Nordenham Gut sieht er aus, der Weizen auf den Weiden am Mittelweg. Anders als in Isens, wo ein Gänseschwarm über ein Feld von Frerk Francksen hergefallen ist. „Die brauchen nur wenige Stunden, um einen enormen Schaden anzurichten“, erzählt dessen Mitarbeiter Jan-Martin Küper und zeigt auf seinem Smartphone das Bild mit den vielen kahlen Stellen. „Gänse sind auch nur Menschen“, scherzt Frerk Francksen, „die wissen, was gut schmeckt.“

Seinen Humor hat der Landwirt nicht verloren, obwohl das Problem, mit dem er und viele weitere Landwirte zu kämpfen haben, alles andere als eine Lachnummer ist. Für viele Bauern haben die Schäden, die Zugvögel auf Grünland und Ackerflächen hinterlassen, inzwischen existenzbedrohende Ausmaße erreicht.

In Nordenham hat Frerk Francksen schnell genug reagiert. Ein Anwohner aus dem Neubaugebiet am Krankenhaus meldete, dass ein Gänseschwarm auf dem Feld gelandet ist. „Kein großer, es müssen so um die 250 bis 300 Vögel gewesen sein“, berichtet Jan-Martin Küper. Das war Ende November, als der junge Weizen gerade aus dem Boden sprießte.

Erfolgreiche Maßnahmen

Frerk Francksen handelte sofort. Südlich des Bahndamms stellte er ein Knallschreckgerät auf. Nördlich des Bahndamms hat er mehrere hölzerne Fuchsattrappen platziert. Außerdem hat er Absperrband aufgehängt, dass mit seinen Flattergeräuschen die Gänse vertreiben soll. Die Vögel suchten das Weite. Und seitdem haben sich auch keine anderen Zugvögel auf der Weide blicken lassen.

Zwischen Mittelweg und B 212 hat Frerk Francksen etwa 30 Hektar Land gepachtet. Mal pflanzt er hier Weizen an, mal Raps, Mais oder Gras. Nirgendwo in Nordenham liegen Landwirtschaft und städtisches Leben so dicht beieinander wie hier. Nur ein Graben trennt die Ackerflächen von den Häusern am Mittelweg und im Neubaugebiet. Frerk Francksen weiß, dass er hier besonders sensibel vorgehen muss. „Das Verhältnis zu den Nachbarn ist gut“, sagt der Landwirt. Und das soll auch so bleiben. Deshalb hat er für die gasbetriebene Schreckmaschine eine besonders schonende Einstellung gewählt. Es knallt laut genug, um die Gänse zu vergrämen und leise genug, um nicht die Menschen aufzuschrecken. „Wir stehen auch in Kontakt zu den Nachbarn.“ Bisher habe es eine einzige Beschwerde gegeben.

Das Gerät gibt morgens von 8 bis 12 Uhr und nachmittags von 14.30 bis 18 Uhr Knallgeräusche ab – und zwar in Intervallen von 30 bis 60 Minuten. Die Genehmigung für den Betrieb der Anlage hat Frerk Francksen vom Ordnungsamt bekommen. Auch bei der Polizei hat er nachgefragt. Es gab keine Einwände.

Erst Krähen, dann Gänse

Eigentlich hatte der Landwirt das Gerät aufgestellt, um Krähen zu vertreiben. Die wollten sich nämlich bei der Aussaat Ende Oktober auf seinem Feld die Bäuche vollschlagen. „Wir hatten nicht damit gerechnet, dass sich so nah am Wohngebiet auch Gänse niederlassen.“ Aber er wurde eines Besseren belehrt.

Frerk Francksen schätzt, dass ihm durch Gänsefraß schon ein Schaden von mehreren Tausend Euro entstanden ist. „So genau lässt sich das nicht beziffern.“ Seine Flächen liegen außerhalb der Bereiche, in denen Entschädigungen gezahlt werden. Auch die Verkotung der Flächen ist für ihn und für viele andere Landwirte ein Problem. Der Bauer aus Isens, der auch eine Biogasanlage und ein landwirtschaftliches Lohnunternehmen betreibt, ist sich sicher, dass sich das Gänseproblem in den vergangenen Jahren verschärft hat. „Es kommen mehr Vögel, und sie bleiben auch länger“, sagt er. Untersuchungen der staatlichen Vogelschutzwarte haben ergeben, dass sich die Zahl der rastenden Wildgänse in Butjadingen seit 2007 verdreifacht hat.

Frerk Francksen vermutet, dass sich die Gänse vermehrt über Flächen im Binnenland hermachen, weil außendeichs gelegene Gebiete in Butjadingen nur noch sehr eingeschränkt landwirtschaftlich genutzt werden. „Die Tiere finden im Binnenland hochwertigere Nahrung.“ Mit anderen Worten: Sie wissen, was gut schmeckt. „Außerdem bevorzugen sie freie Flächen, wo sich der Fuchs nicht so gut verstecken kann.“ Außendeichs gebe es diese Flächen wegen des zunehmenden Wildwuchses immer weniger.

Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.