Rodenkirchen /Schwei Zurück in den Norden – das war nach 45 Jahren Berlin der Plan von Jutta Dankert. Zusammen mit ihrem Mann verwirklichte die ehemalige Pflegewissenschaftlerin diesen Plan und landete in Schwei. Jetzt ist sie das neueste Mitglied im Landfrauenverein Rodenkirchen.

Die Wurzeln liegen in Ostpreußen

Die Landfrauenvereine blicken auf eine 122-jährige Geschichte zurück. Es war die Gutsfrau Elisabet Boehm (1859 bis 1943), die 1898 in Rastenburg (Ostpreußen) den ersten „Landwirtschaftlichen Hausfrauenverein“ gründete.

Ihr Ziel war es, durch hauswirtschaftliche und kulturellen Bildung die Lebens- und Arbeitsverhältnisse von Frauen im ländlichen Raum zu verbessern und ihnen Aus- und Weiterbildungen zu ermöglichen. Die Nazis lösten die Vereine 1934 auf, ab 1947 wurden sie wiedergegründet.

Knapp 500 000 Mitglieder zählen die 22 Landesverbände des Deutschen Landfrauenverbandes heute. Sie widmen sich gesellschaftlichen und politischen Themen und der Weiterbildung ihrer Mitglieder.

Landfrauenverein? Darauf wäre die ehemalige Großstadtpflanze nicht so ohne Weiteres gekommen, auch nicht in Schwei. Schließlich ist sie Wilhelmshaven aufgewachsen, das in ihrer Jugend noch deutlich mehr als 100 000 Einwohner zählte.

Computer statt Stall

Doch dann traf sie Marlies Pauer, eine der Vorsitzenden des Landfrauenvereins Rodenkirchen. Und am nächsten Tag lernte sie eine weitere Bäuerin kennen – auch die entsprach so gar nicht dem Bild, dass die ehemalige Berlinerin von Landfrauen hatte: „Sie war schick gekleidet und arbeitete nicht im Stall, sondern mit dem Computer. Das hast mich sehr fasziniert.“

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Sie ließ sich in den Verein aufnehmen und besuchte auch dessen Jahreshauptversammlung im Hotel Albrechts. Und wieder hatte sie ein Aha-Erlebnis: „Es sind tolle Frauen, sie haben tolle Themen, und an diesem Abend gab es auch noch einen interessanten Vortrag.“

Vor allem jedoch beeindruckte sie die Wärme und Freundlichkeit, mit der sie aufgenommen wurde: „Das kannte ich aus Berlin nicht.“

Auf Initiative der NWZ setzte sich Jutta Dankert nicht nur mit Marlies Pauer zusammen, sondern auch mit deren Vorgängerinnen Lore Westerholt und Christa Fehlhaber.

Die Schweierin Christa Fehlhaber ist seit fast 50 Jahren Landfrau mit Leib und Seele, von 1987 bis 1997 war sie Vorsitzende des Vereins.

„Ich bin 1972 bei den Landfrauen so reingeschlittert“, sagt Christa Fehlhaber. Getreu ihrem Motto „Einmal Landfrau – immer Landfrau“ ist sie heute noch ein aktives Mitglied, das sich über den jungen Vorstand sehr freut.

„Als ich den Vorstandsposten übernahm, war ich etwas ängstlich, doch im Laufe der Zeit wuchsen Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein“, erinnert sich Christa Fehlhaber. Vor allem der Zusammenhalt der Vorstandsmitglieder untereinander habe ihr gut getan: „Ich musste nichts alleine machen, wir waren ein Team. Die Landfrauen haben meinem Leben so viel Leben gegeben und es sehr bereichert.“

„Für mich bedeutet der Landfrauenverein Selbstverwirklichung“, sagt Ihre Nachfolgerin Lore Westerholt, die von von 1997 bis 2016 den Vorsitz führte. „Ich bin in der Landwirtschaft aufgewachsen, war in der Landjugend und bin mit 22 Jahren den Landfrauen beigetreten.“ Für Lore Westerholt gab es seit dieser Zeit nichts Schöneres als die Landfrauen mit ihren Vorträgen, Zwei-Tage-Fahrten und kulturellen Veranstaltungen. Später kamen die Mehrtagesfahrten und die multimediale Welt hinzu: Sie besuchte diverse Lehrgänge zur Digitalisierung.

Mehr Selbstbewusstsein

„Ich bin viel freier geworden“, würdigt Lore Westerholt auch ihre persönliche Weiterentwicklung bei den Landfrauen. Das kann Marlies Pauer nur bestätigen: „Da stehe ich auf einmal vor 50 Frauen und soll etwas erzählen.“ Doch ihr Selbstbewusstsein sei gewachsen, und jetzt ist sie für vier Jahre als eine der Vorsitzenden wiedergewählt worden.

Jutta Dankert imponiert das. Sie ist Rentnerin und will sich ehrenamtlich engagieren. In die Kirchengemeinde bringt sie sich schon ein, beim Hospizdienst in Brake hat sich die ehemalige Pflegewissenschaftlerin beworben – „und ich habe trotz Mann, Hund und Haus noch Ressourcen frei“, sagt sie.

Jetzt weiß sie, wo sie diese Ressourcen einbringen wird, nämlich bei den Landfrauen: „Ich bleibe auf jeden Fall dabei.“

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