Nordenham Als die Nachtschicht am Freitagmorgen um 6 Uhr Feierabend machte, hatten sich die ersten Streikenden schon vor den Werktoren postiert. Kannenweise heißen Kaffee hatten sie mitgebracht und jede Menge Feuerholz. Nicht die schlechteste Idee bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt. Auf dem Werkgelände ging anschließend nichts mehr. Die Mitarbeiter von Premium Aerotec legten das Einswarder Werk komplett still. „Nur eine Notbesetzung ist noch im Werk, maximal 15 Leute“, teilte der Betriebsratsvorsitzende Michael Eilers auf Nachfrage mit.

Der Arbeitskampf in der Metall- und Elektro-Industrie spitzt sich zu. Und das hat sich in Nordenham besonders bemerkbar gemacht. Die Mitarbeiter von PAG sind am Freitag in einen 24-stündigen Warnstreik getreten. Bei der Nordenhamer Zinkhütte, bei ATB, NKT und Leoni in Brake gab es mehrstündige Warnstreiks. Die Beschäftigten folgten damit dem Aufruf der IG Metall. Viele der Streikenden versammelten sich am Freitagnachmittag vor dem Haupteingang des Flugzeugwerks. Auch über eine Abordnung der Weser-Metall-Belegschaft freute sich Martin Schindler, der Geschäftsführer der IG Metall Wesermarsch.

Neben sechs Prozent mehr Geld für zwölf Monate fordert die IG Metall unter anderem einen Anspruch auf zeitweise Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden und einen Zuschuss für die Beschäftigten, die ihre Arbeitszeit verringern und Kinder betreuen, Familienangehörige pflegen oder im Schichtdienst arbeiten.

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Nach den Worten von Martin Schindler stehen die Gewerkschaftsmitglieder so geschlossen hinter den Forderungen, wie er es in seiner bisherigen Amtszeit noch nicht erlebt hat.

„Mein Leben, meine Zeit“ war auf vielen Transparenten zu lesen, die die Streikenden mitgebracht hatten. Die Forderung nach einer Reduzierung der Arbeitszeit in bestimmten Lebenslagen sei nicht nur richtig, sondern auch umsetzbar, sagte der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Meinhard Geiken, der bei der Kundgebung zu den mehr als 100 Streikenden sprach. Dazu müssten die Unternehmen ihre Ausbildungsquote erhöhen, Teilzeitbeschäftigten, die das wollen, längere Arbeitszeiten ermöglichen und neue Mitarbeiter einstellen. „Es gibt viele Arbeitslose in Deutschland. Und wenn sie nicht ins Anforderungsprofil passen, müssen sie eben entsprechend qualifiziert werden,“ sagte Meinhard Geiken.

Die Streikenden wurden mit heißem Gemüseeintopf und Würstchen versorgt. Aus den Feuertonnen mit dem IG-Metall-Logo loderten die Flammen, und aus den Lautsprecherboxen kam Rockmusik. Hin und wieder schaute die Polizei nach dem Rechten. Aber es blieb friedlich.

Wie geht es nun weiter im Arbeitskampf? „Wenn sich die Arbeitgeber nicht bewegen, und zwar zeitnah, kommt als nächstes die Urabstimmung“, sagte Meinhard Geiken. „Die Pläne für einen unbefristeten Streik liegen bereits in der Schublade.“


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Jens Milde Nordenham / Redaktion Nordenham
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