Nordenham /Zelazno Als im März 2019 starke Orkanböen über Zelazno, das frühere Eisersdorf, hinwegzogen, zerlegten sie den über 100 Jahre alten Ahornbaum neben dem Bahnhofsgebäude in zwei Teile. Ein Teil des Baumes fiel in das Dach des Gebäudes und zerstörte fast das komplette Fachwerkhaus, das bereits 1897 errichtet worden war. Auch Vandalismus war einige Jahr zuvor ein Problem gewesen.

Somit ist das einst ehrwürdige Empfangsgebäude heute eine Ruine. Doch nun hat Zelazno wieder einen Bahnhof – wenn auch nur im Maßstab 1:87.

Der Eisenbahner Rolf Gerdes aus Horneburg bei Stade – er ist der Sohn des früheren Stollhammer Bahnhofswirts Heinz Gerdes – hat den Bahnhof des damaligen Eisersdorf als Modell nachgebaut. Marek Galowski, polnischer Eisenbahner, möchte im heutigen Zelazno ein kleines Heimatmuseum erbauen und dort das Modell ausstellen. Doch wie kam es dazu?

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Bau des Modells

Als Rolf Gerdes nach historischen Eisenbahnutensilien recherchierte, fand er bei Ebay 28 Fahrkarten aus dem Bahnhof in Eisersdorf im schlesischen Kreis Grafschaft Glatz. Viele Glatzer waren 1946 nach dem Zweiten Weltkrieg nach Nordenham vertrieben worden. Zum Bieten blieben ihm noch drei Stunden Zeit. In den letzten 30 Sekunden gab er sein Gebot ab und erhielt die Fahrkarten, die nicht gerade ein Schnäppchen waren, wie er berichtet. Von dem Verkäufer, einem polnischen Eisenbahnfreund, erfuhr er später, dass die Fahrkarten aus dem Originalfahrkartenschrank des Eisersdorfer Bahnhofs stammten.

Als die ersteigerten Fahrkarten dann endlich im Briefkasten von Rolf Gerdes lagen, war der Zeitpunkt gekommen, an dem in seinem Herzen das Feuer für den Eisersdorfer Bahnhof entfachte.

Anhand von Fotos und Vermessungen am Ort baute er das Original im kleinen Maßstab nach und präsentierte ihn auch auf den Modellbahnausstellungen zur Butjadinger Bahn. Viele Eisersdorfer konnten damals nicht in Nordenham bleiben und wurden mit der Butjadinger Bahn weiter in die Orte entlang der Strecke befördert. Die Stollhammerin Lotte Görries weiß noch, dass Stollhamm 1949 einen Zuwachs von 1700 Einwohnern hatte, durch Menschen, die ihre Heimat im Osten verlassen mussten. Eisersdorfer, die die Ausstellungen zur Butjadinger Bahn besuchten, waren von dem kleinen Modell angetan und schwelgten in ihren Erinnerungen.

Kontaktaufnahme

Schön länger reifte also der Gedanke in Rolf Gerdes, das Modell des Eisersdorfer Bahnhofs nach Zelazno zu geben. Über den Nordenhamer Helmut Wagner, dessen Eltern in Eisersdorf eine Fleischerei und in Nordenham später den liebevoll „Frikadellenpuff“ genannten Imbiss in der Peterstraße betrieben hatten, erhielt Rolf Gerdes die E-Mail-Adresse von Marek Galowski, der hauptberuflich bei einer Regionalgesellschaft der polnischen Eisenbahn arbeitet und nebenbei als Touristenführer und Betreiber einer Website über Zelazno aktiv ist.

Übergabe in Polen

In Zelazno plant Marek Galowski den Aufbau eines kleinen Heimatmuseums, in dem die Geschichte der Deutschen bis 1945 gezeigt werden soll. Er war begeistert von Rolf Gerdes‘ Vorschlag, dass er das kleine Modell zu diesem Zweck übernehmen könnte. Die beiden vereinbarten für Anfang August ein Treffen in Zelazno, auf dem Parkplatz der Kirche. Dort übergab Gerdes das Modell und 20 Fahrkarten aus dem alten Eisersdorfer Fahrkartenschrank.

Kurz vor der Übergabe lernte Rolf Gerdes zufällig den Pfarrer des Ortes kennen. Er erzählte ihm die Geschichte vom Bahnhofsmodell im Kofferraum seines Autos und auch die Geschichte von den e Eisersdorfer und Rengersdorfer Glocken, die vor Kriegende nicht mehr für Kanonen eingeschmolzen wurden und heute im Turm der St.-Willehad-Kirche in Nordenham hängen.

Als Rolf Gerdes dem Pfarrer das Bahnhofsmodell präsentierte, strahlte der über das ganz Gesicht. Beide wollen in Kontakt bleiben.

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