MOORSEE Die Sanierung des Müllerhauses an der Moorseer Mühle soll im Herbst beginnen – wenn bis dahin die Finanzierung gesichert ist. Das sagt der Leiter des Museums Moorseer Mühle, Nils Meyer. Wie berichtet, liegt erst eine feste Zusage vor: 30 000 Euro von der Landesregierung. Doch damit, hofft Meyer, wird es wahrscheinlicher, dass weitere Geldgeber hinzukommen, darunter der Landkreis und die EU. Insgesamt werden etwa 474 000 Euro gebraucht.

Wie alt das denkmalgeschützte Haus ist, weiß niemand. Bis heute ist kein schriftlicher Vermerk gefunden worden. Es gibt aber zwei Gutachten. Eines stammt von dem Architekten Henning Wessels, der die Sanierung des Hauses plant. Er schätzt, dass es zwischen 1820 und 1850 gebaut worden ist. Der Monumentendienst, der sich 2008 in dem Gebäude umgesehen hat, nennt in seinem Inspektionsbericht die Zeit zwischen 1800 und 1820.

Mühle am Klosterweg

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Seit wann die Moorseer Mühle überhaupt existiert, ist ebenfalls nicht schriftlich belegt. Erstmals urkundlich erwähnt wird sie 1679 in einer Steuerliste. Damals gehörte sie Tiörck Ummen und seinem Sohn Wilcke. Sie stand allerdings nicht in Moorsee, sondern einige 100 Meter weiter südwestlich am Klosterweg. Und sie war auch kein imposanter Galerieholländer, sondern eine Bockwindmühle. 1680 starb der Vater, der Sohn erbte. 1688 starb auch der Sohn. Eine Hälfte seines Besitzes blieb in der Familie, die andere Hälfte ging an die Armenstiftung des Kirchspiels Abbehausen. Die Moorseer Mühle gehörte also zum heute noch bestehenden Ummenschen Fundus.

Irgendwann nach 1688 wurde sie an ihren heutigen Platz verlegt. „Bockwindmühlen konnten leicht auf- und wieder abgebaut werden“, sagt Nils Meyer. „Ob das auch hier der Fall war, lässt sich nicht mehr nachweisen, ist aber wahrscheinlich.“ Jedenfalls ist in der Abbehauser Vogteikarte von 1790 dort eingezeichnet, wie sie heute noch steht.

Inzwischen hatte sie auch den Besitzer gewechselt: Anton Theilen aus Neuenburg bei Varel hatte sie 1762 in einem Konkursverfahren gekauft. 1800 übernahm er auch den Teil des Ummenschen Fundus. 1810 erbte sein Sohn Anton Christian Theilen die Mühle, 1825 ging auch er in Konkurs. Neuer Besitzer wurde der Bäcker Franz Sagemüller aus der Friesischen Wehde.

Zwischen 1850 und 1855 brannte die Bockwindmühle ab, Sagemüller errichtete einen Galerieholländer. 1871 verpachtete sein Nachfahre die Mühlenbäckerei an die Familie Reinken, die ihre Wurzeln in Esenshamm und Süderschweiburg hat. 1899 pachteten die Reinkens auch den Rest des Mühlengrundstücks.

Am 11. September 1903 brannte die Mühle erneut. Anton Gerhard Reinken kaufte sie den Sagemüllers ab und baute sie von April bis Oktober 1904 wieder auf. Dabei vergrößerte er sie um ein Stockwerk.

Und auch in das Müllerhaus investierte er. Die Türen und Fenster stammen eindeutig aus dieser Zeit, hat der Monumentendienst festgestellt. Auch die textilen Wandbehänge – kunstvoll bedruckt im Wohnzimmer, aus einfacher Jute im Kontor – sind damals angefertigt worden.

Mauerwerk trocken legen

Sie sollen bei der Sanierung wieder hergestellt werden, sagt Nils Meyer. Zuvor muss aber erst einmal die Gebäudehülle saniert werden. Das Mauerwerk muss innen und außen getrocknet und um das Haus muss eine Drainage gelegt werden. Türen und Dielenböden werden herausgenommen, aufgearbeitet und wieder eingesetzt. Schornsteine müssen saniert, der im Flur muss sogar ersetzt werden.

Nach der Sanierung, wohl Ende 2013, soll das Müllerhaus einerseits den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern der Mühle Büro- und Versammlungsräume bieten und andererseits den Besuchern der Mühle zeigen, wie eine Müllerfamilie vor 100 Jahren gelebt hat.

Und bis dann wollen die Mühlenfreunde auch wissen, wie alt das Müllerhaus wirklich ist. Eine dendrochronologische Untersuchung soll zeigen, wann die Bäume gefällt worden sind, aus denen dann die Balken des Müllerhauses gemacht wurden.

Seit 2004 gehört das Müllerhaus dem Landkreis, der auch Eigentümer der Ausstellungshalle und des Stallgebäudes ist. Die Moorseer Mühle selbst gehört ebenso wie das Maschinenhaus mit dem Cafe´ und der benachbarten Wagenremise zwei Enkeln des letzten Müllers Heinrich Reinken: Bernd Reinken aus Melle und Frauke Reinken-Hartig aus Osnabrück.

Der Landkreis hat die Gebäude seit 1977 von den Reinken-Erben gepachtet, der derzeitige Vertrag läuft bis 2019. Betreiber des Museums und damit Arbeitgeber des Leiters Nils Meyer ist der Rüstringer Heimatbund.

Das Museum zählt im Durchschnitt 10 800 Besucher im Jahr.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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