Rodenkirchen Die Stadlander Sielacht hat ihren Vorstand nahezu komplett erneuert. Dazu gehört auch ein Wechsel an der Spitze: Burchard Wulff aus Norderschwei, Vorsteher seit 2004, gab den Paddstock an Dirk Decker aus Frieschenmoor weiter.

Und das ist wörtlich zu verstehen: Bei der konstituierenden Sitzung des neuen Vorstandes am Montagvormittag im Rodenkircher Hotel Albrechts überreichte der 58-jährige Wulff seinem 54-jährigen Nachfolger einen stählernen Paddstock als Symbol seiner neuen Würde. Neuer stellvertretender Vorsteher ist Hans Haxsen, der auf Gustav Hellmers folgt. Neu in den Vorstand gewählt wurden auch Walter Damken und Gerriet Folkens. Wiedergewählt wurde Klaus Padeken. Ausgeschieden sind außer Wulff und Hellmers auch Dr. Karsten Padeken und Wilfried Blohm. Alle ehemaligen und neuen Vorstandsmitglieder sind Landwirte.

„Handlungsbedarf“

Burchard Wulff war insgesamt 31 Jahre ehrenamtlich für den Verband tätig, er konzentriert sich jetzt auf sein Amt als Vorsteher des II. Oldenburgischen Deichbandes. Dr. Karsten Padeken war ebenfalls 31 Jahre lang im Verband tätig; er ist als Vorsitzender des Kreislandvolks stark gefordert. Gustav Hellmers geht nach 37 Jahren aus Altersgründen, Wilfried Blohm nach 31 Jahren aus demselben Motiv.

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Faktisch hat Dirk Decker sein neues Amt schon am 1. April angetreten – und gleich in der ersten Woche gut zu tun gekriegt, wie er berichtete. So nahm er am vergangenen Dienstag an der ersten Sitzung des Arbeitskreises Hochwasser der Gemeinde im Rathaus teil. Bürgermeister Klaus Rübesamen, die Fraktionsvorsitzenden, die Feuerwehr, der Deichband und der Wasserverband waren auch dabei.

Zwei Drittel des Verbandsgebiets liegen unter Normalnull

Das Gebiet der Stadlander Sielacht reicht vom Ufer der Weser bis zu dem des Jadebusens. Die Nordgrenze verläuft bei Esenshamm, die Südgrenze bei Frieschenmoor. Die Gemeinde Stadland gehört komplett zum Verbandsgebiet, außerdem Teile der Gemeinde Ovelgönne und der Stadt Brake. Zwei Drittel des Verbandsgebiets liegen unter Normalnull.

5100 Mitglieder zählt die Sielacht. Wer in ihrem Gebiet Eigentümer, Erbbauberechtigter oder sonstiger Nutzungsberechtiger eines Grundstücks ist, gehört kraft Gesetzes dem Verband an und zahlt Beiträge.

11 200 Hektar groß ist das Verbandsgebiet. Nicht beitragspflichtig sind die die 500 Hektar im Deichvorland.

Wichtigste Aufgaben sind die Unterhaltung der Verbandsgewässer sowie Bau und Unterhaltung von Anlagen in und an Verbandsgewässern. Diese Gewässer sind 216 Kilometer lang. Bauten sind das Mündungsschöpfwerk Strohausen und fünf Unterhaltungsschöpfwerke. Um die Arbeit kümmern sich ein hauptamtlicher und fünf ehrenamtliche Schöpfwerkswärter.

Fazit nach Auskunft von Dirk Decker und Burchard Wulff: Der Bauhof der Gemeinde müsse sich mehr um die Entwässerung kümmern. So seien die Durchmesser einiger Entwässerungsrohre möglicherweise zu eng, außerdem seien einige Durchlässe verstopft. „Es besteht Handlungsbedarf“, betonte Dirk Decker. Ende Mai solle der Arbeitskreis ein zweites Mal tagen.

Burchard Wulff sieht in der Sache ein grundsätzliches Problem, wie er sagte: „Die Gesellschaft, vor allem die jüngere Generation, hat das Verständnis für die Entwässerung verloren. Die Älteren wissen noch, dass die niedriger gelegenen Gebiete im Frühjahr überschwemmt waren.“

Niedrig gelegen ist im Verbandsgebiet vor allem die Moormarsch von Reitland bis Frieschenmoor, während Rodenkirchen, wie alle ufernahen Gebiete, durchschnittlich einen Meter über Normalnull liegt. Wulffs Fazit: Wenn die Überschwemmung rein natürlich bedingt gewesen wäre, hätte Schwei unter Wasser stehen müssen und nicht Rodenkirchen.

Klima und Salz

Allerdings liegt das Tegelland, das vom Hochwasser vor einem Jahr betroffen war, niedriger als das übrige Rodenkirchen. „Wie der Name schon sagt, ist es abgeziegeltes Land, aber das wissen auch schon viele nicht mehr“, sagt Burchard Wulff.

Zwei große Themen werden die fünfjährige Amtszeit von Dirk Decker prägen: Der Klimawandel und die Versalzung der Verbandsgewässer. „Der Klimawandel ist eine Tatsache; er wird zu höheren Niederschlägen führen“, sagt Decker. Unklar sei aber das Ausmaß der Veränderungen.

Ein „heikles Thema“ sei die Versalzung infolge der fortgesetzten Weservertiefungen: Das salzige Nordseewasser dringt bei Flut immer weiter in die Weser ein. Die Lösung ist der Generalplan, der die Zuwässerung nach südlich Brake verlegt. An dessen Planung beteiligt sich auch Burchard Wulff.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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