Rodenkirchen Davon sollen Natur und Menschen gleichermaßen profitieren: Mit einer Zuwendung von 26 900 Euro fördert die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung ein Naturschutzprojekt des Angelvereins Stadland. Mit diesem Geld und viel Eigenleistung will der Verein in Nähe des südlichen Ortseingangs von Rodenkirchen zwei ehemalige Abbaugruben einer ehemaligen Ziegelei und das umliegende Gelände ökologisch aufwerten.

Bedrohte Arten

„Bisher sind die beiden Teiche nur 20 bis 30 Zentimeter tief und das umliegende Grünland bietet keine Angebote für bedrohte Tierarten“, begründet Vereinsvorsitzender Michael Gulich die Dringlichkeit der ökologischen Aufwertung. Das Vorhaben soll dem Karpfenfisch Bitterling, Süßwasserfisch Schlammpeitzger sowie der stark gefährdeten Hummelart Mooshummel zugute kommen.

„Auffällig und besonders lobenswert ist, dass ein Angelverein unter fachlicher Begleitung eine Maßnahme zum Insektenschutz verwirklichen möchte“, hebt Karsten Behr, Geschäftsführer der Bingo-Stiftung, einen zentralen Aspekt dieses Naturschutzprojektes hervor.

Neben den Gewässern sollen Gehölze wie Strauchweide, Holunder, Weißdorn und Pfaffenhütchen als Versteck- und Brutmöglichkeit für Vögel gepflanzt werden.

35 jugendliche Vereinsmitglieder

Gegründet worden ist der Angelverein Stadland am 1. Februar 1967. Er hat zurzeit 235 Mitglieder, darunter 35 Jugendliche.

Als Gewässer gibt es ausschließlich die künstlich zur Entwässerung angelegten Siele. Folglich ist die Gewässerstruktur für den Verein sehr eintönig. Das Wasser ist ein Süß- und Salzwassergemisch und eher der Brackwasserregion zuzuordnen.

Die hohe Artenvielfalt besteht vor allem aus vielen Weißfischen wie Brassen, Güster, Rotfeder, Rotauge, Aland etc. oder Raubfischen wie Kaulbarsch, Hecht, Zander, Flussbarsch oder Karpfenfische wie Wildkarpfen, Karausche, Giebel. Auch bedrohte Fische wie Schlammpeitzger, Steinbeißer, Aal oder Bitterling fühlen sich in den Sielen teilweise wohl.

Der Angelverein wünscht sich laut Pressesprecher Uwe Leemhuis seit Jahrzehnten als Ergänzung zu den Wasserzügen der Siele ein stehendes Gewässer zum Angeln. Solche stehenden Gewässer sind in der Wesermarsch rar und häufig in einem für die Anforderungen an Angelteiche schlechten Zustand, da es sich in der Regel um Klei-Entnahmestellen für den Deichbau handelt – oder wie im Fall des jetzt ins Visier genommenen, etwa drei Hektar umfassenden Areals bei Rodenkirchen um ehemalige Abbaugruben einer ehemaligen Ziegelei.

Der Angelverein hat die Flächen gepachtet und war von einer Wassertiefe von einem Meter ausgegangen, die aber auch schon unzureichend ist. Tatsächlich offenbarte sich dann eine Tiefe von lediglich 20 bis 30 Zentimetern. „Damit lässt sich fischereilich nichts anfangen“, erläutert Uwe Leemhuis im Gespräch mit der NWZ.

Mit Unterstützung des Fischereibiologen des Anglerverbandes Niedersachsen und der Unteren Naturschutzbehörde beim Landkreis Wesermarsch entwickelte der Angelverein die Idee für Vertiefungen und ökologische Aufwertungen. „Mit Bewilligung des Fördergeldes der Bingo-Stiftung sind wir verpflichtet, uns an alle Naturschutz-Vorgaben zu halten“, stellt Uwe Leemhuis fest.

Insgesamt rund 10 000 Kubikmeter Boden müssen bewegt werden. Den Aushub erhalten Landwirte, die dafür Verwendung auf sumpfigen Weiden haben.

Mitglieder packen an

Nach bereits vollzogenen vorbereitenden Arbeiten von Vereinsmitgliedern mit Hilfe eines alten Baggers sollen im September mit Firmeneinsatz die größeren Arbeiten geleistet werden. Die Bewohner des benachbarten Wohngebiets Lübbenland sind informiert. Sie waren laut Uwe Leemhuis anfangs von den Arbeiten nicht begeistert, finden aber positiv, was sich hier in Zukunft entwickeln soll.

Ziel ist, mit der naturnahen Umgestaltung der Wasser- und Landflächen einen langfristigen Lebensraum insbesondere für bedrohte Fische, wassergebundene Wirbellose und bestäubende Insekten zu schaffen. Dabei sollen exem-plarisch der Schutz der Flächen und die extensive Angelnutzung vereint werden im Sinne nachhaltiger Gewässer-Bewirtschaftung.

Der Angelverein braucht auch deshalb langen Atem, weil hier mit fangfähigen Fischen erst nach vier bis fünf Jahren zu rechnen ist.

„Die Bingo-Stiftung ermöglicht uns, alles nachhaltig zu gestalten“, sagt Uwe Leemhuis. Er fügt hinzu. „Das ist ein tolles Projekt sowohl für den Naturschutz als auch für uns Angler. Für unseren Verein ist es aber auch eine große Herausforderung, weil wir viel Eigenleistung einbringen müssen und dabei auf das Engagement unserer Mitglieder angewiesen sind.“


     www.angelverein-stadland.de 
Horst Lohe Nordenham / Redaktion Nordenham
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