Zeit sehr gut zu sehen.

Aufwendig war das Einbringen der bis zu 16 Meter langen Spundwand als Maßnahme zur Wiederherstellung der Standsicherheit des Deiches. Der 1. Rammschlag erfolgte im Oktober 2007, im Beisein des damaligen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU).

Die eigentlichen Bauarbeiten begannen 2012, die weiterhin im Zeichen des unsicheren Baugrundes und des Kleibodens standen. „Auf der gesamten Strecke besteht der Boden aus nachgebenden Materialien wie Mudden und Torfen. Des Weiteren sorgte die mangelnde Kleiabdeckung dafür, dass der Sandkern des Deiches wassergesättigt war, die Standsicherheit des vorhandenen Deiches war also gefährdet“, so der Verbandsvorsteher.

Im Bereich des geschützten Schwimmenden Moores – heute noch zehn Hektar groß – wurde die Deichsicherheit aus Platzgründen durch das Einbringen einer Mittelspundwand in der Deichmitte realisiert. Darüber hinaus wurden im Zuge der Gesamtmaßnahmen die Reste des ehemaligen Schweiburger Siels aus dem Deichkörper entfernt und ein neues Schöpfwerk, zurückversetzt, auf der gegenüberliegende Seite der Bäderstraße, in Höhe „To’n Diek“ gebaut.

Die Deckung des Kleibedarfs erreichte der II. Oldenburgische Deichband größtenteils durch Grundstückskäufe und Tauschverfahren an der südlichen Jadebucht. Die fehlenden 286 000 Kubikmeter wurden außendeichs im Gebiet des Nationalparks Niedersächsisches Wattenmeeres gewonnen. Somit hat man 2016 – erstmals nach 30 Jahren – wieder außendeichs Klei entnommen. „Dabei wurden die Belange des Küsten- mit denen des Naturschutzes verknüpft. Die natürlichen Wiederverlandungsprozesse in den Abbauflächen tragen zu einer positiven Entwicklung des Nationalparks im Sinne der ökologischen Vielfalt bei“, betonte Burchard Wulff.

Mit den Planwagenfahrten von „De Dieklü“ konnten sich die Gäste von den Ausgleichsmaßnahmen ein gutes Bild machen. „Der Küstenschutz ist wichtig. Das ist gut angelegtes Geld und lebensnotwichtig, um das Land hinterm Deich zu schützen“, sagte die Landtagsabgeordnete Karin Logemann aus Berne (SPD).

Der Ehrenverbandsvorsteher Leenert Cornelius, Vorgänger des jetzigen Vorstehers hatte es damals auf den Punkt gebracht, dass der Deich „schwimmt“. Dies galt es zu belegen. Zudem musste das Geld für die notwendigen Maßnahmen besorgt werden.

Bei den genauen Untersuchungen stellte sich tatsächlich heraus, dass der Boden nicht trägt und der Deich „schwimmt“. Der Baudirektor a.D. Klaas-Heinrich Peters erinnerte an das schlickhaltige Wasser unter dem Deich und den „flüssigen Böden“.

Beim Küstenschutz gibt es keinen Stillstand. Burchard Wulff betont im Gespräch mit der NWZ: „Als nächstes werden wir den Bereich von Schweiburg bis Wapelersiel in Angriff nehmen.“

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