Rodenkirchen „Kaufst du noch oder lebst du schon?“ Mit diesem leicht abgewandelten Werbespruch des schwedischen Möbelhauses IKEA hat Anne Kreiling jetzt ihre Zuhörerinnen vom Landfrauenverein Rodenkirchen aufgerüttelt. „Bewusst getroffene Einkaufsentscheidungen sind unsere persönliche Unabhängigkeitserklärung“, sagte sie.

Neurologie vorn

Das ist schön gesagt, aber nicht leicht einzuhalten. Denn der Kunde fällt 70 bis 80 Prozent seiner Kaufentscheidungen unbewusst. Supermarkt-Ketten sind gern bereit, viel Geld für die Erforschung dieser unbewussten Kaufentscheidungen auszugeben. Dabei hat die Neurologie – also die Hirnforschung – die Psychologie als Leitwissenschaft abgelöst. Die Neurologen haben schon einiges herausbekommen, das der Kunde selbst möglichst nicht wissen sollte.

Anne Kreiling, studierte Ökotrophologin und Beraterin bei der Außenstelle Oldenburg-Nord der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, verriet es den rund 40 anwesenden Landfrauen in Albrechts Hotel selbstverständlich trotzdem.

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Die Beeinflussung fängt schon an der Supermarkt-Tür an, die ja meist etwa hakt. Dahinter stecke nicht etwa ein technisches Problem, sondern der Wunsch, den Kunden in seinem Drang, schnell das Notwendige zu kaufen, abzubremsen mit dem Ziel, ihn vom Hetzer zum Bummler zu machen. Mit Erfolg: Forschungen zufolge ist rund 40 Prozent des Einkaufs ungewollt. Ein klarer Sieg der Supermarkt-Psychologen also.

Nach der hakenden Tür kommen oft die Blumenhändler sowie die Obst- und Gemüse-Abteilung. Sie rufen in den Kunden Wochenmarkt-Gefühle wach und erwecken den Eindruck, alle anderen Artikel, auch das Brot und die Konserven nebenan, seien top frisch. Dann geht es weiter gegen den Uhrzeigersinn. Diese Richtung kommt dem Bedürfnis von Rechtshändern – also etwa 70 Prozent der Deutschen – entgegen. Warum das so ist, muss noch erforscht werden. Aber schon steht fest, dass sie auf diesem Weg mehr kaufen, als wenn sie im Uhrzeigersinn geführt werden.

Bereits seit der Steinzeit meidet der Mensch aus Sicherheitsgründen die Mitte des Platzes, Sackgassen, Ecken und lange, gerade Gänge. Wer einen Supermarkt betreibt, berücksichtigt das. Und selbstverständlich ist es kein Zufall, dass die Milchprodukte, die der Kunde unbedingt braucht, in der hintersten Ecke stehen: Der Kunde soll durch den ganzen Markt schlendern.

Farben rücken die Produkte ins rechte Licht: Fleisch und Wurst wird rot angestrahlt, Käse in warmem Gelb-Orange, Fisch in kalten Weiß. Und selbstverständlich riecht es in der Fischabteilung nicht nach Fisch, sondern nach Meeresbrise. Der Supermarkt-Betreiber hat künstliche Duftstoffe eingekauft, die den Kunden empfänglicher stimmen: Erdbeerdurft für die Obstabteilung, Schokoduft für die Süßigkeiten und Babypuderduft in der Drogerieabteilung.

An der Kasse geben die Verkaufsstrategen noch einmal alles: Die Quengelzone mit Süßigkeiten und Alkoholika verleitet nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene. Supermärkte machen fünf Prozent ihres Umsatzes vor der Kasse.

Besser bar bezahlen

Bezahlen sollten Kunden übrigens bar, empfahl Anne Kreiling, denn die Trennung vom großen Schein tut – anders als das Bezahlen mit Karte – geradezu körperlich weh. Von Bonuskarten – etwa Payback – rät sie dringend ab. Die Vergünstigung liege in aller Regel unter einem Prozent, aber dafür müsse der Kunde viele Informationen über sich preisgeben.

Also forderte die Referentin die mündige Kundin auf: „Sparen Sie nicht um des Sparens willen, und geben Sie Geld aus für alles, was sie wirklich brauchen.“

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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