Rodenkirchen „Es ist ein Irrtum, dass Aldi, Lidl und Co. den Milchpreis bestimmen, den die Erzeuger erhalten“, sagte Eckhard Heuser. Seine Feststellung begründete der Hauptgeschäftsführer des Milchindustrieverbandes mit der Tatsache, dass „nur“ gut ein Drittel der in Deutschland erzeugten Milchmenge an die Lebensmittelhändler geht. Die überwiegende Teil, etwa die Hälfte, wird exportiert. „Weltweit befinden wir uns in einem knallharten Wettbewerb“, verdeutlichte der Referent die Auswirkungen auf den Milchpreis.

Rund 150 Landwirte waren am Donnerstagabend der Einladung der Milchausschüsse der Kreislandvolkverbände Wesermarsch und Friesland zum Milchabend in der Rodenkircher Markthalle gefolgt. Vieles von dem, was Eckhard Heuser („Ich bin kein Politiker, sondern Lobbyist“) in seinem Vortrag mit dem Thema „Wege der Vermarktung von Milchprodukten“ vorstellte, war ihnen bereits bekannt. Dennoch sprachen viele Teilnehmer von einer sehr informativen Veranstaltung.

In Deutschland wurden in 2017 von 65 782 Milchviehhaltern knapp 33 Millionen Tonnen Milch erzeugt, davon 1,4 Millionen Tonnen für den Eigenverbrauch. Einschließlich 2,7 Millionen Tonnen importierter Milch kamen in den Molkereien rund 34 Millionen Tonnen Milch zur Verarbeitung. Davon landeten 16,5 Millionen Tonnen (49 Prozent) im Export, 12,5 Millionen Tonnen (37 Prozent) im Lebensmittelhandel und 4,9 Millionen Tonnen (14 Prozent) in der weiterverarbeitenden Industrie. Beim Verbrauch der milchäquivalenten Produkte in Deutschland hatte die importierte Milch einen Anteil von 12,6 Millionen Tonnen.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den Corona-Update-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Importe aus Neuseeland

Mit diesen Zahlen verdeutlichte Eckhard Heuser den großen Einfluss des Weltmarktes auf den Milchpreis in Deutschland. „Weltweit ist zu viel Milch da“, stellte der Hauptgeschäftsführer des Milchindustrieverbandes fest. Während in Deutschland die erzeugte Milchmenge stagniere, steige sie weltweit um vier bis fünf Prozent. Der Druck auf die deutschen Milcherzeuger werde zunehmen, wenn das von der Politik gewünschte Freihandelskommen mit Neuseeland zustande kommt. Dort habe man mit der Milchproduktion einen Selbstversorgungsgrad von 80 Prozent erreicht. Der mit einem Freihandelsabkommen verbundene Wegfall der Zölle werde Milchimporte aus Neuseeland deutlich verbilligen.

Auch der bevorstehende Brexit werde sich nach Absicht von Eckhard Heuser schmerzlich bemerkbar machen. Denn das Vereinigte Königreich (UK) ist nach Deutschland der größte Netto-Einzahler in der Europäischen Union. Der Wegfall der Zahlungen werde sich insbesondere auf den Agrarhaushalt der EU auswirken. Dies werde zu einer großen Herausforderung mit vielen Unbekannten für die Milchwirtschaft in Europa führen.

Probleme sieht der Milchlobbyist aber auch im Inland. Die derzeit üppige Politik dank voller Kassen werde es nicht immer geben. Zudem nehme das „Grüne im Schwarzen“ zu. Womit Eckhard Heuser auf den sich verstärkenden Einfluss der Grünen auf die Politik der CDU anspielte. Auch der vom Verbraucher geforderte Tierschutz werde auf die Preise drücken. „Bald müssen wir die Tiere beim Schlachten wohl totkitzeln“, übertrieb der Referent.

Zum Kunden bewegen

Von Landwirten nach Schutzmaßnahmen für die deutschen Milcherzeuger gefragt, machte Eckhard Heuser deutlich, dass die Molkereiwirtschaft sich zum Kunden bewegen müsse und nicht umgekehrt. „Als Unternehmen müssen Sie sich aber dem weltweiten Wettbewerb stellen“, sagte er, „wer dafür gerüstet ist, wird sich behaupten können.“

Rolf Bultmann Nordenham / Redaktion Nordenham
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.