Nordenham Die Vorfreude ist am Montag in verschiedenen Abteilungen der Werkstätten des CVJM-Sozialwerks zu spüren, denn es steht etwas Besonderes auf dem Programm: Geschäftsführer Holger Knoop und Jan Geerts, Fachbereichsleiter für den Bereich Bildung und Arbeit, wollen langjährige Mitarbeiter ehren. Schon eine halbe Stunde vorher hält es die Jubilare kaum noch an ihrem Arbeitsplatz.

Michael Fiebag hat sich schon umgezogen. Er trägt ein weißes Hemd und eine schwarze Hose. An seinem Arbeitsplatz in der Baugruppenmontage im Bereich Metallverarbeitung trägt er natürlich normalerweise Arbeitskleidung und Schutzhandschuhe, sagt er. Hier fertigt er Drahtformen für Obstschalen für die Firma Omni-Pac. Die Formen werden später mit einem Papier-Pappgemisch ausgefüllt und stehen dann befüllt mit beispielsweise Erdbeeren im Supermarkt.

Einsatz im Werkstattrat

„Ich muss die Markierungen anzeichnen und ausschneiden. Danach kommt es in die Maschine und wird in Form gepresst“, erklärt Michael Fiebag, und zeigt einen der Drahtrohlinge. Die Arbeit sei nicht schwierig, sagt er. Er ist seit 1992 in den Werkstätten und hat bereits unterschiedliche Abteilungen kennengelernt, darunter die Lackiererei und die Wäscherei. Außerdem engagiert er sich im Werkstattrat. Michael Fiebag ist Vorsitzender.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den Corona-Update-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

Die Werkstätten haben ihr eigenes Gremium, das im Austausch mit der Geschäftsführung steht. So können die Mitarbeiter zum Beispiel Wünsche und Anregungen an den Werkstattrat richten, der ihre Interessen vertritt.

Die Tätigkeitsbereiche in den Werkstätten sind breitgefächert. „Wir versuchen ein großes Angebot zu schaffen mit unterschiedlichen Wahlmöglichkeiten“, sagt Andreas Pitschmann, der den begleitenden Dienst leitet. Er berät die Fachbereiche gruppenübergreifend in der Arbeit mit geistig und körperlich behinderten Menschen. Seit 2015 werde verstärkt versucht, Mitarbeiter aus den Werkstätten auf dem Arbeitsmarkt zu vermitteln, sagt er. Etwa 20 Menschen mit Behinderung seien bereits in sogenannten betriebsintegrierten Arbeitsstellen in Unternehmen vermittelt worden. Zusätzlich biete die Firma Rehau in Brake 18 solcher Stellen an.

Doch an Beschäftigung mangelt es auch den Mitarbeitern in den Werkstätten in Nordenham nicht. In der Werkstatt am Hauptstandort sind die Großküche, die täglich rund 1000 Essen zubereitet, die Wäscherei, Holzverarbeitung und Palettenfertigung, die Baugruppenmontage, die Lackiererei, die Metallabteilung, die Tagesförderstätte und der Berufsbildungsbereich untergebracht. In der Werkstatt in Atens arbeiten Menschen mit seelischen Beeinträchtigungen in der Produktionsabteilung, im Berufsbildungsbereich, in der Privatkundenwäscherei und im Werkstattladen „Der bunte Laden“. Auch in Elsfleth gibt es eine Werkstatt.

Bianca Wiechmann arbeitet in Nordenham. Derzeit sortiert sie Bauteile für Jalousie-Systeme. Sie ist schon seit 1992 dabei. „Es macht Spaß“, sagt sie, auch wenn die Aufgabe gar nicht so leicht ist. Sie muss jedes Teil in die Hand nehmen und überprüfen, ob es sich um ein linkes oder ein rechtes Bauteil handelt und entsprechend sortieren. „Aber das kriege ich hin“, sagt Bianca Wiechmann selbstbewusst.

„Sie macht das mit Bravour“, lobt Stefanie Stege, die die Gruppe anleitet. Außerdem hilft Bianca Wiechmann auch ihren Arbeitskollegen, zum Beispiel beim Verpacken der Teile. Morgens und abends bringt sie auch die Hauspost in die Verwaltung, erzählt sie.

Arbeit seit 1987

Eine Abteilung weiter arbeitet Margot Winkler. Sie kommt seit 1987 in die Werkstätten. Margot Winkler wird zurzeit in der Tischlerei eingesetzt. Dort drückt sie kleinen Holzblöcken einen Stempel auf, die ein Kollege dann feinsäuberlich in einem Wagen stapelt. „Jedes Holz, das ins Ausland verschickt wird, muss wärmebehandelt werden, damit es insektenfrei ist, dafür steht der Stempel“, erklärt Enno Büsing, der die Mitarbeiter dort anleitet.

Sie werden natürlich entsprechend ihren Fähigkeiten eingesetzt. Für größere, anspruchsvollere Arbeiten gibt es auch eine CNC-Fräse und andere hochtechnische Großmaschinen, sagt Enno Büsing.

Das Sozialwerk verfolgt das Prinzip Fordern und Fördern, sagt Bärbel Dettmar, Assistentin der Geschäftsleitung. Mit verschiedenen Hilfsmitteln soll Menschen mit Behinderung die Teilhabe am Arbeitsleben ermöglicht werden. „Die Arbeit wird so gestaltet, dass zum Beispiel auch jemand der nicht zählen kann, Dinge ,abzählen’ kann“, sagt sie. Das geht mit Zielbrettern oder Vorrichtungen, in die nur eine bestimmte Anzahl an Gegenständen einsortiert und so abgezählt werden kann. Im gesamten Werkstattbereich des CVJM-Sozialwerks sind 374 Menschen mit Behinderung tätig. Ihnen stehen im Fachbereich Bildung und Arbeit, zu dem die Werkstätten gehören, 74 Mitarbeitende zur Seite.

Die langjährigen Mitarbeiter wurden am Montag in einer Feierstunde im Beisein von Arbeitskollegen, Freunden und Familie geehrt. Im November findet die nächste Feier statt. Dann stehen sogar Ehrungen für 50 Jahre Tätigkeit in den Werkstätten an, verrät Bärbel Dettmar.

Die ausgezeichneten Mitarbeiter

Für 25 Jahre Mitarbeit in den Werkstätten des CVJM-Sozialwerks Wesermarsch wurden am Montag vier Mitarbeiter ausgezeichnet: Michael Fiebag, Sandra Kliem, Torsten Schindler und Bianca Wiechmann.

Bereits seit 30 Jahren in den Werkstätten des Sozialwerks tätig sind Kirstin Bartels, Günther Bredehorn, Christina Breipohl, Regina Grubert, Susanne Hau, Rolf Maschke, Wolfgang Patzke, Gabi Peters, Monika Punke, Selina Röhl, Britta Scholz und Margot Winkler.

Merle Ullrich Brake / Redaktion Brake
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.