Rodenkirchen /Wesermarsch Sie hat lange weiße Barthaare und markante gelbe Schneidezähne, die sich im Alter in ein leuchtendes Orange-Rot verfärben: die Nutria. Doch dass Deichschützer und Wasser- und Bodenverbände nicht gut auf das Nagetier zu sprechen sind, hat nichts mit dem Äußern zu tun. Die Nutria knabbert Ufer und Böschungen von Entwässerungssystemen und auch Deiche an, wenn sie ihre Höhlen baut.

Strategie schlägt fehl

In den Niederlanden, die zu 60 Prozent unter dem Meeresspiegel liegen, wird der lästige Einwanderer, der aus Argentinien stammt, deshalb auf Leben und Tod verfolgt: Ausrottung ist die Devise. Die deutschen Behörden setzen bislang auf eine Eindämmung des Zuwachses. Das reicht nicht, waren sich die rund 170 Teilnehmer der Jahreshauptversammlung der Kreisjägerschaft in der Markthalle am Montagabend einig.

Schlimmer noch: Die Strategie schlägt grandios fehl. Die Nutria hat sich in Niedersachsen in den vergangenen zehn Jahren massiv ausgebreitet, wie Heiko Fritz von der Landwirtschaftskammer in seinem Gastreferat berichtete. Ein Grund dafür ist die überbordende Fruchtbarkeit dieser Tiere: Ein Paar kann in drei Jahren rein rechnerisch bis zu 16 000 Nachkommen haben, sagte Heiko Fritz. Auch der Klimawandel mit wärmeren Wintern komme der Ausbreitung zugute.

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Ein anderer Grund: Jäger dürfen Muttertiere nicht töten. Rein äußerlich ist aber schwer zu erkennen, ob eine Nutria gerade Nachkommen säugt; zudem sind die Weibchen das ganze Jahr empfängnisbereit. Deshalb muss jeder Jäger, der auf so einen Klops anlegt, der bis zu 14 Kilo schwer werden kann, mit juristischen Konsequenzen rechnen. Und darum müsse der Schutz der Muttertiere aufgehoben und – wie in den Niederlanden – die ganzjährige Bejagung erlaubt werden, sagte Tammo Meents aus Berne, der Vorsitzende der Kreisjägerschaft.

Mehr Rehe

Dass die Nutria in der Wesermarsch angekommen ist, zeigte auch der Streckenbericht von Kreisjägermeister Bernhard Martens, Berne: In dieser Saison wurden 164 Tiere getötet, ein Plus von 1162 Prozent.

Wachstum gibt es auch beim Rehwild: Der Abschussplan sieht 2119 Tiere in drei Jahren vor. Das erste Jahr überlebten 579 Tiere nicht, 222 kamen als Fallwild um.Auf dem Rückzug ist dagegen der Feldhase: Nach 10 000 Exemplaren im Jahr 2007 waren es jetzt nur noch 1551, davon 653 als Fallwild. Weitere Verschlechterung ist in Sicht: Eine tödliche Seuche, gegen die die Tiere keine Resistenz entwickeln, breitet sich in Richtung Küste aus.

Auf der Strecke blieben auch 652 Rotfüchse plus 16 Prozent –, 238 Marder und 24 Dachse, ein Plus von 140 Prozent. Der Fasan – 238 sind auf der Strecke geblieben – ist auf dem Rückzug, weil die Küken wegen des Insektensterbens das dringend erforderliche tierische Protein nicht mehr bekommen. Weiter verzeichnete der Bericht 1359 Wildgänse, 2091 Wildenten, 3215 Rabenkrähen und 431 Elstern.

 Tammo Meents ehrte vier Jäger: Eilert Baars, Tossens, und Hans-Gerd Conze-Wiechmann, Berne, sind jetzt Ehrenmitglieder der Landesjägerschaft, Helmut Block, Brake, und Hans-Georg Lahmeyer, Ovelgönne, wurden mit der Urkunde des Deutschen Jagd-Verbandes (DJV) für besondere Verdienste ausgezeichnet.

 Bernhard Martens überreichte 18 Jägern, die ihre Prüfungen bestanden hatten, die Jägerbriefe: Timo Hülsebusch, Andre Meyer und Reiner Tammen aus Stadland, aus Ovelgönne Frank, Michael und Tim Eiting sowie Stefan Saal, aus Jade Sven Höbken, aus Brake Günter Woyde, aus Großenmeer Jürgen Buch, aus Elsfleth Frank Hammerbacher, Nis Michelsen, Peter van Mark und Alexander Schmidt, aus Hude Fokko-Tjark Beer sowie aus Rastede Jens Bartels, Folkert Erdwiens und Ralf Feder.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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