Nordenham Einen Versuch hat es schon gegeben: 2007 war die nördliche Fußgängerzone probeweise für einige Monate für Autos geöffnet. Weil sich damals die Hoffnung auf neue Kundenströme nicht erfüllte, erklärte die Stadt Nordenham das Experiment für gescheitert und stellte die Verbotsschilder wieder auf. Dass trotzdem jetzt vieles darauf hindeutet, dass dieser von Leerständen geprägte Abschnitt der Einkaufsmeile bald dauerhaft für Autos und Fahrräder freigegeben wird, hängt vor allem mit dem mittlerweile geplatzten Traum von einem Fachmarktzentrum und den Veränderungen in der Einzelhandelslandschaft zusammen. „Als Geschäftszentrum hat die nördliche Fußgängerzone wenig Perspektiven“, sagte Bürgermeister Carsten Seyfarth, als das Thema am Mittwochabend in einer Sitzung des Wirtschaftsausschusses zur Sprache kam. Eine Verkehrsfreigabe wäre vielleicht nicht die Rettung, so der Bürgermeister, aber damit könne „ein Signal für die Innenstadt“ gesetzt werden.

Der Ausschuss folgte Carsten Seyfarths Vorschlag, eine Planung und Kostenschätzung für die Öffnung der Fußgängerzone in dem Abschnitt zwischen Lloydstraße und Hafenstraße ausarbeiten zu lassen. Auf dieser Grundlage sollen die Stadtratsausschüsse für Wirtschaft und Bauen möglichst schon im Oktober in einer gemeinsamen Sitzung die Entscheidung treffen. Angedacht ist eine Einbahnstraßenregelung ohne größere bauliche Maßnahmen.

SPD hat noch Fragen

Für die FDP-Fraktion, die einen entsprechenden Antrag eingereicht hatte, sowie für die CDU und die WIN steht bereits fest, dass sie der Verkehrsfreigabe zustimmen werden. Die SPD als größte Ratsfraktion sieht allerdings noch Klärungsbedarf und hat sich in der Angelegenheit noch nicht klar positioniert. Grünen-Ratsherr Ahmed Akdogan machte deutlich, dass seine Partei grundsätzlich das Ziel verfolge, den Autoverkehr aus der Innenstadt herauszubekommen. Daher sprach er sich dafür aus, die Verkehrsfreigabe auf Fahrräder zu beschränken.

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Aus Sicht des Vereins Nordenham Marketing & Touristik (NMT) ist die Öffnung dieses Fußgängerzonenbereichs längst überfällig. Geschäftsführerin Ilona Tetzlaff und Vorsitzender Jörg Irmer verweisen darauf, dass sich beim jüngsten Händlerfrühstück eine große Mehrheit für die Maßnahme ausgesprochen habe. Ilona Tetzlaff hält es für „utopisch“, dass sich in dem seit Jahren brach liegenden, von der Hauptachse der Einkaufsmeile abgehängten Teilstück eine Wiederbelebung durch Neuansiedlungen erreichen lässt. „Das ist ein Blinddarm, von dem wir uns gut trennen können“, sagt sie.

Nach Meinung der City-Managerin wäre die Verkehrsfreigabe „ein wichtiges Zeichen, dass sich in der Innenstadt etwas tut“. Damit sollte die Schaffung zusätzlicher Parkplätze verbunden sein, die von Besuchern der Fußgängerzone genutzt werden könnten.

Friedhof verwalten?

Für den FDP-Fraktionsvorsitzenden Manfred Wolf geht es um diese Kernfrage: „Wollen wir den Bereich weiter als Friedhof verwalten oder dort wieder Leben reinbringen?“ Er verspricht sich von der Verkehrsfreigabe eine Chance zur Aufwertung dieses notleidenden Innenstadtbereichs und zur Neustrukturierung der dortigen Immobilien.

Welche Pläne die Gemeinnützige Nordenhamer Siedlungsgesellschaft (GNSG) mit den aufgekauften Grundstücken hat, die einst als Ansiedlungsflächen für ein Fachmarktzentrum gedacht waren, steht noch nicht fest. Nach dem Rückzug der Investoren muss sich die GNSG die Karten neu legen. Laut Bürgermeister Carsten Seyfarth arbeitet die Siedlungsgesellschaft zurzeit an einem neuen Konzept, das bis zum Ende dieses Jahres vorliegen soll.

Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
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