BUTJADINGEN Der renommierte Heimatforscher Hans Hermann Francksen hat kürzlich anlässlich seines 90. Geburtstages im Gespräch mit der NWZ gesagt, für ihn stehe und falle die Butjadinger Landschaft nach wie vor mit der Landwirtschaft. Francksen hat Sorge, dass sich ganz allmählich die Kulturlandschaft durch die Vielzahl aufgegebener Hofstellen völlig verändern wird.

Eines von vielen Beispielen für ein altes regionaltypisches Gulfhaus, das verloren gehen könnte, findet sich in der Bauerschaft Isens.

Das Gulfhaus mit Wohnteil in Alleinlage am Isenser Burweg ist 1848 erbaut worden. Bis zum Jahre 2002 ist die Hofstelle voll bewirtschaftet worden – von einem Pächter. Anschließend ist das Haus bis zum Frühjahr dieses Jahres zu Wohnzwecken genutzt worden. Seither steht es leer.

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Der Sozialpädagoge und Tischler Helmut Becker hat das Anwesen von seiner Mutter übernommen. Becker und seine Frau Waltraud können und wollen den Hof aber nicht selbst einer neuen Nutzung zuführen, zumal die Familie bereits wenige hundert Meter entfernt in einem 1908 erbauten Gulfhaus wohnt, das sie weitgehend selber umgebaut und erneuert hat.

„Wir suchen einen Käufer, der das schöne historische Gebäude mit Hofplatz erhält. Andernfalls besteht die Gefahr, dass dieses landschaftstypische Gulfhaus wie viele andere verfällt“, sagen Waltraud und Helmut Becker.

Unterstützt werden sie von Architekt Gerd Logemann aus Neuenhuntorf bei Berne, der den Arbeitskreis „Baukultur in der Wesermarsch“ leitet. Logemann erinnert an die Dimension des den ganzen Landkreis treffenden Problems: „Von früher 2000 Bauernhöfen in der Wesermarsch werden noch etwa 800 bewirtschaftet. Schätzungen zufolge werden nur 400 bis 500 davon auch in Zukunft landwirtschaftlich genutzt.“

Einige Resthöfe werden zu Wohnzwecken genutzt. In der Bauerschaft Isens zum Beispiel sind vier von acht Höfen nicht mehr in der Vollbewirtschaftung. Architekt Logemann nennt Beispiele für mögliche neue Nutzungen. So sind in Ostfriesland ein Hotel, eine Schule und auch eine Umweltbildungseinrichtung entstanden.

Ein besonders bekanntes Beispiel in der Gemeinde Butjadingen ist die Umweltstation in Iffens. Logemann: „Es gibt Ideen und Möglichkeiten. Auch für das Handwerk und den Tourismus eröffnen sich auf diesen Höfen Perspektiven. Es ist nicht immer nötig, neue Gewerbeflächen auszuweisen.“

Ein Lehrer hatte Interesse an dem Gulfhaus am Isenser Burweg gezeigt, wollte dort eine Fortbildungseinrichtung unter dem Motto „Oase der Stille“ schaffen, aber seine Frau und die Kinder wollten nicht in die Einsamkeit in der Butjenter Wisch.

Architekt Logemann hält auch Ferienwohnungen mit Anlaufstation für Fahrradtouristen oder eine Einrichtung für Aktivurlaub für möglich.

Ein Investor müsse zwar von Grund auf sanieren und ausbauen, finde aber eine gut erhaltende alte Bausubstanz mit Bestandsschutz vor und nicht zuletzt „Raum ohne Ende“.

Für Familie Becker und für den Architekten steht in jedem Fall die Bewahrung der Baukultur im Vordergrund. Helmut Becker: „Dieses Gulfhaus darf nicht zur Ruine werden.“

Arbeitskreisleiter Logemann: „Solche Gulfhäuser gehören ebenso wie die Niederdeutschen Hallenhäuser zur Identität der Wesermarsch, sie sind das Besondere der Wesermarsch. Sie dienen dem Tourismus. Möglichkeiten für ihren Erhalt gibt es. Es braucht Menschen, die Lust haben und Engagement mitbringen, aus solchen Gebäuden etwas zu machen.“

Horst Lohe Nordenham / Redaktion Nordenham
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