Nordenham Gin ist nicht gleich Gin, das ist für Kenner kein Geheimnis. Längst schon hat der Wacholderschnaps eigene Fangemeinden gewonnen. Einige Marken haben sich weltweit etabliert. Vielleicht gesellt sich zu diesen Marken bald auch ein Gin aus Nordenham. Die Nordenhamer Birthe und Dirk Vowinkel würde das ganz besonders freuen, denn das Ehepaar hat ein Rezept für ihren eigenen Gin „made in Nordenham“ ausgetüftelt und die Spirituose nun unter dem Namen „Norgin“ auf den Markt gebracht.

„Man muss schon eine Leidenschaft haben“, gibt Birthe Vowinkel zu. Sie und ihr Mann Dirk sind schon seit langem Gin-Trinker und -sammler. Neben dem Getränk gilt ihre Leidenschaft aber auch ihrem Hund. Mit dem Labrador „Pi“ sind sie häufig im Langwarder Groden unterwegs. „Irgendwann haben wir philosophiert, wie es wohl wäre, wenn wir unseren eigenen Gin aus Kräutern, die hier wachsen, herstellen würden“, erinnert sich Birthe Vowinkel. Dabei dürfe das Gewächs Queller, das typisch für Salzwiesen wie im Langwarder Groden ist, nicht fehlen. Die Pflanze wird mehrfach am Tag vom Salzwasser überspült und lagert das Salz ein, erzählt Dirk Vowinkel.

Birthe Vowinkel schenkte ihrem Mann einen Gutschein für ein Gin-Seminar. Dort lernten die Teilnehmer, selbst Gin herzustellen. Das Paar war so begeistert, dass es sich eine kleine Destille kaufte und begann, zu Hause mit verschiedenen Kräutern zu experimentieren. So entstand schließlich das Rezept für ihren Norgin und aus dem Gedankenspiel wurde Ernst. Die beiden meldeten ein Gewerbe an. Doch auf ihrer kleinen Hobbyanlage können sie den Wacholderschnaps natürlich nicht für den Verkauf herstellen. Eine Brennerei musste her. Das Paar wurde im Alten Land fündig. Ihr Norgin wird mittels des Dampfinfusionsverfahrens hergestellt. Dabei hängen die Kräuter, die sogenannten Botanicals, in einem Korb über dem Alkohol. Dieser verdunstet, zieht dann durch den Korb mit den Kräutern und nimmt deren Aromen auf.

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Selbst entwickelt

Die Brennerei im alten Land verarbeitete aber überwiegend Obst. Die Anlagen waren auf Maische ausgelegt. Einen Korb für Kräuter gab es nicht. Also entwickelte Dirk Vowinkel kurzerhand selbst einen Korb. Hauptberuflich arbeitet er im Einkauf in einem Stahlwerk. Er ist jedoch Ingenieur. So brachte er das nötige Vorstellungsvermögen mit, sagt er. Denn der Kräuterkorb musste den Kessel vollständig abdichten, kann aber nur durch eine kleine Öffnung ins Innere der Anlage gebracht werden. Der Korb musste also flexibel sein. Dirk Vowinkel löste das Problem, in dem er den Korb so konstruierte, dass er sich wie ein Fächer zusammenschieben lässt. Bei jedem Brand ist das Paar selbst vor Ort. Dirk Vowinkel baut jedes Mal eigenhändig den Kräuterkorb in die Anlage ein, und das Paar wiegt und misst die Zutaten in der Brennerei selbst ab.

„Wir verwenden Alkohol aus landwirtschaftlicher Herstellung, der mindesten 96 Prozent hat“, erzählt Dirk Vowinkel. Dieser wird verdünnt. Durch die Destillation steigt der Alkoholgehalt wieder an. Norgin hat 43 Prozent Alkohol. Wacholder ist der Hauptbestandteil eines jeden Gins. Hinzu kommen meist Angelikawurzel, Veilchenwurzel, Kardamom und Sternanis. „Dann beginnt das individuelle Rezept“, sagt Birthe Vowinkel. Ihr Norgin enthält insgesamt 18 Kräuter. Eines davon ist Queller. Doch mehr wollen Birthe und Dirk Vowinkel nicht über die Zutaten ihres Gins verraten. Norgin ist ein sogenannter London-Dry-Gin. „Das ist der sauberste Gin, den man herstellen kann,“ sagt Birthe Vowinkel. Ihr Anspruch sei gewesen, ein exklusives Produkt herzustellen. London-Dry-Gin darf zum Beispiel keine Farbstoffe oder Zucker enthalten. Meist wird Gin mit Tonic-Wasser getrunken. „Dabei ist es mit von entscheidender Bedeutung, welches Tonic man verwendet“, sagt Dirk Vowinkel. Ein schlecht gewähltes Tonic kann die feinen Aromen des Gins überlagern.

Mehr als ein Hobby

16 Monate sind seit der Idee für ihren eigenen Gin vergangen. Seit einem Monat ist der Norgin nun in drei Geschäften in Oldenburg (Heimathaven), in Nordenham (Scharf kochen) und in Bremerhaven (Fiedler) erhältlich. „Das ist längst kein Hobby mehr, dafür waren die Investitionskosten zu hoch“, sagt Birthe Vowinkel. Nachdem das Rezept feststand und eine Brennerei gefunden war, mussten weitere Entscheidungen getroffen werden. Wie soll ihr Gin heißen? In welchen Flaschen wird er verkauft, wie soll das Etikett aussehen. Birthe Vowinkel widmet sich inzwischen hauptberuflich der Vermarktung ihres Norgins. Kaufmännische Erfahrung hat sie aus ihrer zehnjährigen Tätigkeit als Handelsvertreterin einer Meereskosmetikfirma.

Nun knüpft das Paar erste Kontakte in der Gin-Branche: Bei einer Messe in Bremen trafen sie auf eine Gin-Expertin. Ihr stellten sie ihren Norgin vor. „Sie hat sofort gesagt, sie will einige Flaschen für ihre Verkostungen haben“, freut sich Birthe Vowinkel.

Im kommenden Jahr wollen die beiden mit einem eigenen Stand an Messen teilnehmen, um ihren Norgin auch überregional bekannt zu machen. „Jetzt ist es spannend zu sehen, wo die Reise hingeht“, sagt Dirk Vowinkel.

Merle Ullrich Brake / Redaktion Brake
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