Moorsee Im 14. Jahrhundert begann vermutlich der Bau der ersten Windmühlen in der Wesermarsch. Mühlen durften zu dieser Zeit nur mit der Bewilligung des Landesherrn betrieben und errichtet werden. Klöster waren davon ausgenommen. Die Vergabe dieser Privilegien wurde schriftlich festgehalten und war dadurch rechtsgültig. Die früheste urkundlich erwähnte Rechtzusprechung für die Wesermarsch datiert auf den 25. März 1381. Laut Urkunde erlaubte Erzbischof Albrecht von Bremen den Bau einer Windmühle in Ovelgönne, deren Standort heute nicht mehr bekannt ist.

Im Unterschied zu den Windmühlen der angrenzenden Grafschaften waren die Mühlen der Wesermarsch im Privatbesitz. Dies änderte sich mit der Eroberung des Landes und dem Verlust der Freiheit im Jahr 1514. In der Regierungszeit von Anton I. von Oldenburg (1729-1573) kamen die Mühlen Hartwarden, Blexen, Burhave, Ruhwarden, Tossens und Eckwarder Altendeich in herrschaftlichen Besitz. Die Annexion der Mühlen verlief jeweils nach dem gleichen Muster: Die Eigentümer wurden wegen geringfügiger Vergehen schuldig gesprochen und enteignet.

Die Müller mussten unter der neuen Herrschaft die Mühlen vom Grundbesitzer zu einem jährlichen Zins pachten. Gleichzeitig bot das Pachtverhältnis dem Müller aber auch einen wirtschaftlichen Schutz. Innerhalb eines festgelegten geografischen „Bannkreises“ durfte keine zweite Mühle errichtet werden.

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Bannkreis und Mahlzwang

Zudem galt für die Bauern der „Mahlzwang“. Er verpflichtete sie, ihren Ernteertrag in der herrschaftlichen Mühle mahlen zu lassen. Damit war die wirtschaftliche Existenz des Müllers sichergestellt. Für jedes zum Mahlen gebrachte Getreide erhielt der Müller einen Anteil, die sogenannte „Metze“. Die Menge der Metze wurde durch das Volumen eines Hohlmaßes – dem „Mattfass“ oder dem „Scheffel“ – festgelegt. Im Jahr 1692 betrug die Metze beispielsweise ein Sechzehntel des gesamten Mahlgutes.

Der Bannkreis schuf für den Müller eine Monopolstellung. Erst mit der Eroberung der Region Wesermarsch durch Napoleon wurden 1811 der Bannkreis aufgehoben und die Gewerbefreiheit eingeführt. Danach war es jedermann möglich, ohne Genehmigung eine Mühle zu betreiben. Nach dem Sieg über Napoleon und dem Abzug der französischen Truppen 1813 wurde das System des Bannkreises erneut eingeführt. Es blieb im Großherzogtum Oldenburg bis 1852 bestehen. Darauf folgte die Phase einer wirtschaftlichen Freiheit. Alle Mühlen im staatlichen oder herrschaftlichen Besitz wurden privatisiert.

Mit der erneuten Einführung der Gewerbefreiheit begann die Blütezeit der Windmüllerei in der Wesermarsch. Besonders die technisch hochentwickelten Galerieholländer verbreiteten sich an den Chausseen (Steinstraßen). In dieser Zeit etablierten sich viele Müller-Familienunternehmen, die über Generationen das Handwerk des Müllers betrieben. Diese Familienbetriebe schufen Anfang des 20. Jahrhunderts die Grundlage für eine Blütezeit des Mühlenwesens in der Wesermarsch. Insgesamt prägten rund 120 Windmühlen unterschiedlichen Typs das Landschaftsbild.

Auf diesen Höhepunkt folgte um 1900 ein langsamer, aber stetiger Niedergang der Windmüllerei. Er dauerte fast 100 Jahre und wird allgemein als „Mühlensterben“ bezeichnet. Das Mühlensterben wurde durch mehrere Faktoren vorangetrieben. Verantwortlich war zum einen der vermehrte Einsatz von Dampflokomobilen und Rohölmotoren. Um 1900 verdrängten diese Antriebstechniken allmählich den Wind als Energieträger oder dienten als zusätzlicher Mahlgang in den Mühlen. Der Vorteil der neuen Technik lag darin, dass Wind nicht mehr zwangsläufig zum Mahlen benötigt wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg etablierte sich vor allem der Elektromotor als neue Antriebsform für Mahlgänge. Das führte dazu, dass der Bau von Kleinmühlen ermöglicht und diese erschwinglich wurden. Immer mehr Bauern verwendeten diese elektronisch angetrieben Kleinmühlen auf ihren Höfen und verarbeiteten ihr Mahlgut selbst. Damit wurden sie unabhängig von den Windmühlen.

Die Müller suchten einen Ausgleich in der Produktion von Kraftfutter. Dadurch gerieten sie allerdings in einen Konkurrenzkampf mit den Bezugsgenossenschaften und den privaten Landhandelsbetrieben.

Als größte Konkurrenten der meist von Familien geführten Windmühlen traten die Großmühlen auf. Entscheidend für die Entwicklung der Großmühlen war die Erfindung des Walzstuhls 1873 durch den Schweizer Ingenieur Friedrich Wegmann. Der Walzstuhl bildete die technische Grundlage für das Mahlen im industriellen Stil.

Um dem Konkurrenzdruck standhalten zu können, erweiterten zahlreiche Müller ihre Windmühlen um einen zweiten Diesel- oder Elektromahlgang. Trotzdem gaben bis zum Zweiten Weltkrieg viele kleinere Mühlenbetriebe auf. Die Flügel wurden abgebaut oder nach Sturm- und Brandschäden nicht mehr instandgesetzt.

Kartoffeln und Fleisch

In der Wesermarsch kam der Umstand hinzu, dass die Landwirte mit dem Ausbau der Transportwege vom Getreideanbau auf Milchwirtschaft umstellten. Somit mussten die Müller auf teures importiertes Getreide zurückgreifen. Zudem veränderten sich die Essgewohnheiten. Früher bildeten Roggenbrot und Graupensuppe die traditionelle Alltagskost der Landbevölkerung. Diese wurden erst durch die Speisekartoffel und später durch das Fleisch zurückgedrängt.

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