Berne „Liebe Marie“ – Mit diesem Gruß beginnt die Nachricht eines unbekannten Postkartenschreibers – oder einer Schreiberin – aus dem Jahr 1903. Die Schrift, die die Ansichtskarte ziert, ist für heutige Leser kaum zu entziffern. Ebenso ungewöhnlich ist, dass fast die ganze Vorderseite beschrieben wurde – auf der Rückseite hingegen fand nur die Adresse Platz.

Trotz der beschriebenen Vorderseite ist das Motiv aber dennoch gut zu erkennen. Es zeigt die Lange Straße in Berne mit Blick in Richtung Süden. Und die Postkarte, die aus der Sammlung von Martin Cordes aus Berne stammt, beweist deutlich: Schon vor 111 Jahren bildete die Lange Straße mit zahlreichen Geschäften und Gaststätten Bernes Ortsmittelpunkt.

Erstes Uhrengeschäft

Im Vordergrund des Bildes ist auf der rechten Straßenseite deutlich die Tabak- und Cigarrenfabrik F. Dümler zu erkennen, die heute nicht mehr existiert. Schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite befand sich 1903 noch das erste Geschäft des Uhrmachers Cordes, das später in die Ranzenbütteler Straße – die heutige Weserstraße – umzog. Mittlerweile existiert es aber auch an dieser Stelle nicht mehr. Wo der erste Uhrmacherladen in der Lange Straße stand, findet sich heute – etwas von der Straße zurückgesetzt – die Filiale der Volks- und Raiffeisenbank in Berne.

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Das Kopfsteinpflaster der Straße ist heute einer Asphaltdecke gewichen. Angepasst an die heutigen Anforderungen an den Straßenverkehr wurde auch der Raum für Kraftfahrzeuge erweitert beziehungsweise die Bürgersteige verkleinert. Betrachtet man das mehr als 100 Jahre alte Postkartenmotiv, so wird deutlich, dass auf der Lange Straße früher keine 20 oder 30 Tonnen schweren Lastwagen aneinander vorbei gepasst hätten. Stattdessen bevölkerten im frühen 20. Jahrhundert noch zahlreich die Fußgänger die Straße – damals war dies noch gefahrlos möglich.

Und nicht nur über die Entwicklung der Geschäftswelt, der Verkehrsituation und der baulichen Substanz gibt die Postkarte Aufschluss – auch über die Mode der Jahrhundertwende legt sie Zeugnis ab. Für das Foto haben sich die abgebildeten Berner in schicke Anzüge, die Damen in sittsame Blusen und lange Röcke und die Kinder in schicke Kleider gewandet – fotografiert wurde man damals nämlich nicht alle Tage.

950-jährige Geschichte

Berne blickt auf eine 950-jährige Geschichte zurück. Im Jahr 1063 verschenkte Kaiser Heinrich IV. das ungeschützte Sumpfland um Berne an die bremische Kirche. Erzbischof Adalbert von Bremen gestattete zugewanderten Niederländern die Besiedlung. Etwa 100 Jahre später begannen die Stedinger mit dem Deichbau zum Hochwasserschutz.

Nach der entscheidenden Schlacht des Stedingerkrieges bei Altenesch am 27. Mai 1234 – es siegten der Bremer Erzbischof und seine Verbündeten – wurde die Kirche von Berne bis auf den Turm und die Nordmauer abgerissen. Die Aegidius-Kirche wurde um 1240 als gotische Hallenkirche neu erbaut und der vorhandene Turm einbezogen. Um 1350 entstand die St.-Marien-Kirche im Ortsteil Warfleth. Die St.-Marien-Kirche im Ortsteil Neuenhuntorf wurde ab 1489 erbaut.

Im 19. Jahrhundert hielt die Industrialisierung Einzug. 1873 erfolgte der Bau der Bahnstrecke von Hude bis Brake mit Anschluss Berne.

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