Moorsee Das Wetter meinte es nicht gerade gut mit den Organisatoren des Aktionstages „Rund um das Schaf“. Aber diejenigen, die sich von den Regenschauern nicht abschrecken ließen, konnten allerlei Wissenswertes aus der Welt der äußerst nützlichen Tiere erfahren. Dieses Angebot des Mühlenmuseums in Moorsee nutzten sowohl Einheimische als auch Urlauber.

Schafe sind aus der Wesermarsch nicht wegzudenken. Seit Jahrhunderten prägen sie hier das Landschaftsbild. Auf dem Gelände der Moorseer Mühle konnten die Besucher gleich zwei Rassen begutachten. Karin Müller-Rostin war mit ihren elf Weißköpfigen Fleischschafen vor Ort, um Fragen zu der Haltung dieser anpassungsfähigen und krankheitsunempfindlichen Schafrasse zu beantworten. Meike Avramut-Lampe aus Rönnelmoor hat zurzeit 70 Muttertiere, von denen 30 Weißköpfe und 40 Coburger Fuchsschafe sind. Auch Letztere sind widerstandsfähig. Beide Arten sind vom Aussterben bedroht. In Deutschland gibt es gerade einmal noch um die 4000 Coburger Fuchs- und 1840 Deutsche Weißköpfige Fleischschafe.

Vorgeführt wurde zudem das Scheren der Herdentiere. Gerade einmal drei Minuten braucht der Schäfermeister und Schafscherer Wolfgang Kudszus aus Balje, der dieses Handwerk seit 1975 beherrscht, dafür. Sechs bis acht Kilogramm Wolle kommen während jeder Schafschur bei ausgewachsenen Tieren zusammen. Da der aktuelle Wollpreis allerdings bei nur 35 Cent pro Kilogramm liegt, müssen die Hobbyzüchter bei jeder Schur draufzahlen.

Naturheilmittel Lanolin

Die gewonnene Rohwolle fühlt sich fettig an und weist einen nicht unbedingt angenehmen Geruch auf. Davon konnten sich auch die Zuschauer überzeugen. Aber das Lanolin, das ist der Wollwachs, hält gleichermaßen Feuchtigkeit und Schmutz ab. Es ist darüber hinaus pflegend und entzündungshemmend. Als Naturheilmittel war es bereits in der Antike im Einsatz.

Bei den acht am Aktionstag geschorenen Tiere handelte es sich um ältere Schafe, die die Wintermonate in den Ställen verbringen. Normalerweise erfolgt das Scheren bis spätestens August, damit die Tiere mit genug nachgewachsenem Fell dem Frost im Winter trotzen können.

Im Müllerhaus demonstrierten sieben Mitglieder der Spinngruppe des Rüstringer Heimatbundes, wie die geschorene und gewaschene Rohwolle zu Garn gesponnen wird. Ein altes Handwerk, das den Spinnerinnen einiges an Hand- und Fußkoordination abverlangt. Aber das Team um Annegret Martens verfügt über jede Menge Erfahrung.

Das Bauchfell der Schafe kann übrigens nicht zu Wolle gesponnen werden, weil es dafür einfach zu schmutzig ist. Es lässt sich jedoch als Dünger in Gemüsebeeten, als Dämmmaterial und als Kissenfüllung verwenden.

Allround-Textil

„Schafswolle ist ein Allround-Textil und gewinnt in Zeiten, in denen Nachhaltigkeit wieder großgeschrieben wird, zum Glück wieder an Bedeutung“, sagte Annegret Martens. Wenn man sich vergegenwärtigt, dass bei einem einzigen Waschvorgang rund 1600 Kunstfaserpartikel (Mikroplastik) einer gewöhnlichen Fleecejacke freigesetzt werden, die nicht im Klärwerk herausgefiltert werden können, hat es durchaus Sinn, bei der Anschaffung neuer Kleidung verstärkt auf Naturmaterialien zurückzugreifen.

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