Schweewarden „Wo sonst kann man auf der Arbeit Rehe sehen – oder auch Fasane und Hasen?“ Frank Völkers aus Abbehausen war 24 Jahre als Anlagenfahrer in der Nordenhamer Zinkhütte tätig. Seit vier Jahren ist der heute 51 Jahre alte gelernte Kraftfahrzeugmechaniker einer der beiden Wärter der Deponie der Zinkhütte in Galing bei Schweewarden. 

Ebenso wie sein Kollege Frerk Bachmann schätzt Frank Völkers die Nähe zur Natur und die gute Nordseeluft. „Hier ist es zudem jeden Tag anders. Jeden Tag besprechen wir neu, was im Detail zu tun ist“, ergänzt der 61-jährige Frerk Bachmann, der aus Schweewarden stammt und im Nachbardorf Tettens wohnt.

Wer vermutet, auf dieser Deponie lande gefährlicher Abfall der Zinkhütte, liegt falsch. „Hier gibt es – ähnlich wie bei einer Hausmülldeponie – kein besonderes Gefährdungspotenzial“, versichert Dr. Günter Halle, Mitglied der Geschäftsführung der Hütte und verantwortlich für das Deponie-Management.

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In der Zinkproduktion fallen verschiedene Nebenprodukte an. Die im ersten Prozess-Schritt entstehende 96-prozentige Schwefelsäure wird an Industriebetriebe verkauft. Die Hütte arbeitet nachhaltig und nutzt weitere Nebenprodukte wie Cadmium, Kupfer-, Blei-Silber-Verbindungen.

Eisenhaltig

Nicht genutzt werden dagegen eisenhaltige Rückstände (Jarosit bzw. Jarofix), weil es dafür (noch) kein Verfahren zur Weiterverwendung gibt.

Jarosit wurde früher als Schlamm eingelagert. Seit dem Jahr 2011 wird es unter Zugabe von Kalk aufbereitet, mit Zement versetzt und zu Jarofix umgefällt. Die Verfestigung von Jarosit in Jarofix hat die Deponierung umweltfreundlicher und einfacher gemacht.

Diese Veränderung hat Frerk Bachmann, der bereits seit 1985 als Deponiewärter in Galing tätig ist, selbst miterlebt. Der gelernte Landwirt war nach seiner Bundeswehr-Zeit zunächst zwei Jahre als Betriebshelfer in der Landwirtschaft tätig. Es folgten sieben Jahre als Baggerfahrer bei einer Tiefbaufirma. In diesem Beruf hat Frerk Bachmann mitgearbeitet an der Anlegung der Deponie Galing II und ist dann Deponiewärter geworden.

Er und Frank Völkers arbeiten jeweils in einer Frühschicht (von 6.30 bis 13 Uhr) oder einer Spätschicht (von 13 bis 19 Uhr). Ansonsten wird die Deponie mit Kameras überwacht. Bei Krankheit oder Urlaub springt ein Kollege aus einer Produktionsabteilung der Zinkhütte ein.

Nur noch bis Mitte 2019 reicht die Kapazität von Galing II. Deshalb ist eine neue Deponie nötig. Sie entsteht in direkter Nachbarschaft (Galing III). Sie wird in vier Abschnitten realisiert, die für insgesamt etwa 25 Jahre reichen werden. Der erste Abschnitt ist jetzt fertiggestellt.

Jarofix wird auf der Zinkhütte bis zu 10 Tage zwischengelagert, bis es stichfest ist und dann als fester Abfall mit Container-Sattelzügen zur Deponie gebracht wird. Hier werden diese Container auf Deponielastwagen gezogen und über eine asphaltierte Straße und/oder mit Stahlplatten ausgelegte Bereiche auf eine Rampe transportiert und dort entleert. Langarmbagger oder Raupen verteilen das Jarofix auf dem Deponieabschnitt.

Wenn der jeweilige Abschnitt vollständig verfüllt ist, werden Abdeckungen aufgebracht: eine Oberflächenabdichtung nach den gesetzlichen Vorgaben und eine mindestens ein Meter starke Rekultivierungsschicht sowie darauf nährstoffreicher Boden und eine Ansaat für Gras.

Landwirt erntet

Nach der Rekultivierung nutzt ein benachbarter Landwirt das dann auch hier geerntete Gras als Silage. „Die Fläche wird so grün wie vor der Nutzung als Deponie – und Wiesenvögel nehmen sie genauso an, wie zuvor“, berichtet Günter Halle.

Die Deponiewärter überwachen vor allem den Anlieferungsverkehr und den Einlagerungsbetrieb sowie auch Wasserschächte und Pumpen. Sie sorgen für die Einhaltung der Umweltschutzauflagen, nehmen auch Wasserproben, leisten Mäharbeiten und im Winter Streudienste. Kurzum: Sie stellen den Deponiebetrieb sicher und sorgen dafür, dass alles ordnungsgemäß läuft.

Seit 110 Jahren produziert die Nordenhamer Hütte Zink und Zinklegierungen. In den vergangenen zwei Jahren ist die Jahresproduktion der einzigen Zinkhütte in Deutschland von 145 000 auf 160 000 Tonnen gestiegen.

Horst Lohe Nordenham / Redaktion Nordenham
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