Moorsee /Stollhammer Deich Christoph Tantzen zieht mit dem langen Haken ein Bündel Weizen zusammen, holt mit der großen Sichel aus und schneidet den Weizen ab. So geht er Schritt für Schritt am Rand des Feldes entlang. Hinter ihm sammeln die anderen Mitglieder der Mühlengruppe des Rüstringer Heimatbundes die geschnittenen Halme ein, binden sie zu Garben zusammen und tragen sie zum Anhänger, der an der Straße neben dem Weizenfeld am Stollhammer Deich steht.

Dreschen per Dampfkraft

Das Mühlenfest der Moorseer Mühle steht bevor. Bei der Veranstaltung will die Mühlengruppe den Besuchern zeigen, wie der Weizen damals gedroschen und das Korn zu Mehl verarbeitet wurde. Gedroschen wurde zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts meist mit Dampfmaschinen. Auch in der Moorseer Mühle steht eine solche Dreschmaschine mit Dampfantrieb.

Ernst-Moritz Hüpers musste früher selbst noch per Hand bei der Ernte helfen. BILD: Merle Ullrich

31. Mühlenfest bietet Vielfältiges Programm

Das 31. Mühlenfest in Moorsee findet am Samstag, 10. August, und am Sonntag, 11. August, von 10 bis 17 Uhr statt.

Der Eintritt kostet 3 Euro für Erwachsene, 1,50 Euro für Kinder und Jugendliche. Familien zahlen 7,50 Euro.

Vielfältiges Programm: Auf dem Mühlenplatz werden historische Handwerke vorgestellt. Auf der Schafweide dürfen die Gäste die Mühlenschafe besuchen und in der Mühle wird Garn gesponnen. Auch die Müller stellen ihre Arbeit vor. Für Kinder gibt es verschiedene Angebote vom Kinderschminken über Dosenwerfen und Sackhüpfen bis hin zur Märchenstunde. An diversen Ständen werden Holzarbeiten, Pralinen, Vogelhäuser, Strick- und Häkelwaren, Honig, Mühlenbrot und vieles mehr angeboten. „Die Mühle brennt“ heißt es am Samstag und Sonntag jeweils ab 11 Uhr. Dreschvorführungen mit Schatzsuche im Stroh finden ab 14 und ab 16 Uhr auf dem Freigelände am Parkplatz statt. Außerdem gibt es Musik, eine Aussichtsgondel am Kran (nur Sonntag) und Führungen.

Rund 150 Bündel Weizen hat die Mühlengruppe nun geerntet. Das muss für je zwei Vorführungen am Samstag und am Sonntag reichen. Traditionell erntet die Gruppe den Weizen mit Haken und Sichel per Hand. Doch es gibt nur wenige Mitglieder, die den für die Ernte nötigen, speziellen Sichelschwung noch beherrschen, sagt Wolfgang Meiners, der zur Mühlengruppe gehört. Die Gruppe ist deshalb auf der Suche nach Freiwilligen, die mit der Sichel ernten können oder dies lernen möchten. „Wenn genug Leute zusammenkommen, würden wir auch ein Seminar anbieten“, sagt Wolfgang Meiners.

Doch Christoph Tantzen, der den speziellen Schwung noch beherrscht, musste in diesem Jahr nicht etwa allein die 150 Garben schneiden. Erstmals hatte sich die Mühlengruppe für die Ernte technisches Gerät besorgt. Aber es kam natürlich nicht irgendeine moderne Erntemaschine zum Einsatz, sondern ein historischer, 15 PS starker Deutz-Trecker aus dem Jahr 1957. So zog Hans-Hermann Struß mit seinem Trecker gemächlich eine Bahn nach der anderen durch das Weizenfeld und wartete immer wieder geduldig, bis seine Mitstreiter die Garben zusammengeklaubt, gebunden und zum Anhänger gebracht hatten.

Ursprünglich wurden zum sogenannten Schränkeln, also zum Binden der Garben, einfach einige Halme des Weizens genutzt. Inzwischen sei der Weizen so gezüchtet, dass die Halme viel kürzer sind und somit kaum noch lang genug seien, um sie um ein Bündel zu wickeln, berichtet Erwin Jürgens. Die Weizenhalme seien heutzutage außerdem viel härter als früher, was die Ernte per Hand weiter erschwere, ergänzt Christoph Tantzen.

Früher ist bei der Ernte meist das ganze Dorf gefragt gewesen. Während die Männer die Halme mit der Sichel abschlugen, banden die Frauen die Garben zusammen. Eine erste Arbeitserleichterung brachte die Ernte mithilfe einer Mähmaschine, die von Pferden gezogen wurde. Die konnte von zwei Personen bedient werden. Einer lenkte den Wagen, der andere saß hinten auf dem Anhänger und band die Garben, die auf einem sogenannten Mähbalken abgelegt wurden.

An diese Zeit kann sich Ernst-Moritz Hüpers noch gut erinnern. Sein Großvater erntete selbst noch mit einer von Pferden gezogenen Mähmaschine. „Allerdings saß mein Großvater da alleine drauf. Die Pferde kannten den Weg schon ganz genau“, erinnert sich der heute 78-jährige. „Ich musste früher auch mit raus“, erzählt er. In drei verschiedenen Betrieben habe er die Landwirtschaft von der Pike auf gelernt. Um das Pflügen zu beherrschen, habe er sogar in einem Betrieb in Schleswig-Holstein gearbeitet, erzählt er.

Mit Nachbarn geteilt

Das Getreide wurde in großen Wischen (Haufen) auf dem Hof der Familie in Esenshammergroden gelagert und im Winter gedroschen, denkt Ernst-Moritz Hüpers an die alten Zeiten zurück. . Seine Großeltern teilten sich eine Dreschmaschine mit den Nachbarn. Doch es hat auch Unternehmen gegeben, die mit ihren Maschinen von Hof zu Hof zogen und als Lohnunternehmer das Dreschen übernahmen, erzählt Ernst-Moritz Hüpers. Den ersten Trecker für die Ernte bekam seine Familie 1962.

Mehr als 40 Mühlen hat es früher einmal in der Wesermarsch gegeben, weiß Wolfgang Meiners. Nur wenige sind davon bis heute übrig geblieben. Damit das alte Handwerk nicht in Vergessenheit gerät, lädt das Team des Museums Moorseer Mühle regelmäßig zum Mühlenfest ein. An diesem Samstag, 10. August, und am Sonntag, 11. August, wird den Gästen von 10 bis 17 Uhr auf dem Gelände des Mühlenmuseums ein buntes Programm geboten.


Ein Video sehen sie unter:   www.nwzonline.de/videos/mein-landkreis/wesermarsch 
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Merle Ullrich Nordenham / Redaktion Nordenham
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