ATENS Dorette Wittje und Petra Wisniewski, Mitarbeiterinnen der Nordenhamer Tafel, staunen nicht schlecht, als Landwirt Gerd Fittje aus Seefeld ihnen symbolisch einen Karton mit abgepackter Milch überreicht und damit der Hilfseinrichtung im Namen mehrerer Milchviehhalter aus Butjadingen, Nordenham und Stadland einen übervollen Traktor-Anhänger mit Milch und Milchprodukten als Spende zusagt. Zuvor haben knapp 50 Landwirte am Sonnabend eine spontane Protestaktion beim Nordsee-Center gestartet und dabei die Vorräte an Milcherzeugnissen aufgekauft.

Hintergrund ist der Milchlieferstopp, der nach Angaben des Landwirts Thomas Roßkamp aus Stollhamm bald zu einer Verknappung des Angebots führen wird. Schon in dieser Woche würden die Regale im Einzelhandel leer sein, meint er. Um diesen Vorgang zu beschleunigen, haben die Landwirte am Sonnabend die Milchprodukte bei Aldi und Edeka in großem Umfang auf eigene Kosten erworben und der Nordenhamer Tafel zur Verfügung gestellt.

Neben den Mitgliedern des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) sind auch nichtstreikende Landwirte vor Ort, die sich mit den Protest-Initiatoren solidarisch erklären. Die Landwirte sind mit ihren Familien zum Einkaufen gekommen, weil sie fest damit rechnen, dass in dieser Woche die Milchprodukte in den Läden knapper werden.

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Jannes Bergsma aus Eckwarden sagt, dass er dabei sei, um zu signalisieren, dass die Milch als hochwertiges Produkt knapper werden könnte und ein Liter derzeit zu Schleuderpreisen vermarktet werde. Das sei nicht zu akzeptieren, weil dadurch die Existenz vieler Milchlieferbetriebe gefährdet werde. Die Milchbauern wollen laut Jannes Bergsma mit dem Streik nicht die Verbraucher verärgern, sondern ein Zeichen setzen, um auf die schwierige Situation aufmerksam zu machen.

Die Kunden äußern auf Nachfrage der NWZ großes Verständnis für die Forderung der Milchbauern nach fairen Preisen. Sie lehnen es jedoch ab, dass Milch in die Gülle gekippt wird. Das lässt sich laut BDM-Teamleiter Thomas Roßkamp aber nicht vermeiden. „Wer sich Sorgen um Hungersnöte macht, der muss sich auch Sorgen um die Produzenten machen“, sagt er. Jannes Bergsma fügt hinzu, dass „unsere Milch jahrzehnelang durch die EU in Drittländer gegeben wurde, so dass die dortigen Landwirte nicht mehr existenzfähig waren, ihre Höfe verlassen mussten und viele Hektar Land brachliegen“.

Landwirt Wilhelm Tietz aus Rodenkirchen ist zwar nicht Mitglied des BDM, unterstützt aber die Streikaktion. Er fordert ein Einlenken der Genossenschaft. „Sie muss dazu bereit sein, die Liefermengen dem Bedarf anzupassen, doch das ist sie nicht.“ Unter diesen Bedingungen könnten die Erzeuger ihre Kosten nicht decken.

Für vollkommen berechtigt hält auch der Kunde Kurt Mücke die Aktion. Die zehn Cent mehr für einen Liter Milch sollten die Verbraucher nicht aufregen, meint er und verweist auf die hohen Benzinpreise. „Wir fahren trotzdem, weil wir darauf angewiesen sind", sagt Kurt Mücke.

Milcherzeuger Harald Düser aus Nordenham begrüßt die ideelle Unterstützung der Verbraucher bei dem Protest. Kritik übt er an den Genossenschaftsmolkereien, die 70 Prozent der Milch vermarkten. Sie würden den Milchviehhaltern nicht den Rücken stärkten, sondern den Streik als Aggression ansehen und nicht als Stärkung gegenüber dem Einzelhandel als Verhandlungspartner.

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