Elsfleth Steuererleichterungen, Subventionen und eine neue Schiffsbesetzungsordnung – werden diese Instrumente greifen, um die seit Langem existierende Schifffahrtskrise in Deutschland zu beenden? Dieses Thema griff am Mittwochabend der Rundfunksender Nordwest Radio im Fachbereich Seefahrt und Logistik auf dem Elsflether Campus auf.

Die Live-Sendung moderierte Stefan Pulß, Gesprächspartner der Diskussion waren der Elsflether Studiendekan Nautik, Prof. Christoph Wand, die Referentin für Ausbildung und Schiffsbesetzung im Verband Deutscher Reeder, Runa Jörgens, Verdi-Schifffahrtsexperte Peter Geitmann und zugeschaltet war der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD).

Auch Elsflether Bürger waren im Fachbereich vor Ort, die Mehrzahl der Gäste stellten die Nautikstudierenden des Fachbereichs. Einig waren sich alle Diskussionsteilnehmer darüber, dass die Schifffahrtskrise seit nunmehr fast zehn Jahren die Branche lähmt, immer noch ein Überangebot an den Markt belastenden Kapazitäten vorhanden ist und junge Nautiker kaum noch Chancen haben, ihre Patente auszufahren.

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Die Vertreterin der Reedereien, Runa Jörgens, räumte die angespannte Lage zwar ein, sie sah aber auch einen Hoffnungsschimmer in der „Stiftung Schifffahrtsstandort Deutschland“. In die gemeinnützige Stiftung fließen seitens der deutschen Reedereien 30 Millionen Euro, und vom Bundesverkehrsministerium gehen 60 Millionen Euro in die Ausbildung, Qualifizierung und Weiterbildung des nautischen Personals.

Die Folgen des Überangebots von Neubauten und das kontinuierliche Sinken der Frachtraten sei durch die Bankenkrise 2008 noch verstärkt worden, äußerte sich Olaf Lies, die Besatzungen von Containerschiffen hätte es deswegen besonders hart getroffen. Peter Geitmann bemängelte, dass das Know-How der deutschen Nautiker durch die geänderte Schiffsbesetzungsordnung (SBO) herunter gefahren würde. Die geänderte SBO verfolge das Ziel, die Schiffe zurückzuflaggen, sowie Ausbildung und Qualifikation sicherzustellen, hielt Olaf Lies dagegen.

Zur Situation der Nautikstudierenden sagt Christoph Wand: „Die Bewerberzahlen sind bei uns ungebrochen hoch. Aber unsere Absolventen haben das Problem, in der Krisensituation ihre Patente auszufahren.“ Runa Jörgens war sich sicher, dass das Maßnahmenpaket der Stiftung greifen werde.

Im Gegensatz zu Jörgens forderte Peter Geitmann eine Evaluation des Maßnahmenpakets nicht in vier sondern in zwei Jahren. Im zweiten Teil der Infosendung kamen auch die Studierenden zu Wort und nachdem fast 50 Minuten der Status Quo und mögliche Lösungen diskutiert wurden, blieben für Empfehlungen an die künftigen Nautiker gerade knapp zehn Minuten. Runa Jörgens riet, abzuwarten und zu hoffen, dass das Maßnahmenpaket greift. Die Nautiker müssten Verbindlichkeiten seitens der Politik einfordern, sagte Peter Geitmann.

Prof. Christoph Wand verzichtete auf nebulöse Einforderungen und reduzierte seine Empfehlungen auf nüchtern-pragmatische Vorschläge. „Stellen Sie sich darauf ein, dass Sie nicht unbedingt als Nautiker auf See eingestellt werden, nutzen Sie die Chance der Praktika in maritimen Landbetrieben, schnuppern Sie bei uns in die anderen Studiengänge hinein und bereiten Sie sich auf die Möglichkeiten eines Landjobs vor.“

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