Norderschweiburg Nils von Deetzen und Tanno Luks stehen auf einem Feld in Norderschweiburg. Die beiden Junglandwirte greifen nach einem grünen Holzkreuz. Was aber hat es mit diesem Kreuz auf sich? Es ist ein Zeichen des Protestes gegen das Agrarpaket der Bundesregierung. Immer mehr Landwirte in der Region wollen ein Zeichen setzen, ihren Unmut äußern und stellen daher auf ihren Feldern die Kreuze auf.

Die Idee zu der Aktion hatte ein Agraringenieur aus dem Rheinland, der sich selbst „Bauer Willi“ nennt. Der stille Protest der sogenannten „Graswurzler“ richtet sich gegen die drei großen Themenfelder des neuen Agrarpakets, das Bundeslandwirtschafts- und Umweltministerium gemeinsam auf den Weg gebracht haben. Darin geht es um den Insektenschutz, das Tierwohllabel und Fördergelder, die künftig an den Umweltschutz gebunden sind.

Immer neue Auflagen in Sachen Pflanzenschutz und Bürokratie hätten das Fass jetzt zum Überlaufen gebracht, bemängelt das Kreislandvolk. In der Woche vom 14. Oktober bis 22. Oktober wollen Landwirte bundesweit demonstrieren. Schwerpunkt der Aktionen soll Bonn sein. Auch in Niedersachsen sind Aktionen wie eine Trecker-Fahrt zum Landtag geplant. Aus Sicht der beiden Junglandwirte ist vieles überzogen. „Die Eingriffe in die Landwirtschaft sind gravierend”, sagen sie übereinstimmend.

Bereits vor dem Agrarpaket hätten bürokratische Regeln die Landwirte in ihrer Arbeit erheblich eingeschränkt. „Die Bundespolitiker haben vergessen, dass wir uns selbst als Landschaftspfleger betrachten und darauf setzen, Umwelt und Natur zu erhalten. Das Engagement zur Verbesserung der Artenvielfalt, zum Beispiel durch das Anlegen von Blühstreifen, wird nicht anerkannt“, sagt Nils von Deetzen. Im Vogelschutzgebiet seien die Auflagen noch höher. Von Deetzen: „Es sieht ab 2021 eine Einschränkung der Bewirtschaftung vor. Die Düngung ist dann 20 Prozent unter dem eigentlichen Bedarf festgeschrieben.“ Tanno Luks: „Das ist eine Enteignung.“ Die beiden erläutern, dass durch eine Mangelernährung für die Pflanzen kein hochwertiges Futter erzeugt werden könne, was insbesondere auf Getreide zutreffen würde.

Zu dem angesprochenen Tierwohllabel der Regierung sagen die Junglandwirte: „Das ist für uns selbstverständlich, das halten wir ohnehin schon ein.“ Bei den drohenden Vermögens- und Ertragsverlusten gehe es um Existenzen, sind sich die beiden sicher. Die beiden Landwirte betreiben Grünlandbetriebe mit der Milchwirtschaft mit 150 bis 200 Kühen, dazu kommt noch ein Anteil Ackerbau. Das Agrarpaket der Bundesregierung ist eine Reaktion auf die Forderung, mehr für den Naturschutz und die Artenvielfalt zu tun. Auch das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ wurde dabei berücksichtigt. So sieht es ein nationales Verbot von Glyphosat als Schädlingsbekämpfungsmittel auf den Feldern bis spätestens Ende 2023 vor. Kritik kam vom Bauernverband. Die Landwirte-Lobby kritisierte die Einschränkungen beim Düngen und Pflanzenschutz.
 Zudem bemängelten die Landwirte auch, dass es nur ein freiwilliges Tierwohl-Label geben soll. Der Bauernverband forderte aber eine verpflichtende Kennzeichnung von Fleischprodukten.

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