BURHAVE Der Raum wirkt einladend wohnlich. Viel Holz, gemütliche Dachschrägen, schöne Vorhänge, Möbel von Meisterhand. Am großen Esstisch sitzen drei Frauen und klönen bei Kaffee und Gebäck. Sie sitzen an jedem Mittwochmittag hier in der Pastorei an der Lübbe-Siebeth-Straße. Denn dann öffnet die Butjenter Tafel.

Eine glückliche Hand

„Wir haben eine glückliche Hand gehabt“, freut sich Fred Memenga, der Chef der Nordenhamer Tafel, deren Filiale die Einrichtung in Burhave ist. „So schöne Räume und eine so schöne Umgebung können wir in Nordenham nicht bieten.“ Memenga hat viele Tafeln in Deutschland gesehen. „Die meisten sind am Rande der Gesellschaft untergebracht – am Bauhof oder so“, sagt er. Und er ist der Kirchengemeinde Burhave dankbar, dass sie so schöne Räume zur Verfügung stellt.

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Auch die drei Frauen fühlen sich wohl. Sie kommen seit der Gründung der Tafel im Januar 2008. Sie freuen sich auf das Gespräch, während sie darauf warten, dass ihre Tüten mit Lebensmitteln gepackt werden. Die eine lebt in Burhave, seit sie vor sechs Jahren aus Russland gekommen ist. „Da gab es keine Tafel“, sagt sie. Obst und Gemüse, Milch oder Joghurt und Toastbrot nimmt sie mit.

„18 oder 19 Euro“ spart sie jede Woche, weil es die Tafel gibt. Das entspricht durchaus dem Durchschnitt, bestätigt Fred Memenga.

Ihr Nachbarin, die mit dem Fahrrad aus Stollhamm kommt, nutzt die Tafel, „um Löcher zu stopfen“, wie sie sagt. Brot nimmt sie nicht mit, weil es nicht lange genug hält; stattdessen backt sie es zu Hause selbst. Aber Wurst, Käse und Kartoffeln, die könnte es öfter geben, findet sie. Gerade Fleisch werde kaum gespendet, sagt Fred Memenga.

Die dritte Frau, die mit einem Kleinwagen aus Stollhamm anreist, hat ebenfalls nicht genug Geld für Lebensmittel, wie sie sagt: „Mein Mann und meine Tochter haben einen Ein-Euro-Job, meine andere Tochter geht noch zur Schule, und mein Sohn verdient wenig.“

600 Kilogramm Nahrung

Wer Lebensmittel von der Tafel beziehen will, muss Hartz-IV-Empfänger sein, sagt Fred Memenga. Das schreibt das Tafelgesetz vor. Ihm gefällt der Ausdruck Hartz IV gar nicht, und er schlägt stattdessen das Wort Bürgergeld vor.

An jedem Mittwoch wird die Burhaver Pastorei von dem 2,8-Tonner der Nordenhamer Tafel beliefert. Rund 600 Kilogramm Lebensmittel, ein Zehntel der von der Nordenhamer Tafel gesammelten Menge, werden in der Pastorei verteilt. 35 Haushalte mit 72 Mitgliedern, darunter 22 Kindern unter 12 Jahre, sind bei der Tafel registriert. Die Lebensmittel werden an jedem Morgen von 6 Großmärkten und 35 kleineren Geschäften in der Wesermarsch zur Verfügung gestellt – auch in Burhave beteiligen sich ein Supermarkt und ein Discounter. Wenn es mal eng wird, fährt der Tafel-Wagen sogar bis nach Bremen.

Im Nordenhamer Bürgerhaus werden die Lebensmittel sortiert; auch die Lebensmittelfachkraft Dorette Wittje achtet darauf, dass nur einwandfreie Speisen ausgegeben werden. Die werden dann nach Burhave gefahren. Was nicht ausgegeben wird, kommt am Nachmittag zurück ins Kühlhaus der Nordenhamer Tafel.

Zehn Ehrenamtliche

Zehn ehrenamtliche Kräfte, überwiegend Frauen, geben die Nahrungsmittel aus. An diesem Mittwoch sind es Friedelore Wulf, Monika Geyer, Brigitte Hausburg und Sigrid Lieske. Und wenn ein Bedürftiger aus Krankheits- oder anderen Gründen nicht nur Tafel fahren kann, werden ihm die Lebensmittel von der Kirchengemeinde gebracht.

Henning Bielefeld Stadland und stv. Leitung Redaktion Nordenham / Redaktion Nordenham
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