Blexen Ein Richtfest ohne Dachgebälk ist für einen Eigenheimbauer schwer vorstellbar, aber für Kronos Titan kein Problem. Als am Dienstag der Abschluss der Rohbauarbeiten für das neue Kraftwerk gefeiert wurde, befestigte Peter Aengeneyndt die Richtkrone an einem Stahlträger der Hallenkonstruktion. Dazu surrte der Werkleiter mit einem Steigkorb etwa zehn Meter in die Höhe. Neben ihm stand Mario Rieche, der als Vorarbeiter der Firma Herde­jürgen & Harmsen den Richtspruch hielt und nach alter Tradition eine Flasche an der Betonwand zersplittern ließ. Mit diesem zünftigen Festakt im Beisein von Kronos-Mitarbeitern und geladenen Gästen hat die Großinvestition auf dem Werksgelände eine wichtige Zwischenstufe erreicht. 20,5 Millionen Euro wendet Kronos Titan auf, um die Fabrik in Blexen zu einem Vorreiter in Sachen Energieeffizienz zu machen.

Standort sichern

Dass die Errichtung des Gas- und Dampfturbinenkraftwerks (GuD) auch für die Unternehmensleitung einen besonderen Stellenwert hat, zeigte die Anwesenheit des Geschäftsführungsmitglieds Klemens Schlüter aus Leverkusen. Das Kraftwerk-Projekt bezeichnete er als einen wichtigen Beitrag zur Standortsicherung. Mit den neuen Anlagen zur Strom- und Dampferzeugung sollen die Energieausgaben, die rund 25 Prozent der Produktionskosten bei der Herstellung von Titandioxid ausmachen, deutlich gesenkt werden.

Nach Angaben des Werkleiters Peter Aengeneyndt sind die 20,5 Millionen Euro für das Kraftwerk die größte Investition am Standort Blexen seit 25 Jahren. Die Ausgabe wird sich laut Peter Aenge­neyndt schon in vier bis fünf Jahren gelohnt haben. Dank der modernen GuD-Technik könne das Werk seine Energiekosten um rund 5 Millionen Euro im Jahr verringern.

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Nicht nur der Wirtschaftlichkeit der 1969 in Betrieb genommen Chemiefabrik, in der etwa 380 Beschäftigte tätig sind, kommt die effiziente Energiegewinnung zugute, sondern auch der Umwelt. Gegenüber dem bisherigen Verfahren – mit Stromlieferung durch die EWE und Dampferzeugung durch Gasbrenner – reduziert sich der jährliche Kohlendioxid-Ausstoß des Blexer Werkes um 30 000 Tonnen. Für die klimaschonende Technologie bekommt Kronos Titan eine finanzielle Förderung aus Bundesmitteln.

Herzstücke des neuen Kraftwerks sind zwei Turbinen mit einer Motorleistung von je 10 000 Pferdestärken. Der japanische Hersteller Kawasaki liefert die beiden mit Gas betriebenen Turbinen, die zum einen Strom herstellen und zum anderen Abwärme für die Dampferzeugung in den nachgeschalteten Abhitzkesseln liefern. Der Dampf wird für die Produktion von Titandioxid benötigt.

„Wir bekommen einen deutlich höheren Wirkungsgrad als bisher“, ist Bernd Kügler von den Vorzügen der neuen Anlage überzeugt. Der Ingenieur hat als Projektleiter die Verantwortung auf der Baustelle.

Die Bauarbeiten hatten im Herbst vergangenen Jahres mit der Pfahlgründung begonnen. 73 Betonpfeiler wurden bis zu 25 Meter tief in den weichen Marschboden getrieben. Darauf legten die Betonbauer der Einswarder Firma Herdejürgen & Harmsen die Bodenplatte an. Mittlerweile sind alle Betonarbeiten erledigt, so dass Ende dieser Woche die ersten Kesselkomponenten angeliefert werden können. Um die großen Geräte herum wird dann der Hallenaufbau errichtet. Das Gebäude bekommt Ausmaße von 40 Metern in der Länge, 30 Metern in der Breite und 11,5 Metern in der Höhe. Markante Erkennungsmerkmale werden drei Schornsteine sein. Der Probebetrieb soll im November starten.

Erster Anlauf in 2009

In seiner Ansprache beim Richtfest verheimlichte Werkleiter Peter Aengeneyndt nicht, dass es schon 2009 erste Überlegungen hinsichtlich eines Kraftwerkneubaus gegeben hatte. Angesichts der damaligen Marktkrise wurde das Vorhaben auf Eis gelegt und zwei Jahre später mit einem neuen Konzept wieder aufgegriffen.

Bürgermeister Hans Francksen lobte die Innovationsfreudigkeit des Blexer Chemiewerkes und nannte Kronos Titan ein „Schwergewicht in der Industrielandschaft, auf das wir stolz sind“.

Betriebsratsvorsitzender Heiko Tönjes sprach von einem „Projekt für die Zukunft“, das zur Sicherung der Arbeitsplätze beitrage.

Norbert Hartfil Redaktionsleitung Nordenham / Redaktion Nordenham
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