BRAKE Die Not machte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erfinderisch. Die Familie musste schließlich etwas zu essen haben.

von günter kuschnik BRAKE - Es wurde alles verwertet, „was nicht niet- und nagelfest war, erinnert sich Annemarie Harich-Golzwarden aus der Richard-Wagner-Straße. „Meine Mutter war in der Küche sehr erfinderisch“, berichtet sie aus der damaligen Zeit. Die Nahrungsmittel waren rationiert, so dass Organisationstalent gefragt war.

So standen die Leute beim Schlachter Schlange, wenn der Wurst gekocht hatte und die Wurstbrühe an seine Kunden abgab. Da wurden mangels Fleischbrühe Steckrüben drin gekocht, die schmeckten scheußlich.

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Auch auf Kuchen und Marmelade wollte die Nachkriegsgeneration nicht verzichten. Zum Kindergeburtstag wurde zum Beispiel aus Pellkartoffeln, Grieß und Rumaroma eine „Marzipantorte“ kreiert.

Kunsthonig und Sirup waren die häufigsten Brotaufstriche in den Kriegsjahren und auch danach. Da war die 4711-Marmelade schon eine schmackhafte Abwechslung, auch wenn sie den Kindergaumen etwas herb anmutete. Vier (4) Pfund Rhabarber, sieben (7) Pfund Zucker und ein (1) Pfund Vogelbeeren wurden eine (1) Stunde lang gekocht. Die Zutaten waren leicht zu beschaffen, nur für die gewaltige Menge Zucker musste einige Zeit gehortet werden.

Im Garten wurden Zuckerrüben angebaut, die dann im Waschkessel sieben Stunden lang zu Sirup zerkocht wurden. In den Wäldern und Hainen wurden Beeren gepflückt. Löwenzahnblätter wurden zu Salat verarbeitet, Bucheckern aufgesammelt und gegen Öl eingetauscht.

Apropos Öl. Häufig musste Fischöl zum Braten verwendet werden. Die so zubereiteten Speisen sollen gut geschmeckt haben, beim Essen musste man sich allerdings wegen des penetrante Fischgeruchs die Nase zuhalten. Fett gehörte besonders nach dem Krieg zur absoluten Mangelware. Da griffen die Hausfrauen zu einem Trick und rösteten die Bratkartoffeln in einem Kaffee-Ersatz, Muckefuck genannt.

Hauptnahrungsmittel war die Kartoffel. Sie wurde sehr preiswert im eigenen Garten angebaut und über den Winter zentnerweise im Keller eingelagert.

Ein preiswertes aber sehr gesundes Nahrungsmittel war der in den Sielen selbst gefangene Fisch. Er wurde zum Beispiel als Beilage in der Erbsensuppe mitgekocht.

Einen, wenn auch unfreiwilligen Beitrag zur Volksernährung leistete der Braker Hafen. Dort fiel beim Umschlag von Lebensmitteln immer etwas ab. Den Arbeitern rieselte – per Zufall – Korn in ihre Stiefel. Die wurden zuhause ausgekippt, das Korn mit der Kaffeemühle gemahlen und das Mehl mit Milch zur Suppe verkocht. Ohne den Hafen wäre es uns dreckig gegangen“, erinnert sich Helmut Ostendorf, der Partner von Annemarie Harich-Golzwarden.

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