Nordenham /Wesermarsch „Es wird immer schwerer, Spenden zu bekommen“, sagt der Gründer der Nordenhamer Tafel, Fred Memenga. „Alle sind selbst belastet. Industrie und Handwerksbetriebe bekommen immer höhere Auflagen, die Kosten für Energie steigen immer weiter“, weiß auch Fred Memenga.

Endspurt zu Weihnachten

„Aber der Tafel in Nordenham wird geholfen“, freut er sich. Denn gerade jetzt zur Weihnachtszeit werde die Tafel häufiger mit Spenden bedacht. Das sei aber auch nötig, betrachtet der 81-Jährige die derzeitige Anteilnahme ganz nüchtern. Denn im Januar, Februar und März bekommt die Tafel erheblich weniger Spenden als im Rest des Jahres, weiß Fred Memenga aus Erfahrung.

Er gründete die Nordenhamer Tafel im Jahr 2004.“Angefangen haben wir mit nur einem kleinen Raum“, erinnert er sich. Der Standort im Bürgerhaus an der Viktoriastraße ist als Zufahrtsstraße zu verschiedenen Industriebetrieben stark frequentiert. Die Nordenhamer Ausgabestelle wurde zu Beginn auch noch von Kunden aus Brake und Rodenkirchen genutzt. Am Ausgabetag der Tafel habe es sich dort regelmäßig gestaut, sagt Fred Memenga. „Wir mussten handeln.“ So wurde 2007 die Tafel in Rodenkirchen eröffnet. 2008 folgte die Tafel in Brake.

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Tafel im Überblick

Die Nordenhamer Tafel wurde im Jahr 2004 von Fred Memenga gegründet. 2007 und 2008 folgten Tafel-Zweigstellen in Rodenkirchen und Brake eröffnet.

In Nordenham engagiert sich ein Team von etwa 20 Leuten für die Tafel. Das sind sowohl ehrenamtliche Mitarbeiter, als auch Ein-Euro-Jobber. Sie sortieren beispielsweise die eingehenden Lebensmittel, helfen bei der Ausgabe und entsorgen abgelaufene Waren. Über das große Engagement des Teams freut sich Fred Memenga ganz besonders. Viele von ihnen seien mehr als 35 Stunden pro Woche für die Tafel aktiv, sagt er.

Die erste Tafel in Deutschland wurde 1993 in Berlin nach amerikanischem Vorbild gegründet. Zugrunde lag der Gedanke, nicht mehr benötigte Lebensmittel zum Beispiel aus Hotels und Handelsketten Bedürftigen, wie Obdachlosen oder auch sozialen Einrichtungen, zukommen zu lassen. Bekanntheit erlangte das Konzept ein Jahr später, mit der Gründung der Hamburger Tafel 1994. In ganz Deutschland gibt es laut Fred Memenga inzwischen um die 1000 Tafeln.

Insgesamt vier Ausgabestellen unterhält die Nordenhamer Tafel in der Wesermarsch. In Nordenham ist die Tafel im Bürgerhaus an der Viktoriastraße 20 angesiedelt. Die Ausgabe ist immer freitags, von 10.30 Uhr bis 12.30 Uhr geöffnet. In Brake befindet sich die Ausgabestelle am Kiebitzring 39. Sie ist immer dienstags von 13 bis 14 Uhr geöffnet. In Burhave ist die Tafel an der Lübbe-Siebet-Straße 4 an jedem Mittwoch von 12 bis 13 Uhr geöffnet. Die Ausgabestelle in Rodenkirchen befindet sich an der Schulstraße 5. Sie ist immer donnerstags von 11.30 bis 12.30 Uhr geöffnet.

Rund 1500 Menschen aus fast der gesamten Wesermarsch sind pro Woche auf die Nordenhamer Tafel angewiesen. Allein 1000 Menschen davon nutzen das Angebot in der Stadt Nordenham. „Die Tafeln sind nicht mehr weg zu denken“, fasst es Fred Memenga zusammen.

Immer häufiger sind es ältere Männer und Frauen, die nur eine kleine Rente bekommen, die das Angebot nutzen, erzählt Fred Memenga. Auch viele alleinerziehende Mütter seien unter den Tafel-Kunden. Die Nordenhamer Tafel kümmert sich um das Gebiet von Nordenham über Butjadingen, Stadland, Jaderberg bis nach Elsfleth, erzählt Fred Memenga. Mit zwei Fahrzeugen werden die Lebensmittelausgaben beliefert. „Mittwochs ist immer unsere Kundentour“, sagt er. Denn rund 60 bis 80 Menschen, die zum Beispiel aus Altersgründen oder krankheitsbedingt nicht selbst in die Ausgabestellen kommen können, bekommen die Lebensmittel auch nach Hause geliefert.

Zwar laufe vieles ehrenamtlich, doch die Tafeln kosten Geld, macht Fred Memenga deutlich. Rund 2000 Euro monatlich braucht es, um den Betrieb aufrecht zu erhalten, erzählt er. Zwar stelle die Bürgerstiftung Nordenham der Tafel die Räumlichkeiten und die Fahrzeuge zur Verfügung, doch allein die Benzin- und Reparaturkosten für die Fahrzeuge belaufen sich auf rund 1000 Euro monatlich, berichtet Fred Memenga.

Die Lebensmittel bekommen die Tafeln von den Großmärkten in der Region. „Wir fahren insgesamt sechs Großmärkte im Gebiet ab“, erzählt Fred Memenga. Auch von der Keksfabrik in Varel und von vielen Bäckereien bekommt die Tafel Lebensmittelspenden. „Wir leben in einer Überflussgesellschaft. In Gebieten, in denen es keine Tafeln gibt, werden 50 Prozent der Lebensmittel weggeschmissen. Und dennoch gibt es Menschen unter uns, denen es nicht so gut geht“, weiß Fred Memenga und betont noch einmal: „Die Tafel ist in der Region nicht mehr wegzudenken.“

Mehr als Lebensmittel

Die Ausgabe geht inzwischen weit über Lebensmittel hinaus, erzählt der 81-Jährige. Zur Nordenhamer Tafel gehört auch eine Fahrradwerkstatt, in der die Tafelkunden ihre Räder reparieren können. „Manchmal stellen wir für Bedürftige auch Fahrräder zur Verfügung“, sagt Fred Memenga. Auch Kleinmöbel werden häufig bei der Tafel abgegeben und praktisch sofort weiter gebeben, erzählt er. Kleidung wird ebenfalls gerne genommen.

Merle Ullrich Brake / Redaktion Brake
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