Nordenham „Es ist ein allgemeines Problem, dass die Menschen nicht mehr miteinander reden.“ So erklärt Rudolf Müller die starke Zunahme von Anträgen auf ein Schlichtungsverfahren im vergangenen Jahr in Nordenham.

Statt wie in den Vorjahren mit zwölf bis 14 Fällen von Streit unter Nachbarn oder Beleidigungen hatte es der ehrenamtlich tätige Schiedsmann der Stadt Nordenham im Jahr 2015 mit 25 Schlichtungsanträgen zu tun. In diesem Jahr gab es bisher neun Schlichtungsverfahren.

In 17 dieser 25 Fälle war die Schlichtung erfolgreich. Rudolf Müller brachte die Streithähne dazu, miteinander zu sprechen und einvernehmlich zu einer gütlichen Einigung zu kommen, statt sich vor Gericht wiederzusehen.

Einwilligung und Werberichtlinie

Ja, ich möchte den täglichen NWZonline-Newsletter erhalten. Meine E-Mailadresse wird ausschließlich für den Versand des Newsletters verwendet. Ich kann diese Einwilligung jederzeit widerrufen, indem ich mich vom Newsletter abmelde (Hinweise zur Abmeldung sind in jeder E-Mail enthalten). Nähere Informationen zur Verarbeitung meiner Daten finde ich in der Datenschutzerklärung, die ich zur Kenntnis genommen habe.

32 Tür- und Angelfälle

Hinzu kamen 32 sogenannte Tür- und Angel-Fälle, die mit Hilfe des Schiedsmanns ohne förmliches Verfahren geregelt werden konnten. Denn die Beteiligten waren schlicht nicht richtig informiert oder dem Tipp von Rudolf Müller gefolgt, zunächst vernünftig miteinander zu reden.

Als Schiedsmann erfüllt Rudolf Müller nach Auffassung des Direktors des Nordenhamer Amtsgerichts, Martin Staubwasser, genau diese wichtige und zugleich schwierige Aufgabe: „Leute wieder zum Reden zu bringen – dann löst sich Vieles auf.“ Damit verschaffe der Schiedsmann dem Amtsgericht eine deutliche Arbeitsentlastung.

Der Amtsgerichtsdirektor hat Rudolf Müller jetzt die Dankesurkunde des Landgerichtspräsidenten und einen Blumenstrauß für zehnjährige ehrenamtliche Tätigkeit als Schiedsmann der Stadt überreicht – verbunden mit persönlichen Dankesworten.

Der 64 Jahre alte Rudolf Müller leitet in der Stadtverwaltung das Amt für Ordnung und Soziales. Zum 31. März nächsten Jahres wird er in den Ruhestand treten.

Die Erfahrungen und die Rechtskenntnisse aus seinem Beruf erleichtern es ihm, Auseinandersetzungen unter Bürgern erfolgreich zu schlichten. Ein Beispiel: In einem Fall war den in Streit geratenen Nachbarn und sogar dem Anwalt nicht bekannt, dass seit einer Änderung der niedersächsischen Bauordnung ein Grundstückszaun nicht mehr nur 1,80 Meter, sondern zwei Meter hoch sein darf.

Bei Streitereien unter Nachbarn geht’s häufig um angeblich zu hohe Hecken oder den Überwuchs von Bäumen, um wucherndes Unkraut oder störenden Lärm. „Der Bürger erwartet in zweifelhaften Fällen offenbar von der Behörde eine Lösung“, erklärt sich Rudolf Müller die zunehmende Zahl von Anfragen. Er fügt hinzu: „Es macht auch Freude, helfen zu können. Mitunter wird man aber leider angeschrien.“

Erheblicher Radau

In einem besonders krassen Schiedsverfahren seien Nachbarn sogar „wie die Berserker“ aufgetreten und hätten erheblichen Radau gemacht.

Fünf Jahre war Rudolf Müllere als stellvertretender Nordenhamer Schiedsmann im Einsatz. Seit 2011 ist er Schiedsmann und Bert Freese, der kürzlich zum Vizeverwaltungschef aufgestiegen ist, Stellvertreter. Vorgeschlagen worden waren sie vom Stadtrat, berufen worden von der inzwischen pensionierten Amtsgerichtsdirektorin Dr. Claudia Peplau.

Auch das kommt vor: In einem Fall von Streit unter Nachbarn hatten diese 20 Jahre lang nicht mehr miteinander geredet. Seit der erfolgreichen Schlichtung trinken sie gemeinsam Kaffee.

Um Kompromisse zu befördern, verhandelt Rudolf Müller mit den Beteiligten lieber vor Ort statt im Rathaus. Er setzt auch gerne Fristen und weist Nachbarn darauf hin, dass sie trotz allen Streites weiterhin Nachbarn bleiben werden. Dabei spricht der Schiedsmann stets mit allen Beteiligten auf Augenhöhe. Rudolf Müller weiß: „Ich soll vermitteln und nicht entscheiden.“

Horst Lohe Nordenham / Redaktion Nordenham
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.